Neckarbad in Schwenningen: Wenn sich der Chef die Hände schmutzig macht

Der Betriebsleiter des Neckarbads Timo Königsberger (von links), Natascha Jäger vom Marketing Bäder VS und der Geschäftsführer der Stadtwerke Gregor Gülpen geben eine Führung durch das Neckarbad in Schwenningen.
Anna-Sophie ZepfLeidenschaftliche Schwimmer werden sich langweilen, während das Neckarbad für Revisionsarbeiten geschlossen ist. Doch das Schwimmbad steht keineswegs still – hinter den Kulissen gibt es für die Verantwortlichen jede Menge zu tun. Was dort genau geschieht und was hinter so mancher Tür verborgen ist – wir haben es uns vor Ort angeschaut.
Vom 8. bis zum 21. September ist das Neckarbad für die alljährlichen Wartungsarbeiten geschlossen. Damit alles wieder den hygienischen und technischen Standards entspreche, erläutert Gregor Gülpen Geschäftsführer der Stadtwerke.
Gemeinsam mit dem Betriebsleiter des Neckarbads, Timo Königsberger, und Natascha Jäger vom Marketing Bäder VS wird der Abstieg ins leere Schwimmerbecken gewagt, um sich die Arbeiten – aber auch die vielen Handtücher, die darin liegen – genauer anzuschauen.
Allein das Ablassen des Wassers aus dem Schwimmerbecken habe eineinhalb Tage gedauert, meint Jäger. Für die Reinigung desselben seien zwei Tage angesetzt und das Einlassen von frischem Wasser, etwa 800 000 Litern, dauere noch einmal zweieinhalb Tage.
Badetücher, Schmutz und Heizstäbe
Mit den bunten Badetüchern, die aus den Fundkisten im Keller stammen, werden die Dichtung abgedeckt, erklärt Königsberger das ungewöhnliche Geschehen im Becken. Damit bei den Reinigungsarbeiten keine Flecken entstehen.
Einen Moment später tauchen diese Flecken allerdings auf den Händen des Geschäftsführers der SVS auf, da er die Wasserzuläufe genauer in Augenschein genommen hat. Jetzt habe der Chef sich auch mal die Hände schmutzig gemacht, meint Gülpen lachend.
Auf der weiteren Tour geht es von den Whirlpools und Dampfkabinen, über die Heizungsanlage, die vorwiegend mit Gas betrieben, zu der Technik hinter den Dampfkabinen. Jede Kabine habe einen eigenen Generator, so Königsberger.
Während der Revisionsarbeiten werden diese gewartet, indem Teile ersetzt und gereinigt werden. Besonders die Heizstäbe brauchen Pflege, da diese sonst verkalken.
Duftstoffe wie„Hot Mint“ und „Heuwiese“
Unter den Gerätschaften stehen einige Kanister mit Aufschriften wie „Hot Mint“ oder „Heuwiese“. Dabei handele es sich um Duftstoffe, die dem Dampf der 50 Grad Celsius heißen Kabinen hinzu gegeben werden. „Der, der montags putzt, darf entscheiden nach was es riecht“, sagt Jäger schmunzelnd.
Als nächstes führt der Weg zu den Filteranlagen. Mehrere riesige Filtertanks werden mit Kohle befüllt. „Einmal im Jahr bestellen wir eine Tonne Filterkohle “, berichtet Königsberger. Auch Quarzsand in verschiedenen Körnungsgrößen sei in den Tanks, ergänzt Jäger.

Vural Sözer füllt Filterkohle nach, während Timo Königsberger (rotes T-Shirt) auf den Füllstand achtet.
Foto: ZepfAuf dem gesamten System herrsche ein Druck von zehn bar, und vollautomatisch werde das Wasser zur Reinigung durch die Filter geleitet. „Zweimal pro Stunde ist das Beckenwasser umgewälzt“, fügt der Betriebsleiter in Bezug auf das große Schwimmerbecken hinzu. Beim gesamten Prozess der Umwälzung werden auch noch Chlor und pH-Mittel angereichert.
Der ungewöhnlichste Fund des Jahres
Im Keller des Neckarbads wird die Führung fortgesetzt. Es geht vorbei an der Lüftungsanlage, den Schwallwasserbehältern und der Chlormessanlage zum Regal mit den Fundsachen.
Besonders häufig werden Handtücher und einzelne Badeschlappen vergessen. Der ungewöhnlichste Fund des Jahres sei allerdings ein vergessener Camping-Kocher, meint Königsberger amüsiert, während Jäger das alte Gerät zeigt.
Abseits der Fundstücke erfordert die Schließzeit viel Einsatz: Sechs Mitarbeiter und auch einige Fremdfirmen kümmern sich um die anfallenden Arbeiten, erklärt Gülpen. Damit das Neckarbad am 22. September seine Gäste wieder blitzblank und voll funktionsfähig empfangen kann.
