Reaktion auf Arztmangel: So arbeitet das neue MVZ in Schwenningen

Am Mittwoch geht es los: das Team im Medizinischen Versorgungszentrum Schwenningen.
Cornelia HellwegVor dem offiziellen Start stellten sich die Beteiligten im Rahmen eines Pressetermins vor. Oberbürgermeister Jürgen Roth und Landrat Sven Hinterseh machten ebenfalls ihre Aufwartung. Denn die Stadt VS, der Schwarzwald-Baar-Kreis und das Schwarzwald-Baar-Klinikum gehören der Genossenschaft namens „Regiomedes eG“ an, die dieses Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Schwenningen betreibt.
Ziel ist die Sicherstellung der ärztlichen Grundversorgung vor Ort. Die vier dort angestellten Ärzte und Ärztinnen sind Alexander Regge und Christoph Bäuerle (Allgemeinmedizin), Jasmin Mujadzic (hausärztliche Internistin) und Özdem Baumeister-Özkan (Kinderärztin). Ab April stößt die Ärztin Sandra Buck (Allgemeinmedizin) hinzu. „Mit der Eröffnung haben wir unseren Auftrag erfüllt“, sagte Geschäftsführer André Saliger. Denn das MVZ, ganz in der Nähe der Stadtbibliothek in Schwenningen gelegen, ist innerhalb kurzer Zeit Wirklichkeit geworden. Hier betonte er die gute Zusammenarbeit der Beteiligten, Vermieter und Handwerker eingeschlossen.
Reaktion auf Arztmangel
Die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums „ist einziges Instrument für Kommunen, um die medizinische Versorgung zu verbessern“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth. Denn auch im Oberzentrum häufen sich Meldungen, dass Hausärzte keine Nachfolger finden, dass Praxen von Kinderärzten überlaufen sind und es für Eltern zunehmend schwieriger wird, die medizinische Grundversorgung des Nachwuchses zu organisieren. Eine Möglichkeit, so ein MVZ zu betreiben, sei eine Genossenschaft. Das wurde mit der Gründung der Regiomedes eG zügig umgesetzt.
Schlag auf Schlag
Die ersten Sondierungsgespräche in dieser Sache habe es im dritten Quartal des Jahres 2024 gegeben, im Dezember 2024 folgte der Gründungsauftrag des Gemeinderates VS, im März 2025 genehmigte das Regierungspräsidium Freiburg die Gründung der kommunalen Genossenschaft, im September 2025 gab es grünes Licht seitens der Kassenärztlichen Vereinigung, Ende 2025 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen, und am Mittwoch, 7. Januar, startet der Betrieb. „Als Stadt haben wir federführend die Verantwortung und Initiative übernommen. Das war mir persönlich ein besonderes Anliegen“, sagte der OB. Die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung sei eine „der drängendsten Zukunftsaufgaben der Stadt“.
Bürokratie frisst Arbeitszeit
Alexander Regge führte eine etablierte Hausarztpraxis in Schwenningen und zieht quasi um ins MVZ. Auf Nachfrage sieht auch er diesen Schritt als eine Art Zukunftssicherung der hausärztlichen Versorgung vor Ort. „Allein in Baden-Württemberg gibt es 1000 nicht besetzte Hausarztsitze.“
Die Suche nach einem Nachfolger gestalte sich zunehmend schwierig. „Man hat eine 60-Stunden-Woche und ist immer für alles zuständig.“ Die Vergütung halte schon lange nicht mehr Schritt mit den zunehmenden bürokratischen Anforderungen, die Arbeitszeit fräßen. „Die jungen Ärzte, die nachkommen, sind zu 60 Prozent – Tendenz steigend – Ärztinnen.“ Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei unter den herrschenden Rahmenbedingungen nur schwer möglich.
Alexander Regge wertet das Medizinische Versorgungszentrum als eine Lösung für die Zukunft. Von Kollegen bekomme man positive Rückmeldungen, und auch seine Patienten gehen mit. Schließlich liegt der neue Standort nur rund 200 Meter vom alten entfernt. „Hier mache ich Medizin und was mit Medizin zu tun hat“, unterstrich er. Denn um die „Bürokratie“ kümmern sich im MVZ andere.

Die Ärzte im MVZ: Alexander Regge, Özdem Baumeister-Özkan, Jasmin Mujadzic und Christoph Bäuerle (von links).
Foto: Cornelia HellwegGeschäftsführer André Saliger führte aus, das neue MVZ sei primärärztlich angelegt und verstehe sich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Angeboten. „Wir sehen uns als Ergänzung.“ Der Standort sei verkehrsgünstig gelegen. Ein Parkhaus ist neben dran, und Bahnhof beziehungsweise Busbahnhof in Schwenningen befinden sich in der Nähe. Es stehen insgesamt 370 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, auf denen sich sieben Sprechzimmer, zwei Wartebereiche, Funktions- und Sozialräume sowie die Verwaltung verteilen.
Zum Team gehören sieben Medizinische Fachangestellte. Und die ersten neuen Patienten haben auch schon angeklopft. Um Terminvereinbarung wird gebeten. Das ist beispielsweise telefonisch möglich.
Genossen
der Regiomedes eG sind die Stadt VS, der Schwarzwald-Baar-Kreis und das Schwarzwald-Baar-Klinikum.
Adresse
Das MVZ hat die Postadresse Alte Herdstraße 10, 78054 VS-Schwenningen, Telefon 07720/6 00 40 30. Der Eingang ist gegenüber des Einganges der Stadtbibliothek in Schwenningen. Öffnungszeiten sind montags acht bis zwölf Uhr und 14 bis 18 Uhr, mittwochs von acht bis 13 Uhr, donnerstags von acht bis zwölf Uhr und 14 bis 18 Uhr und freitags von acht bis zwölf Uhr.
