Projekt für Schwenningens Mitte
: So wollen die Quartiersmanager das „Wir-Gefühl“ stärken

Seit einigen Wochen gibt es das Quartiersmanagement Innenstadt Schwenningen. Mit Projekten wollen die Verantwortlichen das Quartier voranbringen – auch beim Stadtstrand.
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Freuen sich auf einen guten Austausch beim Stadtstrand-Frühstück: (von links) Projektleiterin Julia Kienzler sowie die neuen Quartiersmanager Christine Hembach und Marko Juric. Es fehlt Vanessa Mei Lin See.

Mareike Kratt

Ein Duft von frischem Kaffee erfüllt den Muslenplatz an diesem Morgen, und wer sich dem Stadtstrand nähert, der wird freundlich gebeten, auf einem Liegestuhl Platz zu nehmen, und bei einer Tasse Kaffee oder Tee kurz abzuschalten – oder ins Gespräch zu kommen.

Große Gesprächsbereitschaft besteht nämlich bei den neuen Quartiersmanagern, die bei der Stiftung Lesen-Fördern-Arbeiten (LFA) angestellt sind und derzeit das Projekt „Unser Stadtteil – Quartiersmanagement Innenstadt Schwenningen“ aufbauen.

Zusammen mit der ProKids-Stiftung und der Stadt VS hatte die Stiftung das Projekt ins Leben gerufen und im Frühjahr nach leitenden, kreativen und engagierten Köpfen gesucht.

Die drei Manager

Mit Christine Hembach, Marko Juric und Vanessa Mei Lin See ist man derweil erfolgreich gewesen. Gemeinsam teilen sie sich die beiden vorgesehenen Vollzeitstellen und stellen seit einigen Wochen Ideen, Konzepte und Projekte zusammen, um das Miteinander im Innenstadt-Quartier zu fördern – damit „die Bewohner ihre Identität und eine gute Lebensqualität finden“, beschreibt Christine Hembach.

In der Anfangszeit geht es für die drei Quartiersmanager auch darum, sich mit den Bürgern – egal welchen Alters, egal welcher Kultur oder Herkunft – auf Augenhöhe zu begegnen, in Kommunikation mit ihnen zu treten und zu erfahren, was sie bewegt – und was ihnen in der Innenstadt fehlt.

Ein Fragebogen

Das soll unter anderem beim gemeinsamen Frühstück beim Stadtstrand passieren. Dann kann auch ein Fragebogen ausgefüllt werden, dessen Ergebnisse Aufschluss über die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger geben sollen – und „die allgemeine Stimmung widerspiegeln“, erklärt Christine Hembach, die nahe Schwenningen aufgewachsen ist und den Stadtbezirk gut kennt, unter anderem von ihrer Tätigkeit als Stadtführerin.

Ihr ist es wichtig, die Innenstadt in ein besseres Licht zu rücken und „positive Motivation hineinzubringen“. Die allgemein recht negative Einstellung gegenüber Schwenningen kenne sie bereits aus den Siebzigerjahren, sie sei aber stetig gewachsen. Dass es gerade in der Innenstadt mit ihrem hohen Migrationsanteil Konflikte gibt und auch das Thema Sicherheit immer wieder eine Rolle spielt, sei klar.

„Es hat Potenzial“

Darunter möchte die Quartiersmanagerin einen Strich ziehen. Vielmehr soll sichtbar werden: „Schwenningen ist ein großartiger Stadtbezirk mit großartigen Menschen und Gebäuden – es hat einfach Potenzial.“

Bewusst vertreten die drei Manager unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Hembach bringt viel Erfahrung und Netzwerk aus verschiedensten Bereichen mit, Vanessa Mei Lin See ist junge Familienmutter, Marko Juric ist Präsident des Vereins Boxing VS sowie Trainer beim Integrationsprojekt „Fight for your life“, das ebenso von der ProKids-Stiftung gefördert wird. Über dessen Gründer und Geschäftsführer Joachim Spitz ist er zum Quartiersmanagement gekommen. Juric ist nicht weit vom Muslenplatz aufgewachsen.

„Für mich ist es ein Privileg, das Quartier mitgestalten zu dürfen“, freut sich der Schwenninger auf seine Aufgabe. Schnittstellen mit „Fight for your life“, mit dem Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen in den Verein integriert werden, sieht er auf jeden Fall genügend.

Synergien nutzen

Schnittstellen zu finden und Synergien zu nutzen, das ist ebenso die Aufgabe des Quartiersmanagement, erklärt Projektleiterin Julia Kienzler, die an diesem Morgen auch beim Frühstück mit dabei ist. Die gelernte Sozialpädagogin arbeitet als Fachbereichsleiterin bei der Stiftung-Lernen-Fördern-Arbeiten und ist auch für die Sozialraum-Arbeit zuständig. Sie freut sich, beim Quartiers-Projekt viel Gestaltungsfreiraum zu haben. „So können wir viele zielführende und bedürfnisorientierte Projekte schaffen“, sagt sie.

Im Kopf haben die Verantwortlichen schon einiges. Etwa einen Lesenachmittag für Senioren oder einen Kaffeeklatsch, ein Straßenfest, Angebote für Nachbarschaftshilfe und gegen die Einsamkeit. Wichtig dabei ist: „Sie sollen niederschwellig sein und die Menschen miteinander verbinden, aber sie auch aktiv mit einbinden“, betont Christine Hembach.

Viele Kooperationen

Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern, etwa mit der Bibliothek, mit Vereinen, Schulen, dem Jugendhaus, der Diakonie, aber auch mit dem Amt für Jugend, Bildung, Soziales und Sport (JuBIS), den städtischen Integrationsmanagern oder der Polizei, laufen bereits.

Motiviert sind die drei Quartiersmanager allemal, obwohl sie wissen, dass die eine oder andere Herausforderung noch auf sie warten wird – und dass ein besonderes Augenmerk auf das „Quartiersmanagement Innenstadt Schwenningen“ gelegt wird.

Ein Pilotprojekt

Es handelt sich nämlich um ein Pilotprojekt. Künftig soll in den sechs weiteren sozialräumlichen Quartieren, in die die Doppelstadt eingeteilt worden ist, Quartiersarbeit geleistet werden – „um das ’Wir-Gefühl’ weiter zu stärken“.

Das erste Projekt des Quartiersmanagements

Das gemeinsame Frühstück
Das Angebot lockt bis einschließlich 2. September immer dienstags von 8 bis 10 Uhr an den Stadtstrand auf dem Schwenninger Muslenplatz. Während die Getränke angeboten werden, darf jeder Gast sein eigenes Frühstück in angenehmer Atmosphäre genießen – und mit den drei Quartiersmanagern oder anderen Besuchern ins Gespräch kommen.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.