Ein Nachfolge Festival in VS
: Die neue Gründerlust – Unternehmer werden leicht gemacht

Etablierte Firmen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg suchen Nachfolger und Gründer suchen Unternehmen. Das Nachfolge Festival bringt jetzt beide im Speed Dating zusammen und inspiriert mächtig.
Von
Cornelia Spitz
Schwarzwald-Baar-Kreis
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Adela Hadzihasanovic(von links) von der Wifög und die regionale Wirtschaftsförderin Henriette Stanley tüfteln mit Jana Kiesel und Ursula Schulz vom Gründergarten Schwarzwald-Baar-Heuberg und dem Team Schulz Ideen für das Nachfolge Festival in Villingen-Schwenningen aus.

Adela Hadzihasanovic (von links) von der Wifög und die regionale Wirtschaftsförderin Henriette Stanley tüfteln mit Jana Kiesel und Ursula Schulz vom Gründergarten Schwarzwald-Baar-Heuberg und dem Team Schulz Ideen für das Nachfolge Festival in Villingen-Schwenningen aus.

Cornelia Spitz
  • In Villingen-Schwenningen ist ein Nachfolge Festival geplant – Start am 8. Oktober.
  • Ziel: Gründer treffen im Speed-Dating auf Unternehmer, die Nachfolger suchen.
  • Das Wirtschaftsministerium fördert das Projekt, landesweit gibt es keine ähnliche Plattform.
  • Programm mit Praxisbeispielen, Workshops, Vorträgen und einer Speaker's Corner.
  • Organisatorinnen betonen: Matching ist zentral, Einstieg auch über Beteiligung möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Idee entstand während einer Innovation Night. Wie passend. Denn das Event, das bald in Villingen-Schwenningen stattfinden soll, ist tatsächlich so innovativ, dass es sogar vom Wirtschaftsministerium Baden-Württembergs gefördert wird und landesweit ausstrahlen soll: ein Nachfolge Festival.

Eine Plattform, auf der gründungsaffine Interessenten auf jene treffen, die ihr Unternehmen gerne an die nächste Geschäftsführer-Generation abgeben möchten. Ein wahres Fest also für die Wirtschaft, die so oft an genau diesem Thema krankt: tolle Unternehmen mit vermutlich rosiger Zukunft, wäre da nur nicht das Problem der fehlenden nächsten Generation.

Warum also kein Speed-Dating?

Bei der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg, kurz: Wifög, sitzen an diesem Vormittag Jana Kiesel und Ursula Schulz vom Gründergarten und dem Team Schulz mit der regionalen Wirtschaftsförderin Henriette Stanley und der Marketing-Verantwortlichen bei der Wifög, Adela Hadzihasanovic, zusammen. Die Köpfe rauchen. Ideen für das Nachfolge Festival am 8. Oktober werden geboren. Ursula Schulz vom Team Schulz, das sich der Nachfolge- und Innovationsberatung für mittelständische Unternehmen verschrieben hat, schildert die paradoxe Gemengelage: Aufgrund des demografischen Wandels müssten immer mehr Unternehmer ans Aufhören denken – und im Gründergarten, einer Initiative der Wifög, ärgern sich regelmäßig potenzielle Gründer, weil sie kein Unternehmen finden, mit dem sie starten können. „Warum also kein Speed-Dating, um beide Seiten zusammenzubringen?“

Das Footsteps-Festival in Kassel gab als Blaupause und erstes Nachfolge-Festival für Unternehmensnachfolge in Deutschland den entscheidenden Impuls. Eine Veranstaltung, die so niederschwellig ist, dass jeder hin kann – getreu dem Motto: alles kann, nichts muss. Warum nicht auch eine solche Initiative in Baden-Württemberg starten?

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Landesweit nichts Vergleichbares

Reichlich Erfahrung aus den bislang sechs Innovation Nights, jede Menge positives Feedback dazu und gehörigen Schwung nahmen die Organisatorinnen mit bei der Vorsprache im Wirtschaftsministerium. Prompt rannten sie offene Türen ein. Und das aus gutem Grund: Landesweit gebe es keine vergleichbare Plattform, sagte man dort. Übergeber müssen sich also bislang selbst – und oft ohne Anhaltspunkte – auf die Suche nach einem Nachfolger machen. „Und für viele ist die Nachfolge ein super emotionales Thema, das sie immer wegschieben“, weiß Ursula Schulz. Der Anteil derjenigen, die auf Unternehmensbörsen aktiv sind, sei verschwindend gering. Fatal wäre es, wenn diese Unternehmen damit zum Sterben verurteilt wären.

Die Zahlen sind eindrücklich: Für 26.000 Unternehmen in Baden-Württemberg müsste mittelfristig die Nachfolge geregelt werden, laut KFW-Nachfolgereport, erläutern die vier Frauen. „Jedes dritte Unternehmen denkt über eine Nachfolge nach“, bringt Henriette Stanley es auf den Punkt. Und Schulz weiß: „Die Stilllegungen sind nicht die wirtschaftlich maroden Unternehmen“, sondern häufig gut laufende Betriebe. „Wir können es uns also nicht erlauben, nichts zu tun. Wir leben von unserem Mittelstand“, betont die Wirtschaftsförderin Stanley gnadenlos.

