Feier in Schwenningen
: Zuhause für Menschen mit Handicap

Der Lebenshilfe-Ortsverein Villingen-Schwenningen wird 60 Jahre alt und feiert seine Erfolgsgeschichte.
Von
Uwe Klausner
Villingen-Schwenningen
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Heute lenkt das Vorstandsteam die Geschicke der Lebenshilfe VS: (hinten, von links) Martin ten Bosch, Matthias Trautmann und Jochen Ammann, (vorne, von links) Hans-Joachim Gebauer, Ulrich Schlichthaerle und Karl Roser.

Heute lenkt das Vorstandsteam die Geschicke der Lebenshilfe VS: (hinten, von links) Martin ten Bosch, Matthias Trautmann und Jochen Ammann, (vorne, von links) Hans-Joachim Gebauer, Ulrich Schlichthaerle und Karl Roser.

Sabine Streck
  • Lebenshilfe Villingen-Schwenningen feiert 60 Jahre mit Fest in Schwenningen ab 11 Uhr.
  • Ort: Rietenstraße, Gelände der Behinderten-Werkstätten – mit Besichtigung und Musik.
  • Geehrt wird Gründerin Liselotte Gebauer, die 1964 die Initiative startete.
  • Meilensteine: Sonderschule, Werkstätten, Wohnheim, Förder- und Betreuungsgruppe, Reha-Werkstatt.
  • CAP-Märkte in Bad Dürrheim und Villingen schaffen inklusive Arbeitsplätze neben den Werkstätten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit 60 Jahren haben Menschen mit Beeinträchtigung eine Heimat und eine Möglichkeit bei der Lebenshilfe Villingen-Schwenningen gefunden, sich nach ihren Fähigkeiten zu entwickeln und Teil der Gesellschaft sein zu können.

Am Samstag, 27. Juni, ab 11 Uhr, feiert der Ortsverein in der Rietenstraße in Schwenningen auf dem Gelände der Behinderten-Werkstätten ein großes Jubelfest.

Besichtigung der Räumlichkeiten ist ebenso geboten wie musikalische Unterhaltung durch die Stadtmusikanten der Schwenninger Stadtmusik, die den Festakt umrahmen und anschließend zur Unterhaltung spielen.

Besondere Ehrung

Einer der Höhepunkte des Festes ist die Ehrung der Ortsvereinsgründerin, Liselotte Gebauer, in einer ganz besonderen Form.

Liselotte Gebauer hat sich stets mit ganzer Kraft für die Lebenshilfe eingesetzt. Kaum ein Tag verging, an dem sie nicht am Schreibtisch saß – hier bereits mit 95 Jahren.

Liselotte Gebauer hat sich stets mit ganzer Kraft für die Lebenshilfe eingesetzt. Kaum ein Tag verging, an dem sie nicht am Schreibtisch saß – hier bereits mit 95 Jahren.

Sabine Streck

1964 wurde er auf ihre Initiative hin gegründet, zwei Jahre später ging die Arbeit mit der Einrichtung einer Sonderschule für sogenannte Bildungsschwache im ehemaligen Hammerstatt-Kindergarten los. Dies war die erste Einrichtung für Jungen und Mädchen mit geistiger Beeinträchtigung in der Region – ein wichtiger Meilenstein für eine bessere Integration in einer Zeit, in der die Hilfe und Anerkennung von Menschen mit Handicaps noch am Anfang war.

Pionierarbeit geleistet

Liselotte Gebauer leistete damals Pionierarbeit. Eines der Hauptziele der Lebenshilfe Villingen-Schwenningen war von Beginn an, die Lebensbedingungen für Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen in der Region entscheidend zu verbessern. Der gemeinnützige Verein ist bis heute eine politisch und konfessionell unabhängige Selbsthilfevereinigung für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und ihre Familien.

Nach Jahrzehnten systematischer Arbeit ist die Lebenshilfe alleiniger Gesellschafter dreier gemeinnütziger GmbHs: der Werkstätten gGmbH in der Schwenninger Rietenstraße mit den CAP-Märkten, der Lebenshilfe-Reha-Werkstatt gGmbH und der Lebenshilfe-Heimstätten gGmbH, der die Förder- und Betreuungsgruppe angegliedert ist.

1977 markiert Liselotte Gebauer mit dem symbolischen Akt des ersten Spatenstichs den offiziellen Baubeginn der Werkstätten in der Rietenstraße. Alfred Mayer, Vorsitzender des Ortsvereins der Lebenshilfe Schwenningen (links), und Gerhard Gebauer haben ein Auge darauf.

1977 markiert Liselotte Gebauer mit dem symbolischen Akt des ersten Spatenstichs den offiziellen Baubeginn der Werkstätten in der Rietenstraße. Alfred Mayer, Vorsitzender des Ortsvereins der Lebenshilfe Schwenningen (links), und Gerhard Gebauer haben ein Auge darauf.

Stadtarchiv

1973 kaufte die Lebenshilfe das Grundstück in der Rietenstraße 30 samt dem ehemaligen Büdo-Werk, wo die Werkstätten für Menschen mit Handicaps entstehen sollte und wo jetzt groß gefeiert wird. 1975 wurde dort die neue Lebenshilfe-Werkstatt mit 80 Plätzen eingeweiht. Die Beschäftigten konnten nach einer Gesetzesreform auf Bundesebene erstmals vollständig in das soziale Sicherungssystem eingebunden werden.

Neues Wohnheim

Die damals noch als „beschützende“ Werkstatt bezeichnete Einrichtung hatte mittlerweile eine solche Größe erreicht, dass sie 1978 in die „Behinderten-Werkstätten Villingen-Schwenningen gGmbH“ ausgegliedert wurde. Nach dem Start der Werkstätten in der Rietenstraße stellte sich bald die Frage nach einer Unterbringung der Beschäftigten, die weder bei der eigenen Familie noch bei Angehörigen wohnen konnten. Der Ortsverein hatte 1984 die Antwort mit dem neuen Wohnheim in der Schluchseestraße.

Nachdem die Arbeits- und Wohnangebote der Lebenshilfe den Bedarf vieler Betroffener im Schwarzwald-Baar-Kreis decken konnten, rückten neue Personengruppen in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte. Noch immer gab es keine ausreichenden Angebote für Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen. 1992 bezog eine erste Förder- und Betreuungsgruppe angemietete Räume in Pavillons der Volkshochschule in der Salinenstraße. Damit erhielten in Villingen-Schwenningen Menschen, die aufgrund schwerer Beeinträchtigungen als „nicht werkstattfähig“ galten, erstmals eine Tagesstruktur, die ihren Bedürfnissen entsprach. Den betroffenen Familien brachte das enorme Entlastung.

Die Lebenshilfe lädt anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens zu einem großen Fest ein.

Die Lebenshilfe lädt anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens zu einem großen Fest in Schwenningen ein.

Sabine Streck

1995 konnte die Förder- und Betreuungsgruppe ihr neues Lebenshilfe-Domizil neben dem Wohnheim in der Schluchseestraße beziehen. Damit war die Lebenshilfe von Anfang an dabei, als es darum ging, neue Formen der Betreuung zu ermöglichen. 2005 wurde die Förder- und Betreuungsgruppe um drei Gruppenräume erweitert. Seitdem können dort 30 Menschen betreut werden.

Ebenfalls 1992 begann die Lebenshilfe, sich um psychisch Beeinträchtigte zu kümmern. Sie eröffnete in der Bürkstraße, in der ehemaligen Württembergischen Uhrenfabrik, eine Reha-Werkstatt mit 25 Plätzen.

Eigene Werkstatt

Liselotte Gebauer wusste, dass gerade bei diesen Menschen, deren Zahl stetig wächst, viel Fingerspitzengefühl erforderlich ist. Da der Mietvertrag nur befristet galt, begann die Lebenshilfe, eine eigene Werkstatt für psychisch kranke Menschen im Steinkirchring 60 zu errichten. Im Jahr 2000 konnte die neue Werkstatt mit 52 Plätzen den Betrieb aufnehmen. Während dieser Zeit erweiterte die Lebenshilfe auch ihr Engagement im Seniorenbereich und will ihn künftig noch mehr ausbauen.

Die CAP-Märkte

Nachdem 1999 in Sindelfingen bei der Genossenschaft der Werkstätten (GdW) die Idee der CAP-Märkte entwickelt worden war, griff die Lebenshilfe Villingen-Schwenningen die inklusive Idee zeitnah auf. Lebensmittel-Nahversorgung zu gewährleisten und Menschen mit Beeinträchtigungen einen attraktiven Arbeitsplatz anzubieten, wurde zum Erfolgsrezept. Seit 2004 arbeiten im CAP-Markt Bad Dürrheim Menschen mit und ohne Handicap tagtäglich zusammen.

Am Nikolaustag 2013 eröffnete in der Villinger Innenstadt ein weiterer CAP-Markt. Mit den beiden CAP-Märkten hat die Lebenshilfe zusätzlich Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich geschaffen. Das ergänzt das Produktionsangebot der Werkstätten, die mit rund 50 Unternehmen in der Region zusammenarbeiten.

Die Weitsicht und das Engagement der Menschen, die die Lebenshilfe in Villingen-Schwenningen groß gemacht haben, sowie die vielen strahlenden Gesichter der Menschen mit Behinderung, die hier Heimat und Wertschätzung erfahren, sind Anlass und Freude, diesen Jahrestag zu feiern.

Das Schwarzwälder BAARometer
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