Fahrschule Schneider in Schwenningen
: So wandelt sich die Fahrschulausbildung

Wird man bald am Simulator den Führerschein machen können? Ja und nein – so lautet die Antwort der Fahrschulfamilie Schneider. Die Schwenninger berichten, wo es in der Branche hakt und was sie ihren Beruf trotzdem lieben lässt.
Von
Daniela Schneider
Oberndorf
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Autofahren lernen mit dem Simulator: Birgit, Gunter und Reiner Schneider von der gleichnamigen Fahrschule finden das neu angeschaffte Gerät super zum Üben. Sie stellen sich so gut es geht auf die Veränderungen in der Branche ein.

Daniela Schneider

Nichts ist bekanntlich so beständig wie der Wandel. Eine Branche, für die das ganz besonders gilt, ist die der Fahrschulen. Eine von ihnen ist die Fahrschule Schneider in Schwenningen, die es hier seit über 50 Jahren gibt.

Seit den Anfängen in den frühen 1970ern hat sich natürlich viel verändert und auch aktuell ist wieder vieles im Umschwung. Zu Beginn dieses Monats ist der kleine Familienbetrieb umgezogen: vom angestammten Standort an der Villinger Straße hinüber ins Rietenzentrum in die dortigen Räumlichkeiten der ehemaligen Volksbank-Filiale.

„Unsere bisherigen Räumlichkeiten wurden einfach zu klein“, berichtet Birgit Schneider, die in dem Familienbetrieb für das Organisatorische zuständig ist. Einer der Gründe für den Umzug steht jetzt im Eingangsbereich der neuen Räume an der Rietenstraße: ein Fahrsimulator, an dem die Schülerinnen und Schüler üben können, und der ordentlich Platz braucht.

Große Reform steht bevor

„Das Gerät ist super“, sagt Birgit Schneiders Mann Gunter, der seit 40 Jahren Fahrlehrer ist und die Schule gemeinsam mit seinem Bruder Reiner einst von den Eltern übernommen hat, „zum Üben ist es perfekt.

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Die Fahrschüler können stressfrei die ersten Stunden machen und der Simulator passt sich an die individuellen Fähigkeiten direkt an.“ Aktuell werden die Übungsstunden am Simulator zwar nicht als Fahrstunden anerkannt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich ist im Fahrschulwesen vieles im Wandel. Eine umfassende Reform der Fahrausbildung in Deutschland steht nämlich bevor.

Das Bundesministerium für Verkehr plant tiefgreifende Änderungen. Das dürfte dann auch beinhalten, dass Stunden am Simulator zum Beispiel für die Anerkennung der „Schaltkompetenz“ dann doch mit in die Ausbildung einfließen können. Dafür rüstet sich die Fahrschule also schon jetzt. Käme es so weit, wäre dies ein Baustein, um den Führerscheinerwerb günstiger zu machen. Schließlich kosten die Simulatorstunden weniger als die Hälfte der regulären Stunden.Für Reiner Schneider, der auch schon seit über 30 Jahren den Beruf als Fahrlehrer ausübt, ist das Üben an dem Apparat auch deswegen jetzt schon wichtig, weil viele Schülerinnen und Schüler behutsam an den Straßenverkehr herangeführt werden müssen.

Simulatorstunden sind günstiger

Die Zeiten wandeln sich: In den 1970er-Jahren war die Fahrschule Schneider auch schon unterwegs – damals noch ganz ohne Simulator.

Foto: Fahrschule

Viele sind überfordert mit der Wahrnehmung des ganzen Verkehrs“, weiß er aus eigenem Erleben. Der Simulator überprüft, ob die richtige Blicktechnik angewandt wird, wie das Lenkrad geführt wird und wie das Verhalten im Kreisverkehr gemeistert wird – und das alles, ohne dass andere Verkehrsteilnehmer im realen Leben von hinten auf die Hupe drücken. Zudem ist etwa auch das Eintrainieren von Überholsituationen hier viel gefahrloser möglich als im realen Straßenverkehr.

Immer mehr Verkehr

Der wird immer unübersichtlicher, es herrscht mehr Verkehr, es gibt breitere Fahrzeuge als früher, und es nehmen immer mehr Leute am Verkehr teil, die mit den Regeln der deutschen Ordnung nicht immer ganz vertraut sind. „Unsere Generation hatte ja noch das Glück, dass wir mit dem Verkehr quasi mitwachsen konnten, heute ist das anders“, nennt der Fachmann einen der Gründe dafür, dass der Erwerb des Führerscheins heute alles andere als ein günstiges Vergnügen ist.

Erklärtes Ziel der Reformen unter dem Titel „Optimierte Fahrschulausbildung“ ist es, die Fahrausbildung in Deutschland grundlegend zu modernisieren und den Zugang zu Führerscheinen flexibler und praxisorientierter zu gestalten.

Zweifel, ob es dadurch günstiger und schneller geht

Ob es soweit kommt, daran haben die Praktiker aber noch so ihre Zweifel – sie gehen jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt eher von einem Mehr an Bürokratie und Anforderungen aus. Ihre Befürchtung: Dadurch könnte die Ausbildung noch weiter aufgebläht werden, als sie es ohnehin schon ist.

Für die Fahrlehrer der Familie Schneider ist klar: Reformen, die etwas verschlanken und verbessern, sind auch ihnen willkommen und eine optimierte Pädagogik begrüßen auch sie. Alles, was die Sache aber noch weiter verzögert, ist kontraproduktiv und günstiger dürfte es dadurch auch nicht werden. „Wie sind ein bisschen der Puffer zwischen Kunden, TÜV und Gesetzgeber – und das ist nicht ganz leicht umzusetzen“, fassen sie ihre Situation zusammen.

Viel Kundennähe

Und dennoch steht für sie außer Frage: Für sie ist ihr Beruf quasi alternativlos. „Wir arbeiten gerne“, versichern sie unisono und freuen sich über ihren vielseitigen Beruf, in dem sie auch schonmal als Tröster, Unterstützer oder Zuhörer gefordert sind.

Es ist die Kundennähe, die ihnen gefällt. Es täglich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun zu haben, empfinden sie als Bereicherung. Die Erfolgserlebnisse, wenn diese ihren Führerschein in Händen halten, machen sie einfach nur froh.

Und wenn Eltern, die selbst hier schon ihre Fahrausbildung gemacht haben, die Schule ihren Kindern empfehlen, „dann hat man etwas richtig gemacht“, sagt Reiner Schneider lächelnd.

Die Fahrschule Schneider

Gegründet wurde die Fahrschule
zu Beginn der 1970er-Jahre von Albrecht und Annemarie Schneider. „Sie haben es mit Leidenschaft aufgebaut“, sagen ihre Söhne Gunter und Reiner, die die Fahrschule später übernommen haben. Bis vor Kurzem war deren Standort an der Villinger Straße 75. Jetzt ist man in das Rietenzentrum umgezogen. Mittlerweile ist auch schon die nächste Generation am Steuer: Reiner Schneiders Sohn Jan hat ebenfalls den Beruf des Fahrlehrers ergriffen und ist seit vier Jahren mit im Team. Zu dem gehören außerdem auch noch die Ehefrauen der Chefs, Birgit und Lena, die das Organisatorische stemmen, und ein weiterer Fahrlehrer.