Meisterhaft mit der Säge: Er schnitzt sich an die Spitze – und sucht jetzt einen neuen Platz

Igor Loskutow mit seinem hölzernen Figurenensemble aus Meerjungfrau, Neckargott Nök und Schwan am Möglingssee: Der Kettensägenschnitzer ist im Stadtpark gleich mit mehreren Arbeiten vertreten. Aber auch andernorts werden von ihm gestaltete Objekte bewundert.
Daniela SchneiderWenn im Erzgebirge der Blockhausencup im gleichnamigen Freilichtmuseum und Wald- und Holzerlebniszentrum stattfindet, legen sie los: „Die Meister der Motorsäge in Aktion” – so wird es stets angekündigt – sind dann in ihrem Element. Und einer von ihnen ist zweifellos Igor Loskutow.
Der Kettensägenschnitzer aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis war schon oft bei diesem Wettbewerb am Start, der als Weltmeisterschaft der Branche gilt und bei dem die Besucher den besten Carvern der Szene direkt bei ihrer faszinierenden Arbeit zuschauen können.
Und nicht nur das: Zweimal konnte er hier in der Vergangenheit schon einen ersten Platz für sich reklamieren und auch dieses Mal war das wieder der Fall.
15 Carver aus neun Ländern, die jeweils in Teams zusammengefasst waren, schufen vor Ort ihre Hauptstücke. Die Aufgabenstellung in diesem Jahr: einen „Indianerhäuptling“ darstellen – ein Begriff aus dem traditionellen Sprachgebrauch, der heute ja nicht unumstritten ist, aber auch auf die Zeit verweist, in der die ikonischen Figuren auf ihren Pferden insbesondere in Filmproduktionen eine legendäre Rolle spielten.
Ikonische Figuren in Würde
Der Wettbewerb hatte explizit das Ziel einer würdevollen Darstellung der Häuptlinge. Und genau das war Igor Loskutow ebenfalls besonders wichtig. Gemeinsam mit seinen beiden Teamkollegen aus Wales und den Niederlanden schuf der 62-Jährige ein filigran gearbeitetes Figurenensemble, das am Ende auf Platz eins einer Jurywertung rangierte. Die dargestellte Szene entstand binnen einer Woche.

Mit dieser Darstellung des Sieges beim Little Big Horn – hier ein Ausschnitt – erreichte das Team von Igor Loskutow Platz eins der Wertung. Geschnitzt wurde das Ganze aus Eichenholzstämmen.
Foto: Igor LoskutowTraditionell krönte die Siegerehrung das Event. Mit dabei waren Gojko Mitic, in Ostdeutschland als „DEFA-Chefindianer“, in der Bundesrepublik als „Winnetou des Ostens“ bekannt. Und auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war vor Ort und gratulierte.Die fertigen Skulpturen erhielten anschließend einen Ehrenplatz auf der Skulpturenwiese des Freilichtmuseums mit Blick in die Abendsonne, an einem „Ort der Superlative in Holz“, wie Igor Loskutow selbst das viele Hektar große Gelände nennt.
Werke von Igor Loskutow sind aber auch in der Region zu finden, in der er selbst lebt. In Villingen am Warenbach beispielsweise machen seine Skulpturenbänke Eindruck, und seit wenigen Monaten können Groß und Klein seine unglaublich detailreich gestaltete Kugelbahn am Zusammenfluss von Brigach und Breg in Donaueschingen nicht nur bewundern, sondern auch benutzen. In Schwenningen im Stadtpark Möglingshöhe findet man Arbeiten, die er geschaffen hat, gleich an drei Stellen: Neben den drei neuen Figuren am Möglingssee gibt es hier noch den Lebensbaum beim Kirchenpavillon, den er einst aus einem Mammutbaum schnitzte, und eine Figurengruppe beim Barfußpfad. Selten ist er in den letzten Jahren hierhergekommen, um sich anzuschauen, wie die Arbeiten hier wirken – jetzt war es mal wieder der Fall und die Gelegenheit günstig, ihn dabei zu begleiten.

Dieser Lebensbaum steht auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände beim Kirchenpavillon. Igor Loskutow hat ihn aus dem Stamm eines Mammutbaums gestaltet.
Foto: Daniela SchneiderDabei erzählte der Schnitzer, der in Bad Dürrheim wohnt, dass er derzeit dringend auf der Suche nach einer neuen Werkstatt ist. Seine jetzige in Wolterdingen muss er bald aufgeben, weil der Platz anderweitig benötigt wird.

Für den Bereich neben dem Barfußpfad auf der Schwenninger Möglingshöhe hat Loskutow diese Holzfigur geschaffen.
Foto: Daniela SchneiderRäumlichkeiten in einem Industriegebiet – eine größere Garage oder kleine Halle zum Beispiel – oder eine Scheune wären für ihn optimal, wie er sagt.
Igor Loskutow
Vom Hobby zum Beruf
Igor Loskutow stammt aus der ehemaligen Sowjetunion und hat schon von Kindheit an ein Faible für geschnitzte Holzfiguren, die es in seiner damaligen Heimat insbesondere auf Kinderspielplätzen zuhauf gab. Auch Geräte und Sitzbänke waren dort mit fantasievollen Holzdarstellungen geschmückt und die Faszination dafür hat er seither. In Deutschland lebt er seit den 1980er-Jahren, im Schwarzwald-Baar-Kreis seit 2005. Viele Jahre war er als Holzfäller tätig, bevor er sich ab 2002 selbst ans Kettensägenschnitzen wagte. Mittlerweile hat er in dieser Profession schon in allen Ländern Europas gearbeitet, wobei ihm die Events in Holland und Dänemark mit am besten gefallen. Über die Szene in Deutschland sagt er: „Wir haben hier sehr viele gute Schnitzer“ und auch einen Verein der Speeedcarver gebe es nur hier. Von sich selbst sagt er: „Ich bezeichne mich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Wir Kettensägenschnitzer machen, was wir können, ein Künstler macht, was er will. Das ist der Unterschied.“
Teilnahme am Blockhausencup
Schon seit vielen Jahren stellt sich Igor Loskutow der bei Kettensägenschnitzern legendären Veranstaltung in Mittelsachsen. Aus vielen verschiedenen Ländern reisen die Teilnehmer an, die zur Elite in diesem Metier zählen. 2015 war er zusammen mit einem ukrainischen Freund schon einmal siegreich, damals mit einer Jagdszene, und 2019 erreichte er mit einer Drachendarstellung einen ersten Platz – ein großer Sieg für ihn.
Nächste Events
Die nächsten Veranstaltungen, an denen er teilnehmen wird, sind ein Event im Aostatal und eines Anfang September mitten in Amsterdam.
