Schwarzwald-Baar-Kreis: Zehn Punkte, die helfen sollen, die Welt zu retten

Öfter mal den Stecker ziehen oder den Pullover überstreifen, anstatt die Heizung aufzudrehen – auch der Umgang mit Stromfressern und Heizungen in den Amtsstuben der Kreisverwaltung soll künftig bewusster erfolgen.
dpa/Z1022 Patrick PleulDer Chef der Klimaschutz- und Energieagentur Schwarzwald-Baar-Heuberg Tobias Bacher sowie Roland Engel vom Institut für Sozial- und Umweltforschung, kurz: isuf, haben das Leitbild gezeichnet, das in wesentlichen Punkten den Kurs vorgeben soll, den der Landkreis in Sachen Klimaschutz und Energiepolitik fahren will.
Ehrgeizige Klimaschutzziele haben sich nicht nur der Bund und das Land gesetzt, sondern nimmt man sich auch auf Kreisebene vor. Treibhausgasemissionen und Energieverbräuche sollen sinken, der Anteil erneuerbarer Energien bei Strom- und Wärmeversorgung steigen – ebenso wie beispielsweise der ÖPNV oder das Radwege-Angebot. Darüber hinaus will man diverse Maßnahmen für wertvolle Ökosysteme forcieren und eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft weiterentwickeln.
Der Landkreis soll mit gutem Beispiel vorangehen. Im Folgenden sind die zehn wichtigsten Zielvorgaben im Leitbild für den Landkreis:
1. Vorbild sein
„Wir sind mit den Klimaschutzmaßnahmen in unseren eigenen Zuständigkeiten ein Vorbild für Städte und Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger sowie für die Wirtschaft und sorgen für eine kontinuierliche Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen.“
2. Andere Coachen
„Wir unterstützen die Akteure im Landkreis bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeinsparung, Steigerung der Energieeffizienz und zur Erzeugung von Erneuerbaren Energien.“
3. Dranbleiben
„Wir führen ein regelmäßiges Monitoring durch, um die Ziele, die Umsetzung der Maßnahmen und deren Wirksamkeit zu überprüfen. Bei Bedarf passen wir unsere Bemühungen an veränderte Rahmenbedingungen oder abweichende Maßnahmenwirkungen an.“
4. Klimaneutralität
„Wir streben eine weitgehend klimaneutrale Landkreisverwaltung bis 2040 an.
5. Erneuerbar muss es sein
„Wir beziehen Strom für kreiseigene Gebäude zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen Wir schöpfen das geeignete Dachflächenpotenzial für Photovoltaikanlagen zu 70 Prozent bis 2030 und zu 100 Prozent bis 2040 aus und erhöhen dadurch sukzessive die Eigenstromnutzung. Darüber hinaus integrieren wir Parkflächen sowie Flächen auf ehemaligen Deponien in unsere Planungen. Wir senken den Strombedarf kommunaler Gebäude durch den Einsatz von LED-Beleuchtung, energieeffizienter Elektrogeräte, IT-Infrastruktur sowie durch Verhaltensänderungen der Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter um 25 Prozent bis Ende 2030 gegenüber dem Basisjahr 2017/2018.“
6. Pulli statt Heizung
„Wir verzichten bei der Wärmeversorgung von kreiseigenen Gebäuden bis 2040 auf fossile Energieträger zu Gunsten von 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen wie Holz, Umgebungswärme und Ökostrom, Biomethan oder grüner Wasserstoff. Wir senken den Wärmebedarf in kommunalen Liegenschaften durch energetische Sanierungen sowie Verhaltensänderungen um 30 Prozent bis zum Jahr 2030 gegenüber dem Basisjahr 2017/2018.
7. Bewusst bauen
„Wir wollen ein weitgehend Klimaneutrales und nachhaltiges Bauen bei Neubauten sowie Sanierungen der kreiseigenen Liegenschaften umsetzen. Darüber hinaus wird der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur bei zukünftigen Maßnahmen obligatorisch in die Planungen integriert.“
8. Bewusst kaufen
„Wir wollen sukzessive ein nachhaltiges Beschaffungswesen aufbauen.“
9. Die Sache mit dem Fuhrpark
„Wir werden die CO2-Emissionen des kreiseigenen Fuhrparks reduzieren. Dazu sollen bis 2035 66 Prozent der kreiseigenen Pkw auf Elektroantrieb umgestellt sein.“
10. In Land und Forst
„Wir erarbeiten gemeinsam mit den Fachverwaltungen des Landes und Bundes Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung in den Handlungsfeldern Land- und Forstwirtschaft sowie Wasser, Boden und Umwelt. Wir begleiten die Landeigentümer und Landbewirtschafter im Schwarzwald-Baar-Kreis konstruktiv bei deren Umsetzung und unterstützen die Vernetzung der Akteure von sektoralen Planungen.“
Klima-Bündnis
Netzwerk
Der Schwarzwald-Baar-Kreis wird dem Klima-Bündnis beitreten. Das beschloss der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung. Das Bündnis ist das größte Netzwerk europäischer Städte, Gemeinden und Landkreise zum Thema Klimaschutz. Es wurde 1990 unter anderem von zwölf Kommunen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Zusammenarbeit mit zwölf indigenen Organisationen des Amazonasbeckens in Frankfurt am Main gegründet. Nach über 30 Jahren hat der eingetragene Verein knapp 2000 Mitglieder in 26 Ländern. Alleine in Deutschland sind bereits über 600 Kommunen, Kreise, Bundesländer, Vereine und Verbände Mitglied.
Aus der Region
Im Schwarzwald-Baar-Kreis sind die großen Kreisstädte Villingen-Schwenningen (1995) und Donaueschingen (1993) sowie Bad Dürrheim (1993) und Hüfingen (1994) Teil des Netzwerks.
Die Motivation
Der Schwarzwald-Baar-Kreis engagiert sich vielfältig für den Klimaschutz – seit 2020 gibt es beispielsweise die Stabsstelle Energiemanagement und Klimaschutz beim Amt für Schule, Hochbau und Gebäudemanagement. Der Kreis nimmt regelmäßig am landesweiten Wettbewerb Leitstern Energieeffizienz teil, hat bereits 2016 die unterstützende Erklärung zum Klimaschutzpakt BW unterzeichnet und wird aller Voraussicht nach Ende des Jahres im Rahmen des European Energy Awards zertifiziert. „Eine Mitgliedschaft des Schwarzwald-Baar-Kreises würde die Bemühungen beim Klimaschutz weiter voranbringen“, ist die Kreisverwaltung überzeugt.
Die Kosten 2024 betragen die jährlichen Mitgliedskosten 0,85 Cent pro Einwohner. Bei 217 181 Einwohnern (Stand Ende 2022) kostet die Mitgliedschaft den Landkreis eigentlich 1846,04 Euro pro Jahr. Für alle Städte im Kreis, die schon Mitglied sind, muss der Landkreis diese Kosten nicht tragen – deshalb reduzieren sich die jährlichen Kosten auf 721,67 Euro.
