Hier kann man Lichter für Verstorbene entzünden
: Stille statt Show beim Lichterfest am Möglingssee in Schwenningen

Keine Musik, kein Rahmenprogramm – aber Lichter, Stille und Erinnerung. Das Hospiz Via Luce reduziert sein Lichterfest in VS und Hospizchefin Maria Noce erklärt, warum weniger hier mehr ist.
Von
Cornelia Spitz
Villingen-Schwenningen
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Ein Meer aus Lichtern auf dem Möglingssee. Dieser Anblick ist es, der das Finale des Festes zu Herzen gehen lässt. Doch hinter dem Event steckt noch viel mehr.

Ein Meer aus Lichtern auf dem Möglingssee. Dieser Anblick ist es, der das Finale des Festes zu Herzen gehen lässt. Doch hinter dem Event steckt noch viel mehr.

Hospiz Via Luce
  • Hospiz Via Luce feiert sein Lichterfest am Möglingssee ohne Musik und Rahmenprogramm.
  • Fokus liegt auf Andacht, Stille und gemeinsamer Erinnerung an Verstorbene.
  • Grund für die Reduktion: hoher Aufwand, Pflegebetrieb, Finanzen und unsicheres Wetter.
  • Höhepunkt bleibt der Lichtersee, wenn Angehörige Lichterblüten zu Wasser lassen.
  • Seit 2014 verbindet das Fest Menschen und macht Hospizarbeit sichtbar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Hospiz Via Luce in Villingen-Schwenningen feiert wieder sein Lichterfest. Höhepunkt der Veranstaltung ist es, wenn von Angehörigen nach einer Andacht unzählige Lichterblüten am Schwenninger Möglingssee zu Wasser gelassen werden und auf diese Weise für viele Verstorbene ein Licht leuchtet.  Das Fest ist aber nicht nur eine denkbar stimmungsvolle Möglichkeit des Gedenkens an Verstorbene, sondern auch ein wichtiger Termin für das Team des Hospizvereins.

Was es mit dem Event auf sich hat und warum in diesem Jahr alles anders ist als gewohnt, das erläutert Hospizchefin Maria Noce im Gespräch mit unserer Redaktion.

Frau Noce, wenn Sie an die Lichterfeste zurückdenken, was war für Sie das Besondere daran?

Für mich sind es vor allem die Begegnungen, die das Lichterfest so besonders machen. Bei dem Lichterfest kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen.

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Maria Noce und Francesco

Maria Noce und Francesco – dieser kleine Mann hat einst einen großen Eindruck hinterlassen bei Maria Noce und ihren Entschluss für die Hospizarbeit enorm verstärkt.

Noce privat

Und doch haben diese etwas gemeinsam: Sie erinnern sich an Verstorbene und teilen miteinander einen ganz besonderen Moment. Wenn die vielen Lichter auf dem Wasser leuchten, entsteht eine ergreifende und unbeschreibliche Atmosphäre, die tief berührt und zum Nachdenken einlädt. Wir sehen das Licht als Symbol der Hoffnung, der Gemeinschaft und des Neubeginns.

Seit wann feiern Sie das Lichterfest?

Das Lichterfest feiern wir seit 2014. Über die Jahre hinweg ist es zu einem wichtigen Termin geworden, der viele Menschen miteinander verbindet und einem wieder bewusst macht, wie wertvoll das Leben ist. Das Lichterfest ist ein zentrales Ereignis, welches die Hospizarbeit transparenter und greifbarer macht. Wir freuen uns, wenn wir dazu beizutragen, dass die Hospizarbeit generell enttabuisiert wird und die Bedeutsamkeit einer hospizlichen Einrichtung in der Gesellschaft wahrgenommen wird.

Warum dieses Mal ohne Programm?

