Einblick in Sammlung der Galerie: Ausstellung in Schwenningen macht aus der Not ein Prinzip

Einen ersten Einblick in die neue Ausstellung „Reduktion als Prinzip“ gaben Galerieleiter Alejandro Perdomo Daniels und Volontärin Sofi Schilow bei einem Rundgang durch die Städtische Galerie in Schwenningen.
Dennis ScheuEigentlich sollte sich in diesem Sommer in der Städtischen Galerie in Schwenningen alles um die Begriffe Licht, Farbe und Materie drehen. Doch durch die Sparauflagen, die der Gemeinderat der Galerie auferlegt hat, sah sich Galerieleiter Alejandro Perdomo Daniels gezwungen, diese Schau zu streichen.
„Reduktion als Prinzip“ lautete dabei wohl der Leitspruch, der nun aber gleichzeitig auch zum Motto und Titel der neuen Ausstellung geworden ist, die in der kommenden Woche eröffnet wird. Darin zeigt Kurator Perdomo Daniels Werke aus dem eigenen Bestand der Galerie. Dabei bleibt sich der Galerieleiter in seiner Linie der thematischen Ausstellungen treu, denn gerade die Reduktion ist die Grundkonstante, aber eben auch das verbindende Glied aller gezeigten Werke.
So sei die aktuelle Ausstellung eben „Reaktion auf die Umstände zum einen, aber auch gleichzeitig eine kluge Antwort“, findet Perdomo Daniels, dem der Spagat zwischen verhaltener Resignation und dem Blick nach vorne doch schon anzumerken ist.
Zeitgenössische Kunst
Dabei tritt „Reduktion als Prinzip“ keinesfalls als Verlegenheitslösung auf. Unterschiedlichste Positionen zeitgenössischer und moderner Kunst, viele in minimalistischer Tradition, treten in dieser achtsam kuratierten Ausstellung in einen Dialog. Dabei sind viele Spannungen und Ergänzungen zwischen den Werken natürlich kuratorisch inszeniert.
So begrüßt die älteste Arbeit der Ausstellung von Peter Roehr die Besuchenden mit einer sieben auf neun Mal gesetzten Formation aus Ms auf weißem Grund. Daneben formuliert Gerold Miller mit einem auf den ersten Blick leeren Rahmengestell, das die Wand dahinter fokussiert, quasi das dazu passende Negativ.
Aus Stahlblech und Emaille gefertigte Skulptur
Das Grundprinzip scheint Reduktion, Wiederholung und Unendlichkeit zu sein, das einen dann weiter durch die Ausstellung führt. Im Zentrum – beinahe etwas sakral auf einem Altar-Sockel inszeniert – darf da natürlich der Höhepunkt der Sammlung nicht fehlen: Sol LeWitts Arbeit „2/2 Two Two-part pieces using a cube with opposite sides removed“ aus dem Jahr 1968, eine aus Stahlblech und Emaille gefertigte Skulptur, die den Würfel nach einer klaren Systematik aus offenen und geschlossenen Flächen variiert.
Gerade in ihrer industriellen Fertigungsweise und der modularen Strenge verdichtet sich hier jenes Prinzip, das die ganze Ausstellung durchzieht: Die Idee tritt vor das Einzelbild, die Reduktion wird zum Gestaltungsprinzip. Und die zeigt sich manchmal sogar ganz von alleine, wenn die Kunstwerke miteinander, aber natürlich auch mit dem Raum, den Besuchenden und auch der Gesamtsituation interagieren.
Zufällige Verbindungslinien
Die scheidende Volontärin Rebekka Körnig sieht darin auch eine „Sehschulung“ für die Besuchenden. Denn manchmal sind die Verbindungslinien ganz klein, ganz subtil – und immer wieder auch eher zufällig, wenn die Sonne durch die Jalousien spickelt oder das Hochschulgebäude gegenüber durchs Fenster die Linien der Exponate aufgreift.
Genau das schafft die Reduktion, die auch schon öfter ausgestellte Sammlungswerke, wie eben den Sol LeWitt oder auch Erich Hausers titellosen Siebdruck auf silberfarbenen Karton und Gerold Millers „set 106“, in einen neuartigen Dialog treten lässt. Wenn man schon eine solche Sammlung mit über 3600 Objekten hat, darf man sich auch ruhig stolz zeigen. Auch wenn dann vielleicht in diesem Kontext Karolin Brägs Spiegel im ersten Stock nicht so ganz recht behält, der dem Betrachter munter entgegenspiegelt: „Nichts ändert sich. Gar nichts.“ Aber Veränderung scheint in diesem Fall auf jeden Fall nicht so schlecht zu sein.
Die Ausstellung
Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Reduktion als Prinzip. Sammlungsbestände im Dialog“ mit einer Mischung aus bekannten Namen, aber auch lokalen Künstlerinnen und Künstlern ist von Samstag, 13. Juni, bis Sonntag, 6. September, in der Städtischen Galerie in der Friedrich-Ebert-Straße 35 in Schwenningen zu sehen. Ab Juni gelten geänderte Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr, montags und dienstags bleibt die Galerie geschlossen. Der Eintritt zur neuen Ausstellung ist frei.