Nichtmedizinische Geburtsbegleiterin: Darum startet eine 28-Jährige aus Mönchweiler als Doula durch

Isabelle Kurtz lebt in Königsfeld, kommt aber ursprünglich aus Mönchweiler. Seit diesem Jahr ist sie zertifizierte Doula.
Natascha HengstlerEine Geburt läuft nicht immer nach Plan und nicht immer nach der Wunschvorstellung einer Frau. Das weiß Doula Isabelle Kurtz aus eigener Erfahrung. Die Mönchweilerin kämpft nach den Geburten ihrer Kinder mit dem Erlebten und mit der Situation. Beide Kinder der heute 28-Jährigen kommen mit einem Herzfehler zur Welt und müssen noch als Säuglinge operiert werden.
Ihr erstes Kind bringt Isabelle Kurtz vor sieben Jahren zur Welt. Bei der Geburt des Mädchens wird ein Herzfehler festgestellt, den man operieren muss. Für die damals 21-jährige Mutter ist das ein Schock. Zwar bekommt sie Unterstützung von Familie, Hebamme und auch einer Seelsorgerin im Krankenhaus. Trotzdem merkt die junge Frau: „Mir fehlt ein Bindeglied zwischen Hebamme und auch Seelsorge im Krankenhaus.“
Dreieinhalb Jahre später wird dann ihr Sohn geboren, ebenfalls mit einem Herzfehler. Zwar wird die Erkrankung diesmal bereits in der Schwangerschaft entdeckt, die Situation ist aber erneut eine Herausforderung für Kurtz.
Durch die Herzfehler ihrer Kinder, aber auch durch den Ablauf der Geburten habe sie sich selbst völlig aus dem Blick verloren und eigentlich kein Wochenbett erlebt, berichtet sie. „Da hätte es jemanden gebraucht, der sagt: Jetzt guck du mal nach dir. Ich bin hier, ich begleite dich in deinen Emotionen“, erklärt Kurtz.
Das ist, was die 28-Jährige mit ihrer Arbeit als Doula anderen geben möchte. Die Mönchweilerin ist eigentlich gelernte Hauswirtschafterin bei einer Sozialstation. Dieses Jahr hat sie jedoch – nebenher zu Kindern und Teilzeitarbeit – beim Verein Doulas in Deutschland (DID) eine Ausbildung absolviert und ein entsprechendes Zertifikat erhalten. Damit will Kurtz nun schrittweise in die Selbstständigkeit finden.
Das unterscheidet eine Doula von einer Hebamme
Aber was ist eine Doula genau und worin unterscheidet sie sich von einer Hebamme? Kurtz will als Doula andere Frauen in ihren Gefühlen begleiten, will vermitteln, will da sein – zusätzlich zum Partner, zur Familie, zu Ärzten und Hebammen.
Der nichtmedizinischen Geburtsbegleiterin ist es wichtig, dass ihr neuer Job als Ergänzung zur Arbeit von Hebammen und Ärzten gesehen wird. Mit Doulas könne der medizinische Fachkräftemangel zwar nicht kompensiert werden, meint Kurtz. Aber: Sie können bei den vielen Problemen in der Geburtshilfe helfen, ist die 28-Jährige überzeugt.
Den Unterschied bei der Betreuung allein durch eine Hebamme sieht die Doula vor allem hierin: „Ich habe Zeit, ich bleibe einfach die ganze Geburt da.“ Eine Hebamme müsse je nach Situation zwischendurch zu einer oder mehreren anderen Gebärenden oder habe irgendwann Schichtende. Eine Doula biete hingegen Sicherheit. „Das ist einfach wie eine Freundin auf Zeit“, sagt Kurtz.
Dabei liege der Fokus einer Doula nicht auf medizinischen Aspekten wie den Blutwerten oder dem CTG (Herzton- und Wehenschreiber). Ihr Ziel sei es allerdings, dass die Gebärende und ihre Begleitung immer verstünden, was gerade vor sich gehe und gemacht werde. Als Doula begleite sie Entscheidungen während einer Geburt wertfrei und vermittele zwischen den Familien und dem Fachpersonal, so Kurtz.
