Prävention zahlt sich aus: Wie eine Bad Dürrheimer Stiftung Straßenkinder rettet und Geld spart

Wenn Jugendliche weder ein noch aus wissen, kann das für die Gesellschaft langfristig teuer werden.
Markus Bormann - stock.adobe.com- Off Road Kids aus Bad Dürrheim erhält einen Präventionspreis in Jena.
- Die Stiftung hilft seit 1993 obdachlosen und gefährdeten Jugendlichen bundesweit.
- Markus Seidel betont: Prävention spart Kosten – pro Fall mindestens 900.000 Euro.
- Streetwork in fünf Städten, Online-Hilfe sofahopper.de mit 24/7-Beratung auch via KI.
- Finanzierung: zwei Drittel Spenden, ein Drittel staatliche Fördergelder – mehrfach ausgezeichnet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist ein Preis für Prävention, den sich die Off Road Kids Stiftung aus Bad Dürrheim ans Revers heften darf. Doch was bringt Prävention überhaupt? Und zahlt sie sich tatsächlich aus?
Am gesellschaftlichen Nutzen von Präventionsprojekten wird kaum jemand rütteln. Zahlreiche Studien untermauern das. Doch als Geschäftsführer der Off Road Kids hat Markus Seidel auch den Blick für die Zahlen. Und er stellt klar, warum sich Prävention lohnt – nicht nur aus sozialer, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht.
Vermiedene Fälle sparen Geld
Prävention sei wichtig „für unsere Gesellschaft und künftige Generationen“ stellt er klar: „Gesundheit, ein sicheres Zuhause und berufliche Tätigkeit für ehemalige Obdachlose zahlen sich aus.“ Und das sei auch monetär der Fall.
„Stellen Sie sich einen 18-Jährigen vor, der sonst ein armseliges Leben von weiteren rund 62 Jahren in Sozialhilfe führen würde: Pro vermiedenem Fall spart die Gesellschaft mindestens 900.000 Euro an für Lebensunterhalt, Miete, Kranken- und Pflegekasse – plus Inflation“, rechnete Seidel angesichts des Präventionspreises vor.
Man braucht Durchhaltevermögen
Und genau hier setzt die Arbeit der Stiftung an. Diese ist seit 1993 aktiv: „Als wir die Straßenkinder-Hilfsorganisation Off Road Kids vor 33 Jahren gegründet hatten, war für uns als junge Mitbürger sehr wichtig, zu erfahren, ob wir unsere Gesellschaft mitgestalten dürfen – oder ob wir nur dazu eingeplant sind, das bereits Geschaffene zu erhalten“, erinnert sich Seidel an die ersten Jahre.
Mit der bundesweiten Arbeit für obdachlose junge Menschen sei man tief in die stark geregelte Jugendhilfe vorgedrungen, wie er weiter feststellt: „Unsere Erfahrung macht künftigen Generationen Mut. Heute wissen wir, dass junge Menschen unsere Gesellschaft mitgestalten dürfen – sogar, ohne sich parteipolitisch oder konfessionell zu binden. Dazu gehört jedoch auch die Wahrheit, dass sie einen Großteil der Finanzen mitbringen müssen. Und es braucht ein enormes Durchhaltevermögen.“
Umso beruhigender also, wenn sich das Engagement für die Gesellschaft wenigstens bezahlt macht.
So arbeitet man hier
Off Road Kids ist die erste und einzige bundesweit arbeitende Hilfsorganisation für Straßenkinder und von Obdachlosigkeit bedrohte junge Menschen in Deutschland. Die Streetworker der Stiftung organisieren nicht nur fundamentale Hilfe, sondern erarbeiten auch gemeinsam mit den Betroffenen die individuell bestmögliche Lebensperspektive für die jungen Menschen.
Die virtuelle Streetwork-Station sofahopper.de, eine Initiative der Stiftung, ist die erste bundesweite Online-Hilfe, die auch mithilfe von KI eine 24/7- Beratung ermöglicht. Mit Streetwork- und Beratungsstationen in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Hamburg und Köln bietet Off Road Kids Anlaufstellen an den wesentlichen Brennpunkten.
Gesundheitsberatung und -prävention (STREETWORK+), weiterführende Begleitung (STABILIZE), ein flexibles Schulprogramm (PREJOB) sowie präventive Beratungsangebote für Eltern und Familien (Family Neustart) runden das Angebot ab.
Die als gemeinnützig anerkannte Stiftung finanziert ihre Tätigkeiten zu zwei Dritteln durch Spendeneinnahmen und zu einem Drittel über staatliche Fördergelder. Off Road Kids wurde für die Wirkung ihrer Initiativen und Tätigkeitsbereiche bereits vielfach ausgezeichnet – einer der jüngsten Erfolge diesbezüglich ist der Präventionspreis, der im Juni in Jena überreicht worden ist.
