Geschichtswoche in Schwenningen
: David Würths Weg vom Lehrer zum Bürgermeister

David Würth war maßgeblich an der Entwicklung Schwenningens vom Dorf zur Arbeiter- und Industriestadt beteiligt. Über sein Leben referierte Annemarie Conradt-Mach.
Von
Jochen Schwillo
Oberndorf
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Über das Leben und Wirken des Dorfschulmeisters und Schultheißen David Würth referierte Annemarie Conradt-Mach (vorne) während der Schwenninger Geschichtswoche.

Jochen Schwillo

25 Jahre lang, von 1887 bis 1912, wirkte David Würth als Schultheiß in Schwenningen. Eigentlich hätte der einstige Dorfschulmeister bis zu seinem Lebensende Bürgermeister sein dürfen, doch er fühlte sich nach einem Vierteljahrhundert ausgebrannt, so dass er sein Amt zur Verfügung stellte.

1929 ist David Würth im Alter von 79 Jahren verstorben. Sein Grab ist auf dem Alten Friedhof in der Nähe des Veteranenfriedhofes zu finden. Eine Straße und die kaufmännische Berufsschule tragen bis heute seinen Namen.

Im Enzkreis, in Illingen bei Maulbronn, 1850 geboren und nach einigen Jahren als Mechanikerlehrling in Pforzheim tätig, kam David Würth 1874 schließlich als Unterlehrer nach Schwenningen, 1879 wurde er Schulmeister. „In den Klassen wurden bis zu 90 Schüler unterrichtet“, stellte Annemarie Conradt-Mach in ihrem Vortrag über den späteren Stadtschultheißen fest.

„David Würth war ein schwerbeschäftigter Mann“, so die Vorsitzende des Schwenninger Heimatvereins. Er war Dirigent des Gesang- und Musikvereins, Gründer des evangelischen Kirchenchors, Hauptmann bei der Feuerwehr, aktiver Radfahrer und Turner im Radfahrverein und der Turngemeinde und Bibliothekar des Gewerbevereins. Außerdem arbeitete Würth im Veteranenverein mit und hatte die Leitung des Quartetts im Militärverein. „Im Nebenamt war er Turn- und Schönschreiblehrer und gab Kurse für Erwachsene im Rechnen und Dezimalsystem“, berichtete Annemarie Conradt-Mach.

Bürgerrecht gekauft

Außerdem nahm er Rücksicht auf die Traditionen der Schwenninger, was ihn dazu prädestinierte, Schultheiß zu werden. Da Würth jedoch kein gebürtiger Schwenninger war, den man wählen durfte, kaufte er sich das Bürgerrecht, und einer Kandidatur stand nichts im Wege. Einen Fürsprecher fand er unter anderem im Fabrikanten Friedrich Mauthe.

In seiner Wahlrede am 6. Februar 1887 machte David Würth deutlich, dass er dem Grundsatz „Gleiches Recht für alle“ folgen würde, dass er Bürger von Schwenningen sei und der Kandidat unterschiedlicher politischer Richtungen. Er war ein Verfechter der patriarchalischen Führung in der Familie. Er setzte sich für die Gleichheit der Religionen und der Parteien ein und er untermauerte seine Liebe zum Vaterland.

Unterstützung der Armen

Der Ausbau des Schulwesens und der beruflichen Weiterbildung war ihm ein Anliegen. Er sagte eine Unterstützung der Armen zu, sprach sich gegen gewerbsmäßiges Betteln aus und versprach eine Unterstützung des Handwerkerstandes. Auf der anderen Seite forderte er von der Gemeinde jedoch sparsames Haushalten. Bemerkenswert war, dass von den rund 6000 Einwohnern Schwenningens lediglich 985 Bürger wahlberechtigt waren. Hiervon gingen am 8. Februar 1887 schließlich 838 Leute an die Wahlurnen, und 450 Stimmen votierten für David Würth zum neuen Schultheißen.

Als er sein Amt antrat, galt noch Bismarks Sozialistengesetz, das den organisierten Arbeitern politische oder gewerkschaftliche Aktivitäten nahezu unmöglich machte. Die Ortspolizei überwachte die „gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, die Würth eher fragwürdig erschien. Er nutzte seine Unabhängigkeit, die Arbeiter möglichst wenig durch Einsätze der Polizei zu beunruhigen.

Zahlreiche Bauprojekte verwirklicht

Bis zu seinem Dienstende im Mai 1912 nahm die Bevölkerungszahl in Schwenningen auf rund 16 000 Einwohner zu. In seiner Amtszeit wurden die katholische St. Franziskuskirche, die evangelische Pauluskirche und die Friedenskirche gebaut und die Schulen erweitert. Hierzu gehörten 1890 die Eröffnung einer einklassigen Mädchenschule, 1893 die freiwillige katholische Konfessionsschule, 1894 der Ausbau der Realschule und 1895 die Eröffnung einer allgemeinen Fortbildungsschule für Jungen. Weiterhin wurden 1896 die Karlschule, 1900 die Fachschule für Feinmechanik, Uhrmacherei und Elektromechanik und 1902 das Realschulgebäude eingeweiht. Das neue Mädchenschulgebäude in der Metzgergasse wurde 1905 seiner Bestimmung übergeben und 1909 die Gartenschule eingeweiht.

Zu öffentlichen Bauprojekten zählten auch 1898 die Erstellung einer Ortswasserleitung, 1899 das Lehrerwohnhaus, der Bau des Elektrizitätswerkes und die Erweiterung des Pumpwerkes im Jahre 1902 oder der Bau des Krankenhauses 1907. Eine vordringliche Aufgabe von Würth und dem Gemeinderat war der Ausbau des Ortsstraßennetzes und die Herstellung von Gehwegen. Groß wurde auch die Stadterhebung Schwenningens im Jahr 1907 gefeiert, wobei die Gemeinde ihrem neuen Stadtschultheißen gebührend ehrte.

Gedichte geschrieben

Würth, der in der Alleenstraße 7 ein Haus baute und dort mit der Familie lebte, war nicht nur Lehrer, Politiker und ein Mann der Schwenninger Vereine. Er sah sich durchaus als Poet und Dichter, der festliche Anlässe und Gelegenheiten stets mit seinen Reimen verschönerte

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