Kultur in Trossingen: Ein einzigartiges Klangerlebnis

Einen berauschenden Konzertabend mit einem fulminanten Abschluss erlebten die Konzertbesucher mit dem Hohner-Akkordeon-Orchester Trossingen unter der Leitung von Johannes Baumann sowie dem Gastensemble Musica in Fiore.
Ingrid KohlerEin außergewöhnliches Konzert mit außergewöhnlichen Stücken, dirigiert von einem leidenschaftlichen Dirigenten, dazu vier Gastmusiker, die ihresgleichen suchen – das war das Jahreskonzert des Hohner-Akkordeon-Orchesters 1927 Trossingen.
Nicht zu vergessen, die fast lückenlos gefüllten Ränge im Konzerthaus mit einem mehr als begeisterten Publikum. Bei seiner Ankündigung auf eine musikalische Reise in die Regionen der Welt, hatte Manfred Kappler, Vorstandssprecher des Hohner-Akkordeon-Orchesters Trossingen und zugleich Vizepräsident des Deutschen Harmonika-Verbandes, der durch den Konzertabend führte, nicht zu viel versprochen.
Passend zum Erwachen der Natur präsentierte das mehr als 30-köpfige Orchester, das dank Kooperation mit dem Hohner-Konservatorium in den letzten Jahr eine Vergrößerung und zugleich Verjüngung erfuhr, das herausfordernde Stück „Spring“, eine Symphonische Impression von G.S. Mathis in einem Arrangement des Trossingers Rudolf Würthner.
Verjüngt und vergrößert
Mit der letzten großen Komposition von Fritz Dobler, der im Jahr 2024 im Alter von 97 Jahren verstorben ist, nahmen Dirigent Johannes Baumann und sein Orchester die Konzertbesucher in vier Sätzen mit auf eine Reise Doblers nach Kenia, die mit dem „Meeting der Masaikrieger“ sehr rhythmisch endete. Unterschiedliche Taktarten und Sequenzen prägten „Blue Rondo a La Turk“ des Swing- und Jazz-Komponisten Dave Brubeck.
Weiter ging die musikalische Reise in den Wilden Westen mit den „Glorreichen Sieben“ (The Magnificient Seven) von Elmer Bernstein und führte zurück auch Deutschland mit Paul Linckes Ouverture zu einer Operette, die allerdings nie zur Operette wurde. Arrangiert wurde dieses grandiose Stück von Johannes Baumann, der nicht nur seit 1992 Dirigent des Hohner-Akkordeon-Orchesters ist, sondern auch Landesdirigent von Baden-Württemberg. Als Heimspiel mit nur fünf Minuten Anfahrt bezeichnete Nils Aebersold den Gastauftritt von Musica in Fiore, einem Quartett des Hohner-Konservatoriums unter der musikalischen Leitung von Andreas Nebl.
Musica in Fiore heißt übersetzt „Musik in voller Blüte“, so Aebersold. „Deshalb präsentieren wir einen bunten Blumenstrauß“, der mit zwei Sätzen aus dem „Streichquartett Nr. 8“ von Dmitir Schostakowitsch begann. Dies sei genau die Spezialität von Musica in Fiore, klärte er auf. „Eigentlich spielen in diesem Stück zwei Violinen, ein Cello und eine Bratsche.“ Ersetzt wurden diese mit vier Akkordeons von Michael Ziegler (1. Stimme), Juliana Kraus (2. Stimme), Nils Aebersold (3. Stimme) und Karla Gvozden-Rizvic (Bass), die den 2. Satz schnell, dramatisch und effektvoll präsentierten.
Der „Wow-Effekt“
Das „Rondo Capriccioso“ von Wladislaw Solotarjow, das von Musica in Fiore neu arrangiert wurde, entfachte beim Publikum einen „Wow-Effekt“. Unterstützung am Schlagzeug hatte das Quartett bei „Tetrader“, komponiert von Hans-Günther Kölz eigentlich für Orchester, neu arrangiert für das Quartett von Nils Aebersold.
Flott und sehr unterhaltsam spielten sie anschließend den bekannten russischen Tanz „Trepak“ von Pjotr Tschaikowski und hatten auf großen Wunsch der Konzertbesucher noch eine kleine Zugabe mit im Gepäck. Einen fulminanten Abschluss mit einem rhythmischen Feuerwerk präsentierte das Hohner-Akkordeon-Orchester mit den „Polowetzer Tänzen“ aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin im Arrangement von Rudolf Würthner.
Doch das Publikum forderte mehr, erst nach drei Zugaben war Schluss. Das Traditionsorchester, das sich schon heute auf das hundertjährige Bestehen, das am 8. Mai 2027 musikalisch gefeiert wird, lieferte den mit viel Applaus bedachten Beweis, dass für die Musiker auch Unterhaltungsmusik kein Fremdwort ist.