Kinder zwischen Buch und Bildschirm: Neue Wege für mehr Leselust in der Stadtbibliothek VS

Stephanie Schumacher, kommissarische Leiterin der Stadtbibliothek VS, hat viele Tipps parat, um Kinder zum Lesen zu bringen.
Mareike KrattDie gute Nachricht vorweg: „Das Buch ist immer noch populär und wird weiterhin auf seine Art bestehen bleiben“, betont Stephanie Schumacher, die die Stadtbibliothek VS kommissarisch leitet.
Und welche Rolle nimmt das Buch heutzutage vor allem bei der jungen Generation ein? Eine unentbehrliche:„Lesen ist die Grundlage für Bildung, Sprache und Teilhabe“, sagt sie. Es fördere nicht nur das Wissen, sondern rege auch Fantasie und Neugierde an.
Und: Je früher Vorlesen und Lesen in den Familienalltag integriert werden, umso höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder auch später dranbleiben. Ein – temporärer – Wegfall komme irgendwann automatisch durch die Außenbedingungen.
Die Kooperationen
Und welchen Beitrag leistet dazu die Bibliothek in VS? „Wir arbeiten stark mit Kindergärten und Schulen zusammen“, erzählt die Leiterin. Nahezu täglich gebe es am Vormittag Führungen. Hinzu kommen Formate wie Vorlesestunden, Kindertheater oder Kreativangebote. Für die großen Ferien haben sich „Heiß auf Eis“ und „Heiß auf Lesen“ längst etabliert.
Längst sei die Bibliothek keine reine Ausleihstelle mehr, sondern ein Ort der Begegnung und Teilhabe, an dem vor allem Familien verweilen könnten. Die Neumöbilierung und Umgestaltung der Schwenninger Bibliothek vor rund zwei Jahren, die den Besuchern mehr Platz zur Verfügung stellt, habe da spürbar Wirkung gezeigt.
Die Herausforderungen
Doch da sind inzwischen auch viele Herausforderungen: Konkurrenz habe das klassische Buch nicht erst durch die aktuell dominierenden digitalen Medien bekommen, sondern bereits etwa Ende der Neunzigerjahre, so Stephanie Schumacher, durch andere „schnell verzehrbare“ Medien, die Lesekompetenz und Aufmerksamkeitsspanne schwächten.
Von Anfang an habe die Institution Bibliothek versucht, diesen Medien nicht unbedingt entgegenzuwirken, sondern sie zu integrieren – um gleichzeitig das Lesen als Ursprung attraktiv zu halten. „Wir müssen Brücken bauen zwischen beiden Angeboten“, betont Schumacher.
Die „Experten“
Sie nennt bewegliche Kinderbuch-Kinos, Lern- und Hörbuchformate wie Edurino, Toniebox oder TipToi bei den Jüngeren, Gaming und Robotic bei den Älteren als Beispiele. Doch hierbei sei stets Vorsicht geboten: „Bei der Auswahl müssen wir kritisch sein und können nicht alles anbieten.“
Man orientiere sich stark am Markt und sei mit diversen Fachstellen gut vernetzt. Wenn ein neues Konzept überzeuge, steige die Bibliothek frühzeitig mit ein – und sehe sich dann selber als „Experte“, welche Medien in Sachen Aktualität und Bibliothekspädagogik überhaupt Relevanz hätten, sagt die Leiterin.
Die Zukunft
Grundsätzlich kann die Bibliothek VS nicht klagen – die Ausleihzahlen seien steigend. Beim Blick Richtung Zukunft müssten sich aber alle im Klaren sein: Das Buch werde immer in Konkurrenz zu anderen Medien stehen. Wichtig sei, stets neue Wege und Zugänge zu finden, um attraktiv zu bleiben. Dabei müsse auch die Leseförderung noch vielfältiger und flexibler werden, um die Kinder frühzeitig spielerisch an die Medien heranzuführen.
Unentbehrlich sei zudem die Rolle der Bibliothek: „Jedes Kind muss sich unabhängig von seiner Situation gleich bilden können. Diese Tendenz wird künftig immer deutlicher werden“, betont Stephanie Schumacher etwa auch hinsichtlich steigender Buchpreise.
Die Empfehlung
Hat die Bibliotheksleiterin passend zum Welttag des Buches Empfehlungen für ein gutes Kinderbuch? „Das ’eine’ Buch gibt’s nicht“, findet sie. Wichtig sei, dass – egal ob Klassiker oder Comic – die eigenen Interessen darin abgebildet seien und das Buch ohne Druck gelesen werde. Hinzu komme das Thema Zeit: „Sich bewusst mit den Kindern Zeit nehmen, zusammen darüber sprechen und Interesse zeigen, ist das Beste, was man machen kann.“
Der Welttag des Buches in der Stadtbibliothek
Die Veranstaltungen
Anlässlich des Welttags des Buches findet am Donnerstag, 23. April, in beiden Bibliotheken in Villingen und Schwenningen eine Kinderrallye statt. Wer alle Fragen richtig beantwortet, erhält ein kleines Geschenk. Zudem liest in der Schwenninger Bibliothek um 19.30 Uhr Autorin Julia Heinecke aus ihrem True Crime Krimi „Kurz vor Kassenschluss – Der erste Bankraub mit Geiselnahme“.