In der Stadt gibt es inzwischen viele verschiedene Feste und Veranstaltungen. Deshalb möchten wir uns in diesem Jahr bewusst auf das Wesentliche konzentrieren: auf die Andacht, die Besinnung und das gemeinsame Erinnern. Das Lichterfest soll Raum geben, innezuhalten und an die Menschen zu denken, die nicht mehr bei uns sind. Ein weiterer Grund ist, dass das Fest mit dem bisherigen Rahmenprogramm einen großen organisatorischen und zeitlichen Aufwand für uns bedeutet, welchen wir zum alltäglichen Pflegebetrieb stemmen müssen. Zudem spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Wenn das Fest aufgrund von schlechtem Wetter nur wenig besucht wird oder sogar abgesagt werden muss, bedeutet das für uns finanzielle Einbußen. Daher ist der Aufwand nicht mehr verhältnismäßig und unwirtschaftlich.

Warum lohnt sich ein Besuch trotzdem?

Gerade weil es kein großes Programm gibt, lohnt sich der Besuch. Es geht um die Besinnung und den persönlichen Austausch mit Menschen, die ebenfalls einen lieben Menschen verloren haben. Der ganze Rahmen vermittelt ein Gefühl der Zugehörigkeit, Wärme und der Gemeinschaft. Die Besucher spüren: Ich bin mit meiner Trauer nicht alleine. Und natürlich ist der Lichtersee etwas ganz Besonderes: Wenn die vielen Lichter auf dem Wasser leuchten, ist das ein wunderschöner und bewegender Anblick.

Wie wichtig ist das Lichterfest für das Hospiz finanziell?

Für uns steht an diesem Tag nicht das Monetäre im Vordergrund. Viel wichtiger ist, dass wir mit dem Lichterfest auf das Thema Hospiz aufmerksam machen und es stärker in der Öffentlichkeit wahrnehmbar machen. Es ist ein Tag der Kultur, der Begegnung und der Gemeinschaft. Das Lichterfest bringt Menschen zusammen und schafft einen Raum, in dem über Leben, Abschied, Trauer und Erinnerung gesprochen werden kann.

An wen denken Sie, wenn Sie Ihre Lichterblüte zu Wasser lassen?

Ich denke an alle Menschen, die ich während meiner Arbeit im Hospiz begleiten durfte. An besondere Begegnungen und Erlebnisse, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Ich denke auch an den kleinen Francesco, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Und natürlich denke ich an meinen Bruder. Für mich ist jede Lichterblüte auch eine ganz persönliche Erinnerung an Menschen, die gegangen sind, aber in unseren Herzen weiterleben.

Das Hospiz Via Luce feiert sein Lichterfest

Am 27. September wird das jährliche Lichterfest des Hospiz Via Luce auf der Möglingshöhe in Schwenningen gefeiert, mit dem die Besucher auch die Hospizarbeit unterstützen können. Es konzentriert sich in diesem Jahr auf eine stille Andacht zum Gedenken. Doch nicht nur Hospiz-Betroffene, auch alle anderen sind willkommen. Einen Festbetrieb am Nachmittag gibt es dieses Mal nicht. Ein stimmungsvoller Akzent verspricht das Event aber dennoch zu werden. Zentrum der Veranstaltung steht die Andacht um 19 Uhr im Kirchenpavillon, welche in einem ergreifenden, zeremoniellen Rahmen stattfindet. Oberbürgermeister Jürgen Roth eröffnet den Abend, die Andacht gestalten Pastoralreferent Uli Viereck und das Team des Hospizes Via Luce. Im Anschluss werden Lichterblüten, die im Vorfeld erworben werden können, gemeinsam an den Möglingssee getragen und zu Wasser gelassen – in Erinnerung an Verstorbene. So soll das Lichterfest Raum geben, um Erinnerungen zu teilen und Hoffnung zu finden. Es wird ein kollektives Zeichen der Zuversicht und Verbundenheit geschaffen. Das Lichterfest macht die zentralen Werte des Lebens, welche im Hospiz gelebt werden, auf unverwechselbare Weise sicht- und spürbar: Licht, das verbindet – Trost, der bleibt. Es sind alle willkommen (nicht nur Hospiz-Betroffene). Die handgefertigten Lichterblüten können vor Ort erworben werden und kosten jeweils fünf Euro. Der Erlös kommt der Hospizarbeit zugute.