Hinter den Fachwerkwänden tut sich etwas: Neues Leben fürs Schwenninger Heimatmuseum – aber für wie lange?

Das Schwenninger Heimatmuseum am Muslenplatz soll immer wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt werden – in erster Linie dank der engagierten Stadtführer.
Mareike Kratt- Schwenninger Heimatmuseum öffnet testweise wieder, trotz Brandschutzproblemen und Defekten.
- Erdgeschoss wird zugänglich, mit Museumscafé des Heimatvereins und ausgewählten Vitrinen.
- Nächste Öffnung ist für den 31. Oktober geplant – Beginn einer monatlichen Testphase.
- Testphase läuft bis Ende Januar 2027, um Angebote zu erproben und das Konzept zu entwickeln.
- Langfristig sollen die Museen ins Rössle-Areal ziehen, das Heimatmuseum wäre danach zum Verkauf.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Beschaulich steht es da am Rande des Muslenplatzes und scheint nur darauf zu warten, dass es wieder mit Leben gefüllt wird: das historische Fachwerkhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert, das seit 1931 als Heimat- und Uhrenmuseum genutzt wird – dessen ganz normaler letzter Öffnungstag für Besucher der Dauer- oder Sonderausstellung aber schon lange zurückliegt.
Dennoch: Zweimal in diesem Jahr hat das Museum auf Initiative der Schwenninger Stadtführer seine Pforten zumindest teilweise zugänglich gemacht– nämlich zum Stadtfest Art in Town Anfang Juli sowie zum Kürbisfest Ende September. Und bald soll es wieder solch einen Sonderöffnungstag geben.
Mangelnder Brandschutz schon seit Langem
Doch warum ist das Museum an den meisten Tagen eigentlich zu und die Zukunft des Gebäudes somit ungewiss? Allem voran ist es der nicht ausreichende Brandschutz, der den Aufenthalt mehrerer Besucher gleichzeitig, hauptsächlich im Obergeschoss, unmöglich macht. Hinzu kommen defekte Elektroleitungen.
Es ist aber die grundsätzliche Frage, wie es mit einem Heimatmuseum für Schwenningen weitergeht. Die Planungen rund um die neue Museumslandschaft in der Neckarstadt sehen derzeit vor, die drei bestehenden Museen im noch zu sanierenden Rössle-Areal zu vereinen. Im Zuge der umfangreichen Umgestaltung der Innenstadt soll das Heimatmuseum nach Umzug ins Rössle dann verkauft werden. Dieser Beschluss steht seit rund einem Jahr fest.
Stadtführer engagieren sich für den Erhalt
Doch bis es soweit ist, werden drei oder vier Jahre vergehen – mindestens. Deswegen soll die Zwischenzeit – ähnlich wie beim Rössle selbst – genutzt werden. Eine Gruppe rühriger Stadtführer, die dem Schwenninger Heimatverein angehört und bereits in der Vergangenheit immer wieder Aktionen rund ums Heimatmuseum für dessen Wiederbelebung organisiert hatte, ist auch jetzt wieder zusammen mit dem städtischen Kulturamt aktiv.
Die ursprünglichen Pläne rund ums Heimatmuseum
Eigentlich hatte man mit dem Gebäude des Heimatmuseums in 1‑A-Lage am Muslenplatz viel vor: Nachdem sich der Gemeinderat Anfang 2024 gegen die ursprünglichen Museumspläne, im neuen Bürk-Areal am Standort Württembergische Uhrenfabrik die drei Schwenninger Museen – Uhrenindustriemuseum, Städtische Galerie und Heimatmuseum – zu vereinen, ausgesprochen hatte, wurde im Oktober 2024 ein neuer Weg verfolgt: Der neue Museumskomplex sollte nun am Muslenplatz entstehen. Dazu sollte das Heimatmuseum kernsaniert werden und dahinter als Verlängerung auf dem Grundstück des Kindergartens Wilhelmspflege ein Neubau entstehen. Wiederum ein Jahr später wurden diese Pläne wieder verworfen – zugunsten des Großprojekts Rössle-Umbau. Hier soll nun ein Museum der Zeit entstehen. Das Gebäude der Wilhelmspflege ist dennoch inzwischen abgerissen worden.
Bei Art in Town hatte man den Vorplatz in einen Biergarten mit Museumscafé verwandelt. Zudem gab es Musik sowie Führungen zu einzelnen Exponaten im Erdgeschoss. Ein ähnliches Angebot lockte beim Kürbisfest – und wurde gut angenommen.
Eine Testphase soll Erkenntnisse bringen
Und wie geht es jetzt weiter? „Geplant war, das Museumscafé im Erdgeschoss des Heimatmuseums beginnend mit dem Kürbisfest in einer Testphase zu öffnen“, erklärt Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, auf Anfrage unserer Redaktion.
Anschließend sei eine Öffnung einmal im Monat vorgesehen, jeweils an einem Samstag oder Sonntag. Die Wochenenden würden individuell festgelegt, je nach Verfügbarkeit der Ehrenamtlichen. „Die nächste Öffnung ist für den 31. Oktober geplant.“
Betrieben werde das Café wie bisher vom Heimatverein Schwenningen, die Abstimmungen liefen eng mit dem Amt für Kultur. Dieses habe zusammen mit dem Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO) über den Sommer die Voraussetzungen für die Öffnung geschaffen, so Madlen Falke weiter: Dazu gehörten insbesondere der Einbau einer kleinen Küche, eines Gäste-WCs sowie das Herrichten der Verkaufstheke.
Übers Erdgeschoss geht's nicht hinaus
An den Öffnungstagen werde aber ausschließlich das Erdgeschoss zugänglich sein, blickt die Pressesprecherin voraus. Welche Inhalte dort in den Vitrinen präsentiert werden und wie die Ausstellung gestaltet wird, werde aktuell ebenfalls erarbeitet.

Beim Stadtfest Art in Town Anfang Juli ist rund ums Heimatmuseum einiges geboten.
Cornelia HellwegLaut Homepage des Heimatvereins ist das Museum inzwischen ziemlich leergeräumt: Abgebaut seien Ausstellungsgegenstände wie die Bauernstube mit Trachten, und auch die Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte – eine Leihgabe des Landes – sei fast vollständig verschwunden. Ähnliches stehe noch der Hellmut-Kienzle-Sammlung als Leihgabe des Deutschen Uhrenmuseums Furtwangen bevor.
Die Testphase sei bis Ende Januar 2027 geplant und ermögliche, „Erfahrungen zu sammeln, Angebote auszuprobieren und das Konzept gemeinsam mit dem Heimatverein schrittweise weiterzuentwickeln“, so Madlen Falke.
Die Öffnung des Heimatmuseums bei der Finissage von Art Town
Am Samstag, 31. Oktober, lädt die Stadt zusammen zur Finissage von „Art in Town – Danke Schwenningen“ ein. Dann soll die Innenstadt nochmals zur Bühne für Kunst, Kultur und Begegnung werden. Das Café des Heimatvereins im Heimatmuseum ist ab 11 Uhr geöffnet.