Das große Ganze in kleinere Punkte unterteilen, raten Experten.: ILLUSTRATION - Das große Ganze in kleinere Punkte unterteilen, raten Experten. (zu dpa: «Neujahrsvorsätze im Job – so wird 2026 zum Erfolgsjahr») Foto: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Weniger Datensammlung am Reißbrett, wie hier, mehr Leichtigkeit und Freude sollen am Anfang eines Unternehmertums stehen.

Oliver Berg/dpa-tmn/dpa

Das Nachfolge Festival in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg soll folglich auch Mut machen. Und das möglichst anschaulich, niederschwellig und ja, auch mit einer so großen Portion Erlebnis- und Event-Charakter, dass es den Namen „Festival“ auch wirklich verdient. Das Setting ist nahbar, cool, gemütlich, es läuft Musik, Foodtrucks stehen bereit und auch ein Glas Bier oder Cocktails gibt es hier. „Das Thema braucht mehr Leichtigkeit und Freude“, macht Ursula Schulz klar. Im Grunde sei es bei Unternehmensnachfolgen wie bei einer guten Lovestory: „Die Chemie muss passen, das ist wie beim Dating – man merkt, wenn man schockverliebt ist.“ Mit weniger Kalkül rangehen und echte Beziehungen knüpfen, dafür wird hier die Basis gelegt.

Geld ist nicht das Problem

Der Input kommt trotzdem nicht zu kurz: Zwölf Nachfolger stehen beispielsweise auf der Bühne und zeigen, wie Nachfolge funktionieren kann. Praxisbeispiele, die Lust machen, Hemmungen nehmen, inspirieren. „Eine kleine Firma zu kaufen, das ist finanziell nie das Problem, sondern das Matching – das passende Unternehmen für den passenden Gründer zu finden“, findet Schulz.

Klar ist: „Den“ typischen künftigen Unternehmer gibt es ohnehin nicht. Und zum Unternehmer wird man häufig nicht geboren: „Es gibt viele, die das als Option sehen, weil sie gerade abgebaut werden und keinen passenden Arbeitsplatz mehr finden.“ Im Übrigen sei es auch gar nicht immer notwendig, gleich aufs Ganze zu gehen – „es kann auch eine Beteiligung sein, ich muss nicht hundert Prozent kaufen“, gibt Schulz zu bedenken. Sie weiß, dass viele Geschäftsführer sich gerne erst einmal einen Co-Geschäftsführer an die eigene Seite holen zur Entlastung, aber auch zur Einarbeitung und als sanften Einstieg in die Übergabe. Das A und O sei aber in jedem Fall: Schon zu Beginn müsse die Übergabe geregelt und besprochen werden. „Sonst passiert der Klassiker: Es ist nichts besprochen und der Übergeber geht einfach nicht."

Nicht nur für Superreiche

Goldene Tipps wie diesen gibt es am 8. Oktober zuhauf. Workshops, Vorträge und Beratungen sind deshalb Teil des Nachfolge Festivals. Und in einer Speaker's Corner können sich Nachfolgeinteressierte vorstellen.

Die Facetten des Events sind riesig, nur eines gibt es hier nicht: Denkverbote. Alle Branchen, alle Arten von Unternehmen seien willkommen, stellt Henriette Stanley klar. Auch die Industrie- und Handelskammer IHK und die Handwerkskammer sitzen mit im Boot. Und dann räumt sie noch mit einem riesigen Vorurteil auf: Unternehmer werden, das sei keineswegs den Superreichen vorbehalten. „Die Firma bezahlt sich ja quasi aus den laufenden Gewinnen.“ Und ins unternehmerische Risiko zu gehen, das sei durchaus als Vermögensaufbau zu betrachten. „Das muss niemand von seinem Gehalt zahlen“, sagt Ursula Schulz. Adela Hadzihasanovic nickt: „Das wissen viele nicht.“ Womöglich schlummert also in manchem am Thema Interessierten ein innovativer Unternehmer, der bislang nur noch nichts wusste von seinem Unternehmer-Gen.

Das Nachfolge Festival in VS

Am 8. Oktober 2026 lädt der Gründergarten Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Nachfolge Festival nach Villingen-Schwenningen ein. Das Festival bietet eine Plattform für den Austausch und die Vernetzung von potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern, Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Beratungs- und Netzwerkpartnern aus Baden-Württemberg. Auf dem Programm stehen unter anderem Impulse, Best Practices, Workshops und Matching-Formate. Die Veranstaltung wird vom Wirtschaftsministerium unterstützt, der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung aber erforderlich. Alle Infos und Gelegenheit zur Anmeldung unter nachfolgefestival.com