Denkmal in Brigachtal
: Mehr als nur ein Kreuz am Wegesrand

Wie ist es eigentlich um Wegkreuze, stille Zeugen am Wegesrand, in und um Brigachtal bestellt? Ein Projekt rückt sie in den Fokus.
Von
Hella Schimkat
Oberndorf
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Das Longinus-Kreuz steht an der Tannheimer Straße an der „Schanz“.

Hella Schimkat

Es ist in vielen Fällen mehr, als nur ein Kreuz am Wegesrand. Und auf der Gemarkung von Brigachtal findet man viele davon: an Wegkreuzungen stehen rund 49 Wegkreuze, auch Kleindenkmale genannt. In der Regel sind das ortsfeste, freistehende, kleine, von Menschenhand geschaffene Gebilde aus Stein, Metall oder Holz.

Und viel mehr noch: Sie sind ein Stück Geschichte.

Rein ins Bewusstsein

Im Jahr 2001 wurde deshalb ein Projekt zur Erfassung der Kleindenkmale in Baden-Württemberg durchgeführt. Das Ziel des landesweiten Projektes war eine möglichst flächendeckende, systematische Bestandsaufnahme aller Kleindenkmale, um diese verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Im Brigachtal startete das Projekt im Jahr 2019 und wurde 2023 abgeschlossen. Die Erfassung für Brigachtal wurde durch Johanna Hildebrand, Reinhard Poschmann und Josef Vogt vorgenommen.

Josef Vogt unternahm kürzlich mit der Mitarbeiterin unserer Redaktion eine Rundfahrt zu einigen Wegkreuzen. Erster Halt war das Longinuskreuz, auch Bürgermeisterkreuz genannt.

Die Geschichte dahinter

Altbürgermeister Johann Hirt hat das Holzkreuz mit den Marterwerkzeugen 1920 selbst angefertigt und aufgestellt. Auf Anregung der Gesellschaft für Altertums und Brauchtumspflege Brigachtal wurde das Kreuz neu angefertigt. An Christi Himmelfahrt 1981 weihte Pfarrer Walter Mackert und Pfarrer Jacobus Reuter während der Prozession das Kreuz ein.

Das Longinuskreuz ist eine Sonderform des Arma-Christi-Kreuzes, die vor allem im Schwarzwald, vereinzelt aber auch in anderen Gegenden Süddeutschlands vorkommt. Neben der Kreuzigung sind die Leidenswerkzeuge, die Arma Christi, wie Geißel, Nägel, Seile Würfel und weitere dargestellt.

Longinus ist der römische Legionär, der dem gekreuzigten Jesus mit seiner Lanze die Seitenwunde zufügte, um zu überprüfen, ob der Gekreuzigte tot war. Es gibt aber auch Aussagen, dass Longinus dem Gekreuzigten die Wunde zufügte, um sein Leiden zu verkürzen.

Longinus wird in Uniform auf einem Pferd reitend dargestellt. Seine eigentlich römische Uniform wird in manchen Gegenden, so in Südbaden, oft in eine Uniform des 18. Jahrhunderts verwandelt.

Die Kreuze sind vorwiegend aus Holz und etwa drei bis vier Meter hoch. Oft tragen sie ein Walmdach, das den Dächern der Schwarzwaldhöfe ähnelt, sowie eine Rückwand, auf der die Arma-Figuren angebracht sind.

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