Industriebrachen in VS
: So sieht der Plan für den alten Schlachthof aus

Was tut sich auf dem Gelände des alten Schlachthofes in Schwenningen? Einen Einblick erhielten die Teilnehmer am Tag der Architektur im Rahmen einer Führung.
Von
Cornelia Hellweg
Oberndorf
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Eine Ruine: der Turm auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes in Schwenningen.

Cornelia Hellweg

Gut zu wissen: „Am Tag der Architektur am letzten Juniwochenende eines Jahres ist immer schönes Wetter“, eröffnete Alexander Schmidt seitens der Architektenkammer BW die Führung auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes in Schwenningen. Augenfällig auf der Industriebrache ist vor allem der alte Turm, dessen total beschädigtes Dach noch Nachweis des Hagelunwetters im Jahr 2006 ist.

Angesichts einer kräftig vom Himmel scheinenden Sonne und Hitze bat Eigentümer Hans-Walter Haller die Gruppe in die Halle, in der bis vor einigen Monaten noch ein Mix von Kulturveranstaltungen und Kulinarischem regelmäßig stattfand. Ein urbanes Format, das viele Besucher in die Location an der Lichtensteinstraße lockte.

Beim Gang über das Gelände sieht man die Initialen HIQ an einigen Absperrgittern. Das steht für „Hammerstatt-Innovations-Quartier“ und beschreibt die Zielvorstellung des Unternehmers für dieses Gelände. In einem Vortrag beschrieb Hans-Walter Haller die Geschichte des ehemaligen Schlachthofes und seine Gründe für den Erwerb des Areals.

Hans-Walter Haller erläutere die geplante Gesamtnutzung.

Foto: Cornelia Hellweg

Im Fokus des Tages der Architektur standen in diesem Jahr das Thema Leerstände und Brachen – und damit die Frage: Potenzial für was Neues oder Fall für die Abrissbirne? Im Fall alter Schlachthof lautet die Antwort bislang: Sowohl als auch. Haller-Immobilien grenzen an das Areal. Insgesamt sind es drei Hallen aus unterschiedlichen Entstehungszeiten. Zur Firmengruppe gehören Industriebau Haller, Haller Werbetechnik sowie Haller und Gabele. Die inzwischen stillgelegte Gleisanlage an der Grundstücksgrenze zum alten Schlachthof wollte der Unternehmer von der Stadt VS kaufen. Das führte zu der Rückfrage, ob er nicht das ganze Areal dazu kaufen möchte. Nach einigem Überlegen sagte er schließlich zu, und der Erwerb ging im Jahr 2018 über die Bühne.

Die Pläne werden konkreter

Ursprünglich sei geplant gewesen, die inzwischen sanierte Halle für Unternehmenszwecke zu nutzen. Dann sei bei Industriebau Haller der Fertigungsfluss neu geplant worden, so dass an der Lichtensteinstraße Kapazitäten frei wurden. Die Gesamtnutzung sieht laut Hans-Walter Haller jetzt neben Platz für Verwaltung und Lager für Haller und Gabele nach wie vor einen so genannten „Co-Working/Maker Space“, ein Wasserstoff-Real-Labor sowie kreative Freiräume. Ursprünglich sei geplant gewesen, neben den alten Pferdeställen noch die „Villa“ und den Turm zu erhalten. Jetzt will man nur noch Villa und Turm erhalten. Bezüglich von Veranstaltungen wie der „Markt in der Halle“, meinte Haller, die Genehmigungsbehörde bei der Stadt habe – anders als in anderen Kommunen – ein ausführliche Beschreibung verlangt. „Dann habe ich eine 40-seitige Beschreibung zusammengestellt, und dann hat es mit der Genehmigung geklappt.“ Aus seiner Sicht kann dieses Veranstaltungsformat also wieder stattfinden.

Ein Blick in die älteste Haller-Halle an der Lichtensteinstraße.

Foto: Cornelia Hellweg

In der Halle sollen mehr Container als bisher als Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Diverse Anfragen dafür dokumentieren für den Unternehmer das Interesse an so einer Möglichkeit an dieser Stelle. Jeder dieser Container kann individuell geheizt werden. Die Halle verfügt ebenfalls über Heizmöglichkeiten, die aber nur bei Veranstaltungen eingesetzt werden. Für eine flexible Nutzung der Halle stelle der Brandschutz noch ein Problem dar. Für die Installation einer PV-Anlage reiche die Dachlast nicht aus.

Zum Wasserstoff-Real-Labor berichtete er: Am Standort Tuttlingen sei nur Platz für Anwendungen im Bereich Mobilität; daher soll in Schwenningen Teile zur Anwendung in Häusern getestet werden. Eine Nachnutzung der Villa ist noch offen.

Eine Nachnutzung für die Villa ist noch offen

Für das Gebiet existiere Planungsrecht. Wenn man sich an den bisherigen Nutzungen orientiere, werde auch kein neues benötigt. Daher wird Wohnen auf dem Gelände nicht möglich sein. Die Stadt habe eine Baugenehmigung erteilt, aktuell befinde man sich in der Phase der Baufreigabe. Das alles macht der Unternehmer quasi nebenbei. Innerhalb des Geländes sind Wege geplant, die auch von Fahrzeugen genutzt werden können. Rasengitterelemente und mobile Baumquartiere sollen für Grün sorgen.

Zum Abschluss nahmen Hans-Walter und Nikolas Haller die Gruppe mit auf einer Führung durch die Hallen, das Gelände, Turm und Villa. Obwohl abgesperrt, dringen immer wieder Unbefugte ein. Das Ergebnis sei oft Vandalismus, erzählte Nikolas Haller. Wenn die Pläne alle umgesetzt würden, entstünde ein Angebot, das es so in Villingen-Schwenningen noch nicht gibt. Für viele Schwenninger verschwände damit nach nahezu 20 Jahren ein „Schandfleck“ – insbesondere wenn der Schlachthausturm entweder weg käme oder schön hergerichtet würde.

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