Eine Institution in Schwenningen
: Mit Herz und Hand: Die Töpferei Strohm gibt’s schon seit 35 Jahren

Seine Keramik ist individuell, zeitlos – und vor allem mit viel Liebe zur Handwerkskunst entstanden. Jetzt feiert der Schwenninger Jürgen Strohm mit der Töpferei Jubiläum.
Von
Mareike Kratt
Oberndorf
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Brigitte und Jürgen Strohm haben es nie bereut, sich privat und beruflich – mit der Töpferei Strohm – im Schwenninger Oberdorf niedergelassen zu haben.

Mareike Kratt

Schon von Anfang an ist der Name Strohm eng mit dem Standort Ob dem Brückle im historischen Schwenninger Oberdorf verbunden. Hier hat Keramikmeister Jürgen Strohm das aufgebaut, was sich auch heute, 35 Jahre nach der Eröffnung, nach wie vor vor allem bei Liebhabern des Kunsthandwerks großer Nachfrage erfreut – und aus Schwenningen nicht mehr wegzudenken ist: die Töpferei, die das denkmalgeschützte Ensemble mit kreativer Keramik und lebendiger Handwerkskunst bereichert.

Liebe zum Handwerk

Wenn er an diesen Novembertagen sein 35-jähriges Bestehen feiert, dann denkt Jürgen Strohm gerne an die Anfänge seines Schaffens zurück. Aus einem Töpferkurs an der Volkshochschule gemeinsam mit seiner Frau ist die Liebe zur Handwerkskunst entstanden, die der gebürtige Schwenninger in den folgenden Jahren auch zu seiner Berufung gemacht hat.

Nach der Ausbildung in einer Töpferei in Gengenbach hat er Handwerkserfahrung unter anderem in der Provence und in der Schweiz gesammelt – und als großer Frankreich-Fan und inzwischen Töpfermeister sogar damit geliebäugelt, sich in Frankreich mit einem Handwerksbetrieb niederzulassen.

Eröffnung 1990

Letztendlich hatte sich das Ehepaar Strohm aber gegen diese Pläne entschieden, nachdem es vom Ensemble „Ob dem Brückle“ erfahren hatte, in dem durch eine Initiative des Schwenninger Heimatvereins Kunst etabliert werden sollte. Das Ehepaar kaufte das Haus, baute es aufwendig um, um in den Obergeschossen eigenen Wohnraum und im Erdgeschoss die Töpferei, die im November 1990 eröffnet hat, zu realisieren.

„Die Schwenninger haben es sofort angenommen“, blickt Brigitte Strohm zurück. Und auch die Villinger Bürger sollten in den Genuss der hochwertigen Keramik – egal ob (Kinder-)Geschirr, Gartenkeramik, Petroliumlampen oder sogenannte Dachreiter – kommen: mit dem Winterladen in der Villinger Rietstraße, den Brigitte Strohm bis 2024 letztendlich fast 30 Jahre lang in der (Vor-)Weihnachtszeit in den Räumen des Eiscafé Zampoli geführt hat und in dem die getöpferte Ware ebenso – erfolgreich – verkauft wurde. Den Winterladen gibt’s auch weiterhin, er wird aber ab sofort von der Villingerin Simone Mader betrieben, die Brigitte Strohm einmal pro Woche im Verkauf unterstützt.

Einen Namen gemacht

Im Laufe der Jahre konnte sich indes Jürgen Strohm in Villingen einen großen Kundenstamm erarbeiten und das Einzugsgebiet Richtung Stuttgart und Freiburg erweitern. Auch auf Töpfermärkten in ganz Deutschland, durch die er sich einen Namen machen konnte, fanden und finden seine Werkstücke stets viele Abnehmer, zeitweise war er auf bis zu 20 Märkten unterwegs, erzählt er.

Auch wenn sich seine Keramik immer wieder weiterentwickelt hat, hat sie einen großen Wiedererkennungswert. Der Keramikmeister setzt dabei stets auf hohe Qualität, individuelle Gestaltung und traditionelle Techniken.

Zeitlos und individuell

Seinen eigenen Stil zu beschreiben, fällt Jürgen Strohm schwer. Zeitlos, klassisch – das sei er auf jeden Fall, findet Ehefrau Brigitte. „Und er strahlt Wärme und Ruhe aus“, fügt sie hinzu. Unvergleichlich ist der Braunton, der sich in eigentlich jedem seiner Stücke wiederfindet, ebenso wie der Salzbrand, der ihnen zusätzlich eine besondere und individuelle Optik verleiht, wenn sie im Zuge eines langwierigen Prozedere 16 Stunden lang im Gasofen bei 1280 Grad gebrannt werden.

Individuell ist auch die Ascheglasur, die etwa im Inneren von Keramiktassen aufgetragen wird – im Übrigen aus Lavendelasche, die aus Lavendelblüten entsteht, die das Ehepaar stets selber aus der Provence in Säcken mit nach Hause nimmt.

Nachwuchs im Fokus

Jürgen Strohm war es immer wichtig, seine Liebe zur Handwerkskunst, zur Kreativität und zum Detail stets an Jüngere weiterzugeben. So hat er nicht nur zahlreiche Lehrlinge in seinem Betrieb ausgebildet, sondern auch immer wieder Kindertöpferkurse angeboten.

Schon vor ein paar Jahren ist der Keramikmeister, der seinen sportlichen Ausgleich im Radfahren gefunden hat, aber in dieser Hinsicht ein bisschen kürzer getreten. Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht und wird seine Töpferei in gewohnter Weise weiterführen. Dass das Töpfern derzeit wieder einen richtigen Boom erlebt– vor allem bei Jüngeren – , freut sich Jürgen Strohm, der die Entscheidung, sich in Schwenningen statt in der Provence niederzulassen, nie bereut hat.

Gute Aussichten

Auch zu ihm kämen viele Menschen bewusst, um etwas Echtes, Regionales und Nachhaltiges zu kaufen, erzählt er. Und er kann ihnen versprechen: „Solange der Ton nicht ausgeht, werde ich weiter an der Drehscheibe arbeiten!“

Das Jubiläum

So wird gefeiert
Das Ehepaar Strohm lädt am Samstag, 22. November, 17 bis 22 Uhr, alle Keramikliebhaber, Stammkunden, Nachbarn und Freunde zu einer kleinen Jubiläumsfeier mit Glühwein, Punsch und Kürbissuppe rund um die Töpferei, Ob dem Brückle 21, ein.

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