ÖPNV im Kreis Tuttlingen: 21-jähriger Busfahrer begeistert online und offline

Minh Long Le ist leidenschaftlicher Busfahrer im Kreis Tuttlingen. Der 21-Jährige teilt auf Social Media Videos rund um seinen Beruf.
Coluccia„Bester Fahrer in Deutschland, ich hoffe, du hast eine gute Woche“ und „es macht immer wieder Spaß, mit dir zu fahren“ – so lauten einige Kommentare auf Minh Long Les TikTok-Account. Der 21-Jährige hat im Juni dieses Jahres seine Ausbildung zum Berufskraftfahrer abgeschlossen und arbeitet seither als Busfahrer im Kreis Tuttlingen.
Wenn der gebürtige Rottweiler nicht gerade mit dem Bus unterwegs ist oder seine Pause mit einem wohlverdienten Leberkäsbrötchen auf dem Netto-Parkplatz genießt, dann teilt er Inhalte auf sämtlichen Social-Media-Kanälen.
Unter dem Username „Volkswagen_ID_09“ veröffentlicht er auf TikTok und Instagram neben witzigen Videos, mit denen er Busfahrer-Klischees widerlegen möchte, auch informative Beiträge für Fahrgäste. Er zeigt beispielsweise auf humorvolle Weise die„Dos and Don'ts“ im Bus oder auch welche Arten von Busfahrern es bei der Fahrkartenkontrolle gibt.
Auch seine Livestreams, in denen er Fahrsimulatoren oder andere Videospiele spielt, sind auf TikTok und Twitch nicht unüblich.
Leidenschaftlicher Busfahrer
„Für diesen Job braucht man eine gewisse Leidenschaft“, sagt Jochen Klaiber, Geschäftsführer von Klaiber Bus GmbH & Co. KG. Gerade diese Leidenschaft und Zielstrebigkeit bewundert er an dem 21-Jährigen. Als 16-Jähriger hat Le damals im Unternehmen schon während seines Praktikums großes Interesse für Busse gezeigt.
So hat er aus reiner Freude verschiedene Busmodelle von Klaiber mit Simulatoren nachgebaut. „Er hat auch schon Kenntnisse aufgetrumpft, die man so nicht unbedingt von jemandem erwartet. Es ist kein Job für ihn, sondern eine Berufung und die wollten wir dann auch fördern“, schildert Klaiber. Nach seinem Praktikum bekam Le also einen Ausbildungsplatz in der Firma.
Fahrgäste schätzen Busfahrer Le
Le scheint sowohl von seinen Mitarbeitern und der Social-Media-Community als auch von seinen Fahrgästen geschätzt zu werden. So haben einige dem jungen Busfahrer bereits Schokolade, Pralinen und weitere Geschenke während der Fahrt mitgebracht. Dabei bedankten sie sich für die nette Fahrt und die unterhaltsamen Durchsagen, die Le oft macht. Auch die Firma habe bereits positive Rückmeldungen vom Verkehrsverbund über seine freundlichen Aussagen bekommen. „Ich will den Fahrgästen so den Tag ein wenig versüßen“, erklärt Le.
Ein Beispiel dafür: „Guten Morgen, liebe Fahrgäste. Hier spricht der Kapitän. Die Person, die dafür bezahlt wird, Sie von A nach B zu fahren. Ich hoffe, Sie hatten alle einen guten Start in die Woche. Und obwohl heute schon Dienstag ist, wünsche ich Ihnen allen eine schöne Restwoche! Bleiben Sie gesund.“
Manchmal wird er sogar von einigen jungen Fahrgästen durch seinen TikTok-Account erkannt und angesprochen. „Das finde ich echt witzig“, sagt Le schmunzelnd.
Sein Content scheint gerade junge Menschen in der Region zu inspirieren. Wie Klaiber erzählt, wird kommendes Jahr ein Schüler, der ebenfalls Le auf Social Media folgt, sein Praktikum in der Firma absolvieren.
„Ich hatte ehrlich gesagt überlegt, aufzuhören“
Doch wie in allen Berufen ist auch hier nicht immer alles eitel Sonnenschein. So musste sich Le beispielsweise oft mit Rassismus auseinandersetzen. Sowohl während seiner Ausbildung als auch in den Kommentaren zu seinen Social-Media-Beiträgen. Denn wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt, stammt seine Familie aus Vietnam. Und obwohl er hier in der Region geboren und aufgewachsen ist, schikanierten ihn einige seiner Ausbildungskollegen wegen seiner Gesichtszüge.
„Ich hatte ehrlich gesagt, überlegt, aufzuhören“, gesteht er. Doch nicht zuletzt dank der Unterstützung seiner Kollegen bei Klaiber, die ihm während der Ausbildung eine private Unterkunft organisierten, statt ihn im Wohnheim leben zu lassen, konnte er dieses Jahr seine Ausbildung absolvieren.
Zukunftspläne? Mehr Gelenkbusse fahren
Dass es für den 21-Jährigen mehr als nur ein Job ist, spürt man im Gespräch. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, auch im Zukunft diesen Beruf auszuüben, kommt die Antwort klar und direkt: „Ja.“
„Und hoffentlich, dann öfter auch hinterm Steuer von Gelenkbussen“, ergänzt und wünscht er sich von seinem Chef, der neben ihm sitzt. „Ist angekommen“, schmunzelt und nickt Klaiber. Allerdings kann sich der Bus-Content-Creator auch ein Nebenverdienst mit Social Media gut vorstellen.