Europa-Power für den Kreis: Beim Neujahrsempfang der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg schlägt Europas Herz

Sie freuen sich über einen gelungen Jahresauftakt: (von links) IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez, IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos und der Gastredner des Abends Jean Asselborn mit seinem kleinen Präsent in Händen, das beim IHK-Empfang für den einen oder anderen Schmunzler sorgte.
Marc EichIHK-Präsidentin Birgit Hakenjos stellte fest: „Hier, wo Donau und Neckar entspringen, sprudelt nicht nur Wasser“, sondern auch die Wirtschaft. Äußerliches Zeichen dafür ist „ihre“ IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, die am Donnerstagabend beim späten Jahresauftakt 2026 ein volles Haus begrüßen durfte.
Im Fokus stand dieses Mal Europa – welche Herausforderungen sich für die heimische Wirtschaft, allen voran die vielen Mittelständler, stellen, das umriss die IHK-Präsidentin in ihren einleitenden Worten und vermeldete Erfolge aus Gesprächen in Brüssel: das Verbrenner-Aus – verschoben, die Anliegen der Medizinindustrie zur Änderung der europäischen Medical Device Regulation, kurz: MDR – gehört... Wie wichtig Europa auch für die Unternehmen der Region ist, liege auf der Hand: Jeden zweiten Euro verdienten „unsere Unternehmen“ außerhalb der deutschen Grenzen, betonte sie und auch: Deutschland brauche Verbündete, nötig sei „mehr Europa“. Die neuerlichen Vorstöße hätten gezeigt: „Wir müssen miteinander reden, dann bekommen wir auch das Klein-Klein der Vorgaben in den Griff.“
Flammende Europa-Rede
In und über Europa geredet, das hat an diesem Abend im Haus der Wirtschaft in Villingen-Schwenningen auch ein besonderer Gast: Jean Asselborn. Fast zwei Jahrzehnte war er luxemburgischer Außenminister, entsprechend tief ist sein Fußabdruck in Europa und groß seine flammende Liebe dazu.
„Freihandel unter Druck – wohin verkaufen wir morgen“ lautete zwar der Titel seines Vortrags, dass er dieses Thema – eigentlich – verfehlte, machte er mit der wohl charmantesten Entschuldigung wieder wett: „Wenn ich wüsste, wohin die Wirtschaft geht, bekäme ich den Nobelpreis – aber ich heiße ja nicht Trump.“

Unterhielt bestens musikalisch: die Trossino Combo.
Foto: Marc EichApropos Trump – schon ist man mittendrin im Thema seines Vortrags, denn dass Europas, in den Augen Asselborns viel zu kleines Selbstbewusstsein auch mit Fragen über das Auftreten des amerikanischen Präsidenten zu diskutieren ist, scheint für den dienstältesten Außenminister außer Frage zu stehen.
Und so ging es in seiner leidenschaftlichen Europa-Rede weniger um Geld – „wir verstehen auch überhaupt nichts von Finanzen in Luxemburg, es ist so, dass das Geld, das in Luxemburg ist – leider – nicht unseres ist“ –, als vielmehr um europäische Politik.
Keine Kriege und Wohlstand
Und dass Europa, EU-Mitglied hin oder her, so gar nicht der Haltung des ungarischen Präsidenten Viktor Orbán entspreche, müsse eigentlich allen klar sein – Trump aber sehe das offenbar anders.
Um Europa deutlich zu machen, gab Asselborn seinem sehr interessierten Publikum eine kleine Lehrstunde über die deutsch-französische Geschichte, die Weltkriege „und ihr Gemetzel“ und der Quintessenz: „Diese Europäische Union wollte keine Kriege mehr und Wohlstand.“ Nun müsse man in der EU – natürlich – jedem eine Stimme geben, gleichzeitig aber „sehr gut aufpassen bei jenen, die die Demokratie in Frage stellen“. Beifall. Kopfnicken. Asselborns Europaliebe versprühte nicht nur Funken im Haus der Wirtschaft, sie zündete durch. Messerscharf und doch voller Herzblut warb er für die europäische Idee, ergriff er Partei für die Ukraine, deren Lage eine andere wäre, „würden Europa und Trump zusammenarbeiten“, dann nämlich, so Asselborn, „würde Putin an den Tisch kommen“.
Werben um Selbstvertrauen
Und dann gab es doch noch einen kleinen Wirtschaftexkurs. Für den erfahrenen Außenpolitiker dabei sonnenklar: „Wir müssen in der EU mehr Selbstvertrauen haben“, schließlich seien wir Europäer der größte Handelspartner der Amerikaner und breche ohne Europa der Handel in Amerika zusammen.

Auch reichlich Gelegenheit zum Austausch und Netzwerken bot der Neujahrsempfang der IHK 2026 im Haus der Wirtschaft.
Foto: Marc Eich„Wir haben keine seltenen Erden wie China“, aber auch Europa habe Instrumente in der Hand, die eingesetzt werden müssten. Europa hochhalten, den zivilisierten Umgang untereinander pflegen, und – offenbar – durchhalten ist in seinen Augen angesagt. „Wenn die Amerikaner einmal diesen 47. Präsidenten hinter sich haben, sind sie froh, dass es Länder gibt, die zur Demokratie und zum Rechtsstaat stehen.“
Denkanstoß und Häppchen
Viele europäische Denkanstöße also konnten die Gäste des Neujahrsempfangs an diesem Abend – neben Häppchen, bester musikalischer Unterhaltung durch die Trossino Combo, einem guten Austausch und reichlich Gelegenheit zum Netzwerken – mitnehmen.
Für Jean Asselborn gab es im Gegenzug reichlich Beifall und von IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos und IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez auch eine kleine Kuckucksuhr, laut Moderator Rolf Benzmann mutmaßlich allerdings ohne Kuckuck. Vielleicht war ja auch das ein kleiner Fingerzeig in Richtung Selbstbewusstsein für die hiesige Region, denn Schwarzwald kann doch – eigentlich – Kuckucksuhren.
