Regina Hildebrand aus Niedereschach: Warum Seelsorge nicht nur Sache der Pfarrer ist

Regina Hildebrand (links), unser Bild zeigt sie zusammen mit dem früheren Niedereschacher Pfarrer Alexander Schleicher, hat sich im Bereich „seelsorgerische Begleitung“ weitergebildet.
BantleDass sich etwas ändern wird in den Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg, das ist schon jetzt spürbar. Neben den Strukturen ändert sich auch das Bild der Seelsorge.
Ein Beispiel hierfür ist die unermüdliche und stets engagierte Regina Hildebrand. Sie ist Sekretärin im katholischen Pfarrbüro in Niedereschach und hat tagtäglich mit Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu tun. Im Interview mit unserer Redaktion erzählt sie von ihrer Fortbildung in „seelsorgerischer Begleitung“.
Frau Hildebrand, weshalb haben Sie sich zur Fortbildung in „seelsorglicher Begleitung“ angemeldet?
Ein Pfarrbüro ist ein Verwaltungsbüro, ein Dienstleister, wie jedes Büro auch. Aber mit jedem Verwaltungsakt kommt auch ein Mensch, der etwas zu erzählen hat, der eine Geschichte, eine Vergangenheit mitbringt. Bei der Beerdigungsanmeldung höre ich viel vom gemeinsamen Leben mit dem Verstorbenen; bei der Taufanmeldung, wie die Geburt war und der kleine Mensch das Leben verändert; beim Totengedenken, wie sehr der Partner, die Partnerin nach vielen gemeinsamen Jahren fehlt. Oder auch wie schmerzlich nicht bereinigte Konflikte das Leben belasten. Manches Gespräch lief gut, bei manchem hätte ich gerne Hilfe gehabt. Und so kam die Ausschreibung für das Seminar „Intensivkurs Seelsorgliche Begleitung“ ganz passend
Ist das die Ausbildung für einen neue Berufsgruppe, nachdem es weniger Pfarrer gibt?
Nein, es ist ein ehrenamtlicher Dienst. Seelsorgerinnen und Seelsorger gab es schon immer: Wer ist da, wenn das Kind eine Klassenarbeit vergeigt hat? Das sind meist Papa oder Mama und das sind die ersten Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Familie, so gibt es auch Freunde oder Nachbarinnen, die ein gutes Gespür für Situationen haben, in denen Hilfe gefragt ist. Lange Zeit wurde ausschließlich das Tun der Priester als Seelsorge verstanden. Diese Sichtweise wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil geweitet. Dieses Konzil begriff die Kirche als Volk Gottes, in dem das Gemeinsame aller Getauften höher als die Unterscheidung zwischen dem Volk Gottes und seinen Amtsträgern zu gewichten ist. Dadurch trat neu ins Bewusstsein, dass die Seelsorge nicht allein die Aufgabe der Priester und Bischöfe ist, sondern dass alle Christen kraft Taufe und Firmung am seelsorglichen Auftrag der Kirche mitwirken. Die Deutsche Bischofskonferenz formuliert prägnant: „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche“. Seelsorge ist dabei sehr weit zu verstehen. Seelsorge meint Anteil nehmen, an dem, was Menschen bewegt. Die Diözese Freiburg will mit der Ausbildung in seelsorglicher Gesprächsführung, Menschen mit Fähigkeiten und Kompetenzen ausrüsten, ohne den Dienst zu professionalisieren. Er besteht neben den anderen Berufsgruppen in den Seelsorgeeinheiten.
Wie lange dauerte das Seminar?
Die Fortbildung erstreckte sich auf eine Dauer von 14 Monaten. Wir trafen uns an vier Wochenenden, jeweils von Donnerstag bis Samstag in Raststatt und in Hegne. Dazwischen gab es Treffen in Regionalgruppen in Freiburg, sowie Supervisionstermine, die ebenfalls in Freiburg stattfanden.
Wieviel war Theorie, wieviel Praxis war dabei?
Als ich mich zu dem Seminar angemeldet habe, hatte ich die Erwartungshaltung, dass ich sehr viele „theoretische Inputs“ für meine Gespräche im Pfarrbüro erhalten würde – sozusagen ein Patentrezept für gelingende Gespräche. In der Theorie wurde dann sehr viel Wert gelegt auf die eigene Selbstwahrnehmung und das Entwicklungspotential der Persönlichkeit. Natürlich nahmen auch seelsorglich relevante Themen wie Krisen, Krankheit, Konflikte, Trennung und einiges mehr, einen breiten Raum ein. In der Gesprächspraxis konnte jeder Teilnehmer Gesprächssituationen üben. In sehr geschütztem Rahmen wurden die Gespräche dann unter unterschiedlichen Aspekten und Fragestellungen analysiert.
Wie ist ein Erstkontakt möglich, wenn jemand ein seelsorgliches Gespräch wünscht?
Auf unserer Homepage, unter www.andereschach.de im Bereich „Seelsorgliche Gespräche“, sind alle Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde aufgeführt, an die sich Menschen wenden können, die ein Thema haben, auf das sie gerne mit jemandem schauen möchten. Der Kontakt ist über das Pfarrbüro möglich unter der Telefonnummer 07725/9 79 90 60 oder durch persönliche Ansprache.
Wir reden hier von der katholischen Kirche. Müssen die Anruferinnen und Anrufer auch alle katholisch sein?
Nein, auch wenn das Institut für Pastoralpsychologie der Diözese Freiburg mir diese Ausbildung ermöglicht, steht das Angebot unserer Kirchengemeinde für jede und jeden offen, ganz unabhängig von Herkunft oder Konfession.