Kann eine Doula Gewalt unter der Geburt verhindern?
Ob sich so gewaltvolle Situationen im Kreißsaal verhindern lassen? „Dadurch, dass ich Dauerbegleitung bin, kann ich mit der Frau viel ausprobieren“, sagt die Doula. Grenzen seien ihr jedoch durch das Vorgehen des medizinischen Personals gesetzt. Wenn eine Hebamme sage, sie müsse eingreifen, könne auch Kurtz nicht an der Entscheidung rütteln. Sie würde Ärzten und Hebammen niemals in ihrer Fachkompetenz „reingrätschen“, erklärt sie. Was sie aber tun könne, ist zu fragen: „Haben wir noch Zeit, das zu besprechen?“ Und nach einem medizinischen Notfall könne sie hergehen und das Erlebte mit der Frau durchgehen und aufarbeiten, so Kurtz.
Die zweifache Mutter führt weiter aus, dass es Maßnahmen gebe, die medizinisch eigentlich gar nicht erforderlich seien: In solchen Fällen könne das Wissen einer Doula für die Gebärende hilfreich sein, um sich gegebenenfalls auch gegen Dinge zu wehren. Kurtz gibt ein Beispiel: „Ein Dauer-CTG muss nicht sein, wenn es dafür keine Indikation gibt.“ Sinnvoller, statt an den Herzton- und Wehenschreiber und mit ihm an ein Bett gebunden zu sein, ist laut Kurtz: sich bewegen, herumlaufen und verschiedene Sachen ausprobieren.
Alleingeburten werden von ihr nicht begleitet
Von Alleingeburten, wie sie aktuell von manchen Influencerinnen auf Social Media propagiert werden, hält Kurtz indes wenig. Sie habe zwar Verständnis, dass nicht jeder im Krankenhaus gebären wolle. Aber es gebe genug andere Möglichkeiten – etwa Hausgeburten oder Geburten in Hebammenhäusern.
„Es geht halt doch mal etwas schief oder es passiert etwas, mit dem man nicht rechnet.“ Absprechen wolle sie eine Alleingeburt zwar niemandem, so Kurtz. Aber: „Ich würde keine Alleingeburt begleiten.“ Für die Doula ist die Voraussetzung ihrer Arbeit die Anwesenheit einer Hebamme. Alles andere könne sie nicht verantworten.
„Eine Geburt ist nicht einfach nur schön“
Vermitteln Doulas indes ein verklärtes Bild von Geburten? Nein, findet Kurtz. Schließlich sage sie nicht, dass es nur den einen richtigen Weg einer Geburt gebe und damit dann alles gut laufe. Es sei beispielsweise völlig legitim, unter der Geburt andere Entscheidungen zu treffen als vorab geplant, meint die 28-Jährige. Als Doula wolle sie den gebärenden Frauen auch in schwierigen Situationen Sicherheit und Geborgenheit vermitteln und sie in ihrer Selbstbestimmtheit bestärken.
Bei den Themen Gebären und Mutter-Sein werde viel durch die Blume geredet, so Kurtz. Das will die Mönchweilerin nicht, sie will ehrlich mit ihren Kundinnen sein. Die 28-Jährige sagt: „Eine Geburt ist nicht einfach nur schön. Und manche Frauen nehmen ihre Kinder auf den Arm und spüren eben nicht einfach ‚diese Liebe‘. Auch das gibt’s.“
Das bietet Isabelle Kurtz als Doula an
Isabelle Kurtz ist als Doula telefonisch unter 0162/8867129 oder per Mail an doula.isabellekurtz@gmail.com erreichbar. Die Dienste der nichtmedizinischen Geburtsbegleiterin können in verschiedenen Paketen zwischen 500 und 1500 Euro gebucht werden (je nach Paket begleitet Kurtz ihre Kundinnen in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett). Ein erstes Kennenlernen ist kostenlos und unverbindlich.