Nextkomm kehrt zurück
: Kongress in VS lüftet Geheimnisse gelungener Kommunikation

„Michael, mir reicht's!" Mit dieser provokanten Eröffnung startet der nextkomm-Kongress in der Neuen Tonhalle. Experten enthüllen, warum wir aneinander vorbeireden – und wie es besser funktioniert.
Von
Cornelia Spitz
Villingen-Schwenningen
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Michael Hoyer lädt zur Reflektion ein. "Wie möchten Sie wirken?", fragt er die Kongressteilnehmer im Zuge einer Veranstaltung, von der die Teilnehmer ganz praktische Tipps mitnehmen können.

Michael Hoyer lädt zur Reflektion ein. "Wie möchten Sie wirken?", fragt er die Kongressteilnehmer im Zuge einer Veranstaltung, von der die Teilnehmer ganz praktische Tipps mitnehmen können.

Cornelia Spitz
  • Nextkomm-Kongress in der Neuen Tonhalle Villingen: Fokus auf gelingende Kommunikation.
  • Michael Hoyer betont Schlüsselmomente schwieriger Gespräche und warnt vor Schein-Verständnis.
  • Praktische Tipps: langsame Bewegungen, zuerst zeigen, Pausen setzen, Stimme am Satzende senken.
  • Sieben-Sekunden-Urteil prägt den ersten Eindruck – Wirkung aus Wärme und Kompetenz.
  • Programm mit Inputs zu Atemtechnik, Glaubwürdigkeit, Überzeugen ohne Argumente und Fehlerkultur.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Büroatmosphäre statt Zuschauerreihen prägen das Bild in der Neuen Tonhalle in Villingen. Für einen Tag wird sie zum Kongresszentrum statt zur Eventlocation. Nextkomm, der Kommunikationskongress des Medienprofessors Michael Hoyer, geht über die Bühne. Davor sitzen an Tischreihen 120 Teilnehmer, die sich weiterbilden wollen.

„Michael, mir reicht's, wir müssen reden!“ Mit der gefühlten Eskalationsstufe wird der Kongress eröffnet, als Jennifer Benevento, die den Kongress gemeinsam mit Michael Hoyer moderiert, auf die Bühne tritt. Schnell ist klar: Hier wird im Folgenden Klartext gesprochen – und manches Geheimnis gelüftet, wie Kommunikation gelingt, oder zwangsläufig misslingt.

„Die Zeit ist wieder reif“

Der nextkomm ist keine neue Idee. Einen Kommunikationskongress von Michael Hoyer gab es in Villingens guter Stube schon einmal, 2021. „Damals waren wir alle noch maskiert“, erinnert sich der Veranstalter. Doch dann kam die Zwangspause, und danach der Ukrainekrieg. Jetzt, 2026, stand für Hoyer fest: „Die Zeit ist wieder reif, um mit Ihnen gemeinsam über das Thema Kommunikation zu reden.“

Bürotische statt Stuhlreihen. Für den nextkomm wird die Neue Tonhalle zum Kongresszentrum, wo fleißig dazugelernt wird.

Bürotische statt Stuhlreihen. Für den nextkomm wird die Neue Tonhalle zum Kongresszentrum, wo fleißig dazugelernt wird.

Cornelia Spitz

Kein seichter Smalltalk, sondern die kniffeligen, schwierigen und anspruchsvollen Gespräche stehen hier im Fokus. Jeder kennt sie, die Situation, wenn man aus einem Gespräch am liebsten flüchten oder Dinge am liebsten ungesagt machen will. Sogar der Kommunikationstrainer Michael Hoyer kennt sie. Aber: „Aus meiner täglichen Praxis als Trainer und Coach weiß ich: Anspruchsvolle Gespräche sind keine Hindernisse, sondern Schlüsselmomente. Sie bieten die Chance, Missverständnisse auszuräumen, Vertrauen aufzubauen und echte Veränderung zu bewirken.“

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Wo der Kongress ansetzt

Das größte Kommunikationsproblem, ist er überzeugt, „entsteht aus der Illusion, kommuniziert zu haben“. Ebenso fatal: Jeder fordere Offenheit – solange keiner widerspricht. Und zwischen gesagt und verstanden, „liegen manchmal Welten“, so Jennifer Benevento. Dass Menschen Nachrichten interpretieren wie Kunstwerke und auch da jeder etwas anderes sieht, macht die Situation nicht eben leichter.

„Machen Sie langsame und keine hektischen Bewegungen – und zeigen Sie erst, bevor Sie etwas sagen.“
Michael Hoyer
Kommunikationsexperte

Kampflos hinnehmen aber, muss man all das offenbar nicht. Genau hier setzt der nextkomm an. Die Teilnehmer sollten – manchmal verblüffend einfaches – Handwerkszeug für gelingende Gespräche mit nach Hause nehmen.

Ganz praktische Tipps

Wie das aussehen kann, zeigte Michael Hoyer gleich zu Beginn an mehreren praktischen Beispielen. Eindrucksvoll skizzierte er etwa, wie stark das Signal der Körpersprache als Ausdruck geheimer Gedanken sein kann: „Wenn Sie strong sein wollen, machen Sie langsame und keine hektischen Bewegungen – und zeigen Sie erst, bevor Sie etwas sagen.“ Besonders eindrücklich: der starke Effekt gezielt gesetzter, kleiner Pausen in Sätzen oder das Heben oder Senken der Stimme am Satzende.

Die geschäftsführende Chefredakteurin der Neuen Pressegesellschaft, Kirsten Wolf, nimmt die Rolle der Glaubwürdigkeit in der Kommunikation unter die Lupe.

Die geschäftsführende Chefredakteurin der Neuen Pressegesellschaft, Kirsten Wolf, nimmt die Rolle der Glaubwürdigkeit in der Kommunikation unter die Lupe.

Hoyer Consult

Und auch das Wissen um das Sieben-Sekunden-Urteil könnte sich auszahlen – so lange nämlich brauchen Menschen nur, um sich ein Bild von der Wirkung ihres Gegenübers zu machen, sagt Hoyer.

Ein Blick ins Programm

Randvoll mit Wissen, Tricks und Kniffen für gute Kommunikation ist das Kongressprogramm beim nextkomm, den es nun aller Voraussicht nach wieder regelmäßig geben könnte.

Die richtige Atemtechnik brachte der Atemtherapeut Christian Enz mit. Die Kirsten Wolf, geschäftsführende Chefredakteurin bei der Neuen Pressegesellschaft, zu der auch der Schwarzwälder Bote und die Neckarquelle gehören, referiert über die Wahrheit als Schlüssel zu erfolgreicher, weil glaubwürdiger Kommunikation. Und wie man überzeugt ohne zu argumentieren, verrät Marion Recknagel, während Thomas Speckmann sich der Kommunikation von schwierigen Themen in schwierigen Zeiten gewidmet hat und Peter Brandl deckte auf, warum Piloten versagen und Manager Fehler machen.

Die Kunst der Ausstrahlung – (Impulse aus dem nextkomm)

Präsenz statt Multitasking: Charismatische Menschen schenken ihrem Gegenüber ungeteilte Aufmerksamkeit.

Die Formel aus Wärme und Kompetenz: Wirkung entsteht an der Schnittstelle zweier Pole. Reine Kompetenz wirkt oft unnahbar, reine Wärme ohne Substanz schnell schwach. Die Kombination macht's.

Mut zur Pause: Eine bewusst gesetzte Pause von zwei Sekunden vor einer wichtigen Antwort verleiht den Worten sofort Gewicht und strahlt Souveränität aus.

Die Stimmführung am Satzende: Wer seine Stimme am Satzende senkt, vermittelt Verlässlichkeit und innere Ruhe.