Rekordpreis für Gold: Was das aktuelle Hoch für Anleger und Verkäufer bedeutet

Die Nachfrage nach Gold ist derzeit so hoch wie noch nie. (Symbolfoto)
Pixabay/PublicDomainPicturesDer Goldpreis hat ein neues Rekordniveau erreicht: Mehr als 4.000 US-Dollar kostet derzeit eine Feinunze des Edelmetalls – ein historischer Höchststand. Auch in Villingen-Schwenningen ist die Entwicklung deutlich spürbar. Patrick Wiehl, Inhaber des Pfandhauses VS, beobachtet eine außergewöhnliche Dynamik am Markt.
„Der Goldpreis schwankt teilweise minütlich oder sekündlich – ähnlich wie bei Aktien“, erklärt Wiehl. Über das Wochenende schließe die Börse zwar, doch am Montagmorgen reagiere der Markt dann oft mit deutlichen Sprüngen, etwa auf politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Nachrichten. „Innerhalb eines Tages kann der Preis um zwei bis drei Prozent steigen oder fallen“, so Wiehl. Aktuell liege der Preis bei rund 113 bis 116 Euro pro Gramm – vor zehn Jahren waren es noch etwa 30 Euro. „Der Wert hat sich also vervierfacht.“
„Gold ist seit Jahrhunderten ein sicherer Hafen“
Die Gründe für den Höhenflug sieht Wiehl vor allem in der globalen Unsicherheit: Kriege, Inflation, Zinsentscheidungen und schwächelnde Wirtschaften ließen viele Anleger nach stabilen Werten suchen. „Wenn die Wirtschaft schwankt, flüchten Anleger in sichere Häfen – und Gold war schon immer einer davon“, sagt er.
Das spürt man auch vor Ort: Die Nachfrage nach Gold sei derzeit so hoch wie noch nie. „Seit der Preis die 100-Euro-Marke pro Gramm überschritten hat, ist die Unsicherheit groß. Sowohl Kleinanleger als auch größere Investoren kaufen Gold, weil sie mit weiteren Preissteigerungen rechnen.“ Auch Goldhändler berichten ihm zufolge von einer Rekordnachfrage.
Beim sogenannten Tafelgeschäft, also beim direkten An- und Verkauf von Barren oder Münzen im Laden, seien die Unterschiede zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis momentan sehr gering. „Das macht den Handel für Kunden attraktiv“, erklärt Wiehl. Silber sei zwar ebenfalls beliebt, werde in Deutschland aber mit Mehrwertsteuer belegt – und ist dadurch weniger interessant.
Viele neue Anbieter – nicht alle sind seriös
Neben dem klassischen Handel betreibt Wiehl auch den Ankauf von Recyclinggold, etwa Schmuck oder Zahngold. Immer wieder sei er überrascht, wie wenig viele Menschen über den tatsächlichen Wert ihrer Stücke wüssten. „Viele sind richtig erstaunt, wenn sie hören, was ihr alter Schmuck wert ist“, sagt er. Gleichzeitig warnt er vor unseriösen Anbietern: „In Zeiten wie diesen entstehen viele kleine Goldankäufer – nicht alle arbeiten sauber. Kunden sollten Preise vergleichen und sich gut informieren.“
Tipps für den ersten Goldverkauf
Menschen, die zum ersten Mal Gold verkaufen möchten, sollten sich laut Wiehl im Vorfeld informieren, welchen Goldgehalt ihre Stücke haben und welchen Preis sie aktuell erzielen könnten. „Viele wissen gar nicht, was sie daheim liegen haben“, erzählt er. „Wenn wir ein Angebot über 500 Euro machen, sind sie oft völlig überrascht.“ Er rät außerdem dazu, mehrere Angebote einzuholen.
Zuverlässig vorhersagen lässt sich der Goldpreis und dessen zukünftige Schwankungen laut Wiehl nicht. „Niemand kann sicher sagen, wohin die Reise geht“, sagt er. Einfluss hätten vor allem geopolitische Entwicklungen, Inflation und das Zinsniveau. Viele Anleger hätten das Vertrauen in Papiergeld verloren und wollten lieber etwas Greifbares besitzen. „Anleger wollen ihr Geld in der Hand haben – in Form von Edelmetall.“
Goldschmuck wird immer teurer
Ein Nebeneffekt des Rekordpreises: Goldschmuck wird immer teurer und dadurch schwerer verkäuflich. „Eine massive Herrenkette kostet heute schnell mehrere Tausend Euro – allein wegen des Materialwerts“, erklärt Wiehl. Während Anlagegold in Deutschland steuerfrei ist, unterliegt Schmuck der Umsatzsteuer und weiteren Herstellungskosten.
Trotzdem bleibt das glänzende Metall für viele die wohl älteste Form der Wertanlage – und in unsicheren Zeiten scheint sein Ruf als sicherer Hafen stärker denn je.