City Cleaners im Schwarzwald-Baar-Kreis: Umweltaktivistin Miriam Steup kämpft gegen die Kippenflut – doch der Frust wächst

Miriam Steup (vorne links) und das Team von den City Cleaners (von hinten links) Susan Schuhmacher, Jörg Kopp, Gaby Kopp, Georg Bentele und (vorne rechts) Milena Kopp hat beim Kippensammeln in Schwenningen zwar Erfolg, ist aber dennoch immer wieder frustriert.
Miriam Steup- Aktivistin Miriam Steup sammelt Kippen im Schwarzwald-Baar-Kreis und fordert Konsequenzen.
- Jüngste Aktion in Schwenningen: 10.000 Kippen auf rund einem Kilometer eingesammelt.
- City Cleaners sprechen Raucher an und verteilen Hinweise auf Taschen-Aschenbecher.
- Steup kritisiert fehlende Unterstützung, wünscht klare Bußgelder und breitere Zusammenarbeit.
- Zigarettenkippen belasten Umwelt stark – laut WHO landen zwei Drittel der Kippen in der Natur.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
10.000 Kippen: Das ist die Bilanz der jüngsten Kippen-Sammelaktion, die die City Cleaners Germany für den Schwarzwald-Baar-Kreis in Schwenningen durchgeführt haben. „Für uns ist die Zahl nicht hoch“, sagt Miriam Steup, Gründerin der Kreisgruppe, die es mittlerweile seit dreieinhalb Jahren gibt. Immer wieder ruft die Bad Dürrheimerin Mitglieder und Freiwillige dazu auf, an Brennpunkten im Kreis auf Säuberungsmission von weggeworfenen Zigarettenkippen – zu den häufigsten, aber unterschätzten Abfällen im öffentlichen Raum gehörend – zu gehen.
Nur eine kleine Wegstrecke
Was vielmehr erstaune, dass das fünfköpfige Team nur auf einer kleinen, rund einen Kilometer langen Strecke – beginnend beim Marktplatz, über die Muslen bis hinunter zum Bahnhof – unterwegs gewesen ist. „Es war eigentlich nur ein Bruchteil“, sagt Steup, und mutmaßt, wie hoch die Zahl für den gesamten Stadtbezirk wohl sein mag.
Doch es geht den City Cleaners nicht nur um die reinen Zahlen. Vielmehr sollen bei den Aktionen auch die persönlichen Gespräche mit Rauchern im Vordergrund stehen. Gezielt werden diese nämlich angesprochen, stets mit der Frage: „Haben Sie schon einen Taschen-Aschenbecher?“
Was veranlasst die Raucher, Kippen einfach wegzuschmeißen?
Bei denjenigen, die sowieso schon sensibilisiert seien, käme die Message meist an – bei den Müllsündern aber nicht. Doch was veranlasst einen Raucher überhaupt, eine Zigarettenkippe einfach wegzuschmeißen und nicht in dafür vorgesehene Becher zu stecken? „Es ist von allem etwas“, findet Miriam Steup, die zusätzlich zu den offiziellen Aktionen zusammen mit ihrem Mann mindestens einmal pro Woche zu einer Feierabendrunde mit Greifzange und durchsichtigem Beutel loszieht, um Kippen aufzulesen. Sie nennt Schlagworte wie Erziehung, Elternhaus, Umweltbildung, Bequemlichkeit, Egoismus, fehlendes Verantwortungsbewusstsein.

Kippe für Kippe wird mit einer kleinen Pinzette die Schwenninger Innenstadt gesäubert.
Miriam SteupSchlimm sei, dass sich viele Kippensünder ihres Fehlverhaltens bewusst seien. „Sie schauen sich nervös um – und in einem scheinbar unbeobachteten Moment schnippen sie die Kippe weg“, berichtet die Initiatorin aus Erfahrung.
City Cleaners Germany für den Schwarzwald-Baar-Kreis
Gegründet wurden die City Cleaners Germany, die sich auf das Sammeln von Müll, in erster Linie von Zigarettenkippen, spezialisiert haben, im Jahr 2018 im Raum Osnabrück. Motiviert durch die Aktivitäten, die Beharrlichkeit und das Gemeinschaftserlebnis schloss sich Naturliebhaberin Miriam Steup im Januar 2023 mit einer City-Cleaners-Germany-Gruppe für den Schwarzwald-Baar-Kreis an. Inzwischen gibt es in Deutschland rund zwölf Gruppen, die miteinander vernetzt sind.
Bei größeren Aktionen, etwa dem World Cleanup Day im September, darf die Kreisgruppe den gesammelten Müll beim Bad Dürrheimer Bauhof abgeben. Kleinere Mengen werden privat oder über die Landschaftspatenschaft beim Amt für Abfallwirtschaft in der Entsorgungsanlage Villingen entsorgt. Das Amt für Abfallwirtschaft hat die Gruppe dafür mit einem Starterkit mit einer Rolle Müllsäcken und einem Greifer ausgestattet.
Wer sich für einen sauberen Schwarzwald-Baar-Kreis engagieren möchte, kann sich mit der Kreisgruppe in Verbindung setzen. Kontakt unter citycleanersgermany@gmail.com oder über die Facebook-Seite City Cleaners Germany – Schwarzwald-Baar-Kreis.
Für Miriam Steup, die eigentlich in der Schwenninger Steuerkanzlei ihres Mannes arbeitet, ist das Kippen-Sammeln inzwischen mehr als nur ein ehrenamtliches Engagement. Im Lauf der Jahre hat