Kyrillische und arabische Schrift
: Litfaßsäulen in Villingen-Schwenningen werfen Fragen auf

In der Doppelstadt sorgen fremdsprachige Bibelverse auf Litfaßsäulen für Aufmerksamkeit. Wer steckt hinter der ungewöhnlichen Plakataktion und ist das in dieser Form überhaupt erlaubt? Unsere Redaktion hat nachgefragt.
Von
Leroy Behrens
Oberndorf
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Die Litfaßsäulen in kyrillischer Schrift – wie hier in der Offenburger Straße werfen Fragen auf.

Leroy Behrens

In mehreren Städten Deutschlands tauchen zunehmend Plakate und Litfaßsäulen mit kyrillischen und arabischen Schriftzeichen auf. Auch in Villingen-Schwenningen wurden solche Plakate entdeckt, unter anderem in der Offenburger Straße und am Goldenen Bühl. Doch was steckt hinter dieser Aktion? Der Hintergrund überrascht.

Viele Menschen in der Doppelstadt wundern sich seit längerem was auf den Plakaten stehe. Auch in den Sozialen Netzwerken sorgt die Aktion für Diskussionen und gar Verunsicherungen, weil man nicht wisse, welchen Hintergrund die Aktion hat. Verantwortlich für die Plakate ist der Christliche Plakatdienst e.V., ein 1992 gegründeter Verein. Der Plakatdienst beklebt bundesweit Litfaßsäulen mit Bibelversen, auch in ausländischen Sprachen. Laut Angaben des Vereins ist es sein Ziel, „öffentlich auf Gottes Wort und Jesus Christus aufmerksam zu machen“ und den Menschen die Möglichkeit zu bieten, die Bibel zu lesen und Gottes Wort kennenzulernen. Die Plakate zieren vor allem Bibelverse, oftmals ohne weitere Kommentare.

Aktion ist nicht politisch bewegt

Doch warum erscheinen Bibelverse vermehrt in kyrillischer oder arabischer Schrift? Auf wiederholte Anfragen unserer Redaktion reagierte der Verein nicht. Andere Medienberichte erwähnen jedoch, dass die Kampagne darauf abzielt, christliche Botschaften in mehreren Sprachen zu verbreiten, um auch Menschen zu erreichen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Ein Mitarbeiter des Vereins erklärte, dass es nicht um keine politische oder religiöse Auseinandersetzung gehe, sondern darum, den Menschen, die in Deutschland leben und eine andere Sprache sprechen, das Wort Jesu näherzubringen. Dabei sollen auf den Plakaten stets sowohl die fremdsprachigen Bibelverse als auch eine deutsche Übersetzung zu finden sein.

Im Fall der Litfaßsäulen in Villingen-Schwenningen trifft dies jedoch nicht zu. Auf den Plakaten ist lediglich ein QR-Code abgebildet, der zur Homepage des Vereins führt, wo die Verse in verschiedenen Sprachen übersetzt werden können. Eine direkte Übersetzung auf den Plakaten fehlt.

Bibelverse aus den vier Evangelien

Ein Beispiel für einen der Bibelverse, der auf einer Litfaßsäule in der Offenburger Straße zu sehen ist, stammt aus dem Matthäusevangelium (11,28): „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde Euch Ruhe geben.“ Der Verein betont, dass es sich ausschließlich um Bibelverse handelt, ohne politische oder religiöse Absichten. Ein Aufruf zu Konflikten sei nicht beabsichtigt.

Unsere Redaktion stellte bei der Stadt Villingen-Schwenningen die Frage, ob die Stadt für die Inhalte auf den Plakaten verantwortlich sei oder ob es ein Genehmigungsverfahren gebe. Pressesprecher Patrick Ganter erklärte, dass die Litfaßsäulen nicht in städtischer Verantwortung lägen. Die Werbung werde direkt über die Firma Ströer gebucht.

Auf Anfragen von Seiten unserer Redaktion reagierte Ströer jedoch nicht. Unklar bleibt deshalb, wie solche Aktionen kontrolliert und reglementiert werden.

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