Nachhaltiges Bad Dürrheim
: Die Kurstadt macht sich stark fürs Klima

In Bad Dürrheim läuft einiges in Sachen Klimaschutz Um das ehrgeizige Ziel des Landes, Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, hat man bei der Stadt bereits zahlreiche Maßnahmen angestoßen.
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(red/pm)
Oberndorf
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Den Schutz des Klimas hat sich Bad Dürrheim auf vielfache Weise ins Hausaufgabenbuch geschrieben. (Symbolfoto)

© Dilok – stock.adobe.com

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der energetischen Sanierung öffentlicher und privater Gebäude, um den Einsatz fossiler Brennstoffe zu minimieren oder sogar vollständig darauf zu verzichten. Dadurch wird die Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser klimafreundlicher, und der CO₂-Ausstoß erheblich reduziert.

Welche Maßnahmen bisher schon in die Wege geleitet wurden, erläuterten im Gemeinderat die städtische Klimaschutzmanagerin Alisia Meisch und die Referentin für Nachhaltigkeit der Kur- und Bäder GmbH, Sarah Hildebrand. So ist vorgesehen, dass die Stadt Bad Dürrheim einen Sanierungsfahrplan für ihre Gebäude erstellt und die daraus entstehenden Maßnahmen priorisiert.

Diese Maßnahmen fasst die Stadt ins Auge

Als Grundlage erstellt die Klimaschutz- und Energieagentur Schwarzwald-Baar-Heuberg derzeit für 38 Gebäude einen Smart-Check und ein externes Büro erarbeitet eine Potenzialanalyse für den Ausbau von Photovoltaik. Die energetische Sanierung der städtischen Gebäude soll sowohl mit eigenen Mitteln als auch mit Fremdkapital über Contracting erfolgen. Konkrete Planungen laufen für die Sanierung der Heizungsanlagen der Realschule sowie der Ostbaarschule. Wie die Energie- und CO2-Bilanz gezeigt hat, fallen die meisten Emissionen im Bereich der Wärmeversorgung der städtischen Gebäude an. Daher sind dies die wichtigsten Maßnahmen zur Erreichung des Ziels der klimaneutralen Stadtverwaltung.

Zu den Energiesparmaßnahmen der Stadt gehört auch der Austausch der Straßenbeleuchtung. Die Stadtwerke Villingen-Schwenningen erstellen dazu im Auftrag der Stadt ein Beleuchtungskonzept. Bereits 300 (entspricht 15 Prozent) der rund 2000 Leuchten wurden schon auf LED umgestellt. Weitere 700 Leuchten sollen im Zuge eines Contractingvertrags von einem externen Investor modernisiert werden, für 540 Leuchten wurden Zuschüsse beim Bundesumweltministerium beantragt und die restlichen 460 Leuchten werden ebenfalls voraussichtlich bis 2027 umgerüstet.

Auch Private und Vereine sind gefordert

Für das Ziel der klimaneutralen Gesamtstadt kommt es nicht nur auf die Stadtverwaltung, sondern auch auf die Privaten an. Wie Alisia Meisch von der Stadtverwaltung berichtete, bietet die Stadt neben der kostenlosen Energieberatung für Bürger auch eine Beratung für Vereine an. Für einen Eigenanteil von nur 50 Euro kann jeder Verein eine Energieberatung für das vereinseigene Gebäude bestellen, wobei die Stadt den größten Teil des 600 Euro teuren Gutachtens trägt. Bisher haben zwei Vereine das Angebot angenommen.

Kurstadt unter Strom

Nach dem Beschluss zur freiwilligen Wärmeplanung durch den Gemeinderat wurden Haushaltsmittel zur Umsetzung der darin beschlossenen Maßnahmen eingeplant. 2025 sollen zwei vom Bund geförderte Machbarkeitsstudien hinsichtlich Wärmenetzen im Norden und Süden der Kernstadt anlaufen. Zudem soll ein Konzept für die Wärmeversorgung der Klinik Hüttenbühl und der benachbarten Wohnbebauung erarbeitet werden.

Durch den Bau von drei Windrädern auf dem Osterberg in Öfingen könnte die Stadt Bad Dürrheim rechnerisch ihren gesamten Strombedarf auf der eigenen Gemarkung erzeugen und damit lokal energieautark werden. Der Gemeinderat hatte die Ausweisung der Flächen im März befürwortet. Neben dem ökologischen Aspekt gibt es hier auch noch einen finanziellen: Für jede der drei Windkraftanlagen könnte die Stadt rund 200 000 Euro Pachteinnahmen pro Jahr sowie Gewerbesteuereinnahmen erhalten. Die Stadt hat eine Stellungnahme zur Aufnahme der Flächen in den Regionalplan abgegeben, um die planerischen Voraussetzungen zu schaffen.

E-Mobilität hat Vorfahrt

Zum Klimaschutz gehört, wie Alisia Meisch berichtete, auch die E-Mobilität. Zwischen April 2023 und Dezember 2024 wurden und werden 13 öffentliche E-Ladesäulen an neun Standorten neu installiert, sie befinden sich an Pkw-Parkplätzen beim Narrenschopf, am Salinensee, in der Königsberger Straße (Wohngebiet Wasserstein), am Rathaus Biesingen, Rathaus Hochemmingen, am Ortseingang Oberbaldingen, am Service-Center Ostbaar zwischen Ober- und Unterbaldingen, am Feriendorf Öfingen und am Sunthauser See. Die Tiefbauarbeiten sind aktuell in vollem Gange. Ein weiterer Baustein ist das Mobilitätskonzept, das bis Ende 2026 erstellt wird. Ausgangspunkt ist eine Analyse des Ist-Zustandes, darauf aufbauend wird eine Potentialanalyse erstellt. Dabei geht es um die Linienbus- und Radwegverbindungen zwischen Bad Dürrheim und den benachbarten Städten sowie die Verbindungen zwischen Kernstadt und den sechs Ortsteilen.

Stauden statt Einjährige

Weitere Klimaschutzmaßnahmen sind die Umstellung der Bepflanzung der städtischen Blumenbeete auf pflegeleichte Stauden, die nicht mehr zwei Mal jährlich erneuert werden müssen und die resistent gegen Trockenheit und Hitze sind und so auch eine Kostenersparnis mit sich bringen. Diese Maßnahme trägt zwar nicht zum Ziel der Klimaneutralität bei, weil dadurch keine Treibhausgasemissionen vermieden werden. Sie leistet allerdings einen Beitrag zur Biodiversität und Artenvielfalt.

Kur- und Bäder GmbH macht mit

Für die Kur- und Bäder GmbH berichtetet die Referentin für Nachhaltigkeit Sarah Hildebrand. Die GmbH bezieht Ökostrom, betreibt drei Blockheizkraftwerke, mit denen Strom und Wärme erzeugt wird und tauscht sukzessive Pumpen in ihren Bädern und Gebäuden aus, um Energie zu sparen. Im Energiemanagement erstellt die Kur- und Bäder GmbH seit vielen Jahren quartalsweise und jährliche Energiemanagementberichte. Die Umstellung auf LED Leuchten hat in den Gebäuden schon vor einigen Jahren begonnen.

Für die eigenen Gebäude der Kur- und Bäder GmbH ist geplant, einen Sanierungsfahrplan analog dem Verfahren der Stadtverwaltung zu erarbeiten. Ebenso wird ein touristischer Fußabdruck erstellt. Auch bei Verbrauchsmaterialien wird auf Nachhaltigkeit geschaut. Das Solemar wird jährlich in Zusammenarbeit mit der Remondis-Gruppe mit dem Nachhaltigkeitszertifikat für das Abfallmanagement ausgezeichnet. Und der neue Küchenchef des Kurhauses, Hannes Eberhard, der seit April dort wirkt, schaut sich intensiv nach regionalen Lieferanten um.

Die Kur- und Bäder GmbH hat von 2012 bis 2014 gemeinsam mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und der TourCert gGmbH die Zertifizierung „Nachhaltiges Reiseziel“ mitentwickelt. Seit nun zehn Jahren ist Bad Dürrheim über die KuBä als Nachhaltiges Reiseziel zertifiziert, wie Sarah Hildebrand berichtete.

„Man merkt, da geht wahnsinnig viel in Bad Dürrheim in Richtung Klimaschutz“, kommentierte Bürgermeister Jonathan Berggötz die beiden Berichte.

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