Ernte, Preise und Politik
: Das beschäftigt die Landwirte in Brigachtal

Zwei Jahre nach den Bauernprotesten ziehen Landwirte aus Brigachtal Bilanz: Was haben die Aktionen gebracht – und welche Herausforderungen müssen sie tagtäglich meistern?
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
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Die Landwirte zeigen auf, mit welchen Herausforderungen sie sich gerade konfrontiert sehen. (Symbolfoto)

© Martin Schutt/dpa

Im Winter 2023 gingen die Landwirte auf die Barrikaden. Traktoren fuhren bis nach Berlin. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis sagten die Landwirte „Genug ist genug“ und warfen ihre Traktoren an. Die Landwirte zeigten sich damals mit der Politik und vor allem mit den neuesten Einschränkungen, die ihnen die EU auferlegen wollte, nicht einverstanden und demonstrierten.

Das Vorstandsteam des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) Ortsverein Brigachtal mit Stefan Mink, Franz Neininger, Daniel Rist und Thomas Hettich, traf sich zum Gespräch mit unserer Redaktion im Café im Dorf in Brigachtal. Wie ist inzwischen die Stimmung bei den Landwirten? Welche Herausforderungen gibt es derzeit?

Franz Neininger, er betreibt seine Landwirtschaft mit reinem Anbau von Weizen, Gerste, Raps und unter anderem Mais im Nebenerwerb, erklärt, dass ein großer Faktor immer das Wetter sei. Der letzte Herbst sei nass gewesen, man sei spät mit der Aussaat gewesen, trotzdem habe man Glück gehabt, dass der Regen in diesem Jahr das Getreide nicht schädigte. „Wir haben viel steinigen Boden, da läuft das Wasser durch“, erläutert er.

Die Preise seien zur Zeit schlechter als im vergangenen Jahr, fährt er fort. Als der Krieg in der Ukraine begann, seien die Preise sehr hoch gewesen, diese seien wieder zurückgegangen, auch dem geschuldet, dass wieder Getreide aus der Ukraine und Russland geliefert werde. Das sei alles politisch gesteuert, meint er, und die anderen drei Landwirte nicken zustimmend.

Melkroboter nimmt viel Arbeit ab

Daniel Rist und sein Vater Markus Rist haben im Stall 70 Kühe und Kälber stehen. Dazu bauen sie noch Gerste, Kartoffeln und Weizen an, sowie Mais für das Futter. Ein Melkroboter nehme ihnen viel Arbeit ab, habe aber auch seinen Preis, betont er. Der Milchpreis sei zur Zeit in Ordnung, fährt er fort. Er und sein Vater sind Vollerwerbslandwirte.

Im Gespräch mit den Landwirten: Franz Neininger (von links), Daniel Rist, Thomas Hettich und Stefan Mink.

Foto: Hella Schimkat

Thomas Hettich, ebenfalls Vollerwerbslandwirt, hat Milchvieh im Stall und baut unter anderem Mais für das Futter an. Auch er klagt nicht über den momentanen Milchpreis, empfindet die Nebenkosten wie Strom als sehr hoch.

Immer mehr Metzgereien schließen

Stefan Mink hält Schweine und zwölf Mutterschafe, er ist Vollerwerbslandwirt. Mit dem Preis für Schweinefleisch ist er noch zufrieden. Mit dem „noch“ meint er, dass er sein Fleisch aktuell an regionale Metzger, die auch eine Metzgerei betreiben, verkaufen kann. Mit Besorgnis sieht er jedoch, dass immer mehr Metzgereien schließen.

Auf die Wirkung der Demos angesprochen, erklären die vier Landwirte: „Wir Bauern haben kurzfristig mehr Aufmerksamkeit erhalten.“ Wenigstens sei die von der EU geplante Streichung der Steuerentlastung für den Agrardiesel zurückgenommen worden. „Die Demos haben auch bei der Politik ein Aufwachen bewirkt und gezeigt, dass man nicht alles mit uns machen kann“, sind sie sich einig. Eine große Herausforderung sei jedoch, Arbeitskräfte für den Hof zu finden – das sei nahezu unmöglich.

Landwirtschaftliche Flächen werden kleiner

Und wie lebt es sich als Landwirt in Brigachtal? Die Infrastruktur sei in Ordnung, erklärt Hettich. Aber speziell in Brigachtal werden Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen, betonen die Landwirte mit Blick auf die geplanten Photovoltaikanlagen auf freier Fläche. Das Gewerbegebiet werde auch Flächen wegnehmen, genauso wie beispielsweise das Neubaugebiet Arenberg, das zurzeit erschlossen werde. Die Gemeinde müsse Ausgleichsflächen für ein Baugebiet ausweisen, aber diese Flächen dürften nicht bewirtschaftet werden.

„Wir verstehen, dass Bürger bauen wollen und verstehen auch die Notwendigkeit einer neuen Gewerbefläche, aber das Land für Landwirte werde ja nicht größer, sondern kleiner“, sind sich die Landwirte abschließend einig.

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