Luisenklinik Bad Dürrheim
: Depression – ein Thema wird Chefsache

Hat der Kollege nur den üblichen Beziehungsstress oder doch schon eine beginnende Depression? Ob oder nicht: Das genaue Hinschauen macht die Luisenklinik Bad Dürrheim zur Chefsache.
Von
Eva-Maria Huber
Oberndorf
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Norbert Grulke, Ärztlicher Direktor der Luisenklinik in Bad Dürrheim, freut sich über die Erfolge des Projekts.

Eva-Maria Huber

Norbert Grulke, Ärztlicher Direktor der Luisenklinik in Bad Dürrheim, hat gut 20 Ausdrucke auf seinem Schreibtisch ausgelegt. Diese spiegeln die Hintergründe und Ergebnisse eines Projektes wider, das vor 15 Jahren gestartet wurde: Mit dem Ziel, eine Entwicklung auszubremsen, die nicht nur die Leitung der Bad Dürrheimer Klinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen alarmierte und handeln ließ.

Denn für die „Mitarbeiter- und Führungsberatung als Baustein des betrieblichen Gesundheitsmanagements“ gibt es gute Gründe: die Zunahme von psychischen Störungen. Und erste spürbare Erfolge.

Auslöser für die Kooperation mit verschiedenen teils großen Unternehmen und „Global Playern“ waren Zahlen und Entwicklungen. Psychische Erkrankungen nehmen zu, allen voran Depressionen, die Fehltage aufgrund dieser Diagnosen stiegen seit 2007 ebenfalls, und mehr als 40 Prozent aller Frühberentungen erfolgen aus psychischen Gründen.

Eine Entwicklung, die Grulke nicht nur nachdenklich stimmte: Die Idee war geboren, bei den Betrieben gezielt anzusetzen. „Mit dem Projekt wollten wir schauen, was wir präventiv machen können“, erläutert er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Letztendlich geht es auch generell um einen sensiblen wie wertschätzenden Umgang mit den Beschäftigten.“ Und dazu braucht es die Beteiligung der Chefetagen.

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Sparkasse ist mit im Boot

Mit im Pilotprojekt seit 2010 dabei ist die Sparkasse Schwarzwald-Baar. In Seminaren, berichtet der Leiter der Luisenklinik, seien Führungskräfte dahingehend geschult worden, bei ihren Beschäftigten genauer hinzusehen und bei Auffälligkeiten das Gespräch mit den Mitarbeitern zu suchen und gegebenenfalls Hilfe anzubieten. Zusätzlich können sich diese kurzfristig und anonym in insgesamt fünf Beratungsgesprächen Hilfe bei ihren psychischen Problemen holen. Hier wird dann geklärt, ob das Problem gelöst werden kann oder ob sich hinter dem Stress, der Niedergeschlagenheit, den Sorgen nicht doch eine behandlungsbedürftige Depression oder eine andere psychische Erkrankung verbirgt.

Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse und der AOK-Gesundheitsreport zeigen: Im Vergleich zum Jahr 2010 sind die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen beim Pilotprojekt-Partner Sparkasse um 20 Prozent zurückgegangen, allgemein dagegen sind sie im gleichen Zeitraum um 50 Prozent gestiegen. Bisher nahmen insgesamt zehn Unternehmen aus dem Kreisgebiet und darüber hinaus an dem Präventionsprogramm teil. Es wurden über 700 Beratungen durchgeführt und sehr viele Führungskräfte geschult.

Führungskräfte schulen

Wichtig sei dabei auch der Kontakt von Führungskräften und Managern mit Patienten der Klinik, die ihren eigenen Lebens- und Leidensweg schildern. Mit dem Ziel, Führungskräfte noch stärker zu sensibilisieren. „Denn manche wären froh gewesen, wenn sich Chef oder Chefin für sie und ihre persönlichen Krisen interessiert hätten.“

In 70 Prozent, fasst Grulke zusammen, „konnte das Problem, warum die Mitarbeiter zur Beratung kommen, gelöst werden.“ Weitere 25 Prozent konnten einer Behandlung, sei es ambulant oder zu einem ganz geringen Teil stationär, zugeführt werden.

Doch warum wird die Depression immer mehr zur Volkskrankheit? Grulke, seit bald 20 Jahren Leiter der Luisenklinik, sieht immer brüchiger werdende Bindungen als Ursache dafür: Fragilität in Beziehungen, in Familien, am Arbeitsplatz, parallel dazu eine fortschreitende Vereinsamung vor allem bei jüngeren Menschen. Eine gesellschaftlich desolate Entwicklung, konstatiert er. „Denn gute soziale Bindungen sind der beste Schutz gegen Depression.“

Welche Belastungen führen zu Problemen von Mitarbeitern in Unternehmen?

Ursachen
In dieser Frage ergibt sich ein eindeutiges Bild: In etwa 50 Prozent und damit am häufigsten sind es private Gründe. Lediglich 15 Prozent haben ihre Ursache in beruflichen Konflikten, Streit mit Kollegen, Arbeitsdichte, hohe Ansprüche an sich selbst. Berufliche und private Gründe gemischt machen 35 Prozent aus. Auffallend dabei: Während Wirtschaftskrisen erhöht sich die Zahl von an Depression erkrankter Menschen.