Fasnet in Villingen
: Sexy Kampfsportler bereichern Ball

Wer schnörkellose Villinger Fasnet gesucht hat, war beim Rietball richtig. Bereits eine Stunde vor Programmbeginn war der „Schuppen“ Münsterzentrum voll.
Von
Willi Zimmermann
Oberndorf
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Die Rietkrähenfüße (Männerballett) kam als Kampfsportler auf die Bühne des Villinger Münsterzentrums.

Willi Zimmermann

Der Einmarsch der „Granden“ unter den Klängen der Riet-Damenkapelle sozusagen ein Warmup, mit der folgenden launigen Begrüßungsentree als quasi eigenem Programmteil.

Und gleich war Schluss mit wokem Lustigsein wie Küßle geben oder Orden verleihen. „Ich ka au ohne Zettel schwätze“, strählte Theo Frei als Kinder-Riet-Bürgermeister über die gesehene Show der Alten, und führte anschließend zusammen mit „Opa“ Peter Kerber humorig launig durch den Abend.

Der Nachwuchs führte in das den Abend füllende Programm ein, mit dem Kinderballett brauste erstmals tosender Beifall auf. Überhaupt, die Tanzgruppen brachten sich choreographisch, sportlich und optisch optimal ins Geschehen ein. Dazu gehörten auch das Damen-Ballett und am Schluss die Rietkrähenfüße, die zu den Klängen von We are the Champions als Kampfsportler Eindruck hinterließen.

Offene Fahndung

Und nicht zu vergessen die schwarzlichtig anmutig puppenspiel-tanzenden wilden Flamingos der Rietwieber. Das Hochlöbliche Narrengericht (Phillip Paulus, Julien Ummenhofer, Benedikt Wabnig) ließ per Akklamation aus dem Saale über schuldig oder nicht abstimmen. Natürlich schuldig, in der Regel, aber auch zaghafte Freispruchforderungen.

Das Kinderballett erhielt beim Rietball viel Beifall.

Foto: Willi Zimmermann

So wurde beispielsweise ein ehemaliger Rietrechner wegen dreifacher Hinterziehung der Mitgliederbeiträge (vergessen von Kontoänderungen) verurteilt: Der Einfachheit halber nach dem Dienstagsumzug einen ausgeben. Abschließend noch eine offene Fahndung: Wer hat den Wahltag auf den 23. Februar gelegt. Jeder wisse doch, dass man in Villingen seinen Rausch vom Riet- und Hexenball ausschlafen muss, bevor man den Vorstand vom größten Narrenverein Deutschlands wählt.

Schulpädagogisch wertvoll wurden in flagranti erwischte Ball-Zuspätkommer (Generalfeldmarschall Dominik Schaaf und Zunftmeister Anselm Säger) vom co-moderierenden Kinder-Rietbürgermeister zurechtgestutzt: 20 mal schreiben: Ich darf nicht zu spät kommen. Und „nicht vom Brüderle helfen lassen“.

Die Rietpolitessen (Heinz Zimmermann, Raphael Rabe) hatten nicht nur mit Park- und Halteverbotsverstößen zu tun, sie spürten sogar das als gestohlen gemeldete gelbe Wohnmobil von Alt-Rietbürgermeister Frank Ummenhofer in Schwenningen wieder auf. Und beim Ampel-Chaos in der Bertholdstraße könne man wohl nicht von „intelligenter Steuerung“ sprechen. Grüne Welle gibt es nur, wenn die Hexenzunft kommt.

Musikalische Strählrunden von den Schrägen Vögeln (Stefan Kleyling, Barbara Stern, Michael Stolz), und um dem Publikum das Mitsingen des Refrains zu erleichtern, wurden lebende Textträger rekrutiert, natürlich mit Frauenquote (Alte Jungfere).

Der Weihnachtsmarkt in Villingen hatte es besonders angetan: Essen und trinken bis du nimmi kasch (zu Waterloo/ABBA). Aber es gab auch noch andere handgemachte Musik, sonst wäre der Rietball nicht, was er ist.

Da waren noch die Riet-Damenkapelle, die Zeughouse Disco Crew (Stadtmusiker), da hielt es niemand mehr auf den Sitzen sowie Alleinunterhalter Helmut Doser vor- und nach dem Programm.

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