Miss-Germany-Wahl im Europa-Park
: Wie die Trossingerin Jessica Bisceglia heute zu Miss-Wahlen steht

Zum letzten Mal findet am Samstag, 22. Februar, die Miss-Germany-Wahl im Europa-Park in Rust statt. Dort stand auch Jessica Bisceglia 2020 auf der Bühne und schaffte es unter die Top sechs. Die Trossingerin blickt im Gespräch mit unserer Redaktion auf diese Zeit zurück und erzählt, warum sie heute noch von dieser Erfahrung profitiert, aber die Entwicklung solcher Miss-Wahlen auch kritisch sieht.
Von
Jennifer Merk
Oberndorf
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Die Trossingerin Jessica Bisceglia arbeitet heute als Model und Influencerin.

Alexandra Specker Fotografie

Fünf Jahre ist es her, dass Jessica Bisceglia die Miss-Baden-Württemberg-Wahl gewonnen und es unter die Top sechs bei der Miss-Germany-Wahl geschafft hat. Dort habe sie Erfahrungen gesammelt, die sie nicht missen möchte, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt: „Ich profitiere heute noch davon und deshalb werde ich es nie bereuen, teilgenommen zu haben.“

Wer die Trossingerin, die heute als Model und Influencerin arbeitet, auf ihren Social-Media-Kanälen verfolgt, sieht eine schöne, selbstbewusste Frau, die genau zu wissen scheint, was sie will. Doch das war nicht immer so, verrät Bisceglia: „Früher war ich extrem introvertiert. Ständig wurde ich darauf angesprochen und dazu angehalten, doch mehr aus mir herauszukommen.“ Leichter gesagt als getan. Doch weil die Teilnahme an der Miss-Germany-Wahl bereits ein Kindheitstraum von ihr war, beschloss Bisceglia, an sich zu arbeiten.

Deshalb nahm sie an einem Motivationscoaching in Berlin teil. „An dem Wochenende fand die Miss-Germany-Wahl 2019 statt, und ich war durch das Coaching so energiegeladen und motiviert, dass ich beschloss, mich für 2020 zu bewerben“, erinnert sie sich.

Im selben Jahr nahm sie zur Übung außerdem an der Miss-Schwarzwald-Wahl teil - und gewann diese. „Aber schon die Teilnahme an so einer kleinen Wahl war schwierig für mich. Da waren ungefähr 100 Menschen und ich musste nur meinen Namen sagen und was ich beruflich mache. Aber ich war bereits einen Monat vor der Wahl aufgeregt und hatte richtige Bauchschmerzen, wenn ich darüber nachgedacht habe. Das war wirklich eine große Überwindung für mich“, erinnert sich das Model.

Bisceglia: „Alles, was heute ist, kommt von den Miss-Wahlen“

Als dann die Zusage zur Teilnahme bei der Miss-Germany-Wahl 2020 kam, habe Bisceglia sogar überlegt, einen Rückzieher zu machen. „Aber ich hatte zum Glück ein gutes Umfeld, das mich ermutigte, meine Angst zu überwinden. Dafür bin ich noch immer sehr dankbar!“

Heute bietet die 32-Jährige Social-Media-Seminare an, steht als Model regelmäßig vor der Kamera und berichtet täglich mehr als 23.000 Followern auf ihrem Instagram-Account aus ihrem Alltag. „Alles, was heute ist, kommt von den Miss-Wahlen“, weiß Bisceglia: „Früher wäre all diese Dinge undenkbar gewesen.“

Geholfen hat ihr auch das dreiwöchige „Personality Camp“, das vor der Miss-Germany-Wahl 2020 stattfand. „Da waren viele Coaches und Psychologen, man hatte ein richtiges Training“, erinnert sie sich: „Das war echt eine Schule fürs Leben! Alleine deshalb werde ich es nie bereuen, an den Wahlen teilgenommen zu haben.“ Natürlich habe sie durch die Teilnahme aber auch viele Kooperationspartner gefunden und Reichweite auf ihren Social-Media-Kanälen bekommen.

Kandidatinnen müssen heutzutage viel mitbringen

Ob sie also wieder an einer Miss-Wahl teilnehmen würde? „Ich liebäugle manchmal schon mit dem Gedanken“, gibt Bisceglia zu. „Aber ich muss sagen, dass die Kandidatinnen heute ja so krass sind. Da frage ich mich schon, ob ich überhaupt eine Chance hätte.“ Zwar findet sie es gut, dass die Frauen, die an Miss-Wahlen teilnehmen, nicht mehr nur nach ihrem Aussehen bewertet werden. „Also wir waren 2020 eigentlich der erste Jahrgang, bei dem es auch um den Werdegang ging. Das hieß auch ’The New Miss Germany’, weil halt nicht mehr nur das Aussehen im Vordergrund stand. Aber es war noch nicht so ein großes Thema, wie heute“, erinnert sie sich.

Laut Pressemitteilung des Europa-Parks, wo die Miss-Germany-Wahl dieses Jahr zum letzten Mal stattfindet, sind unter den diesjährigen Finalistinnen beispielsweise eine KI-Ärztin, eine Patentanwältin und eine CEO mit über 300 Mitarbeiterinnen. Neben solchen Teilnehmerinnen werden zwar auch Frauen genannt, die bodenständigeren Berufen nachgehen, wie eine Zimmerin. Dennoch entsteht der Eindruck, dass der Werdegang der Finalistinnen eine große Rolle spielt.

Wahlen kann man kritisch sehen

„Ich bin total dafür, dass die Frauen nicht nur nach der Optik beurteilt werden. Wobei ich mich auch frage, ob es nicht mittlerweile zu extrem in die andere Richtung geht. Weil eigentlich war ja die Intention, dass sich jede Frau bewerben kann. Also zum Beispiel auch die Mama von nebenan. Das ist nicht mehr so. Man muss als Teilnehmerin schon viel leisten“, findet Bisceglia. Andererseits sei es natürlich auch ein Award, bei dem nur die Besten ausgezeichnet werden, sagt sie. „Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Man kann das schon kritisch sehen.“

Sie selbst wird am Samstag nicht beim Finale im Europa-Park dabei sein. Die Karten seien streng limitiert, weshalb es dieses Jahr leider nicht klappt, erzählt sie. Aber sie werde die Show über den Livestream auf TikTok verfolgen und mit den Kandidatinnen mitfiebern.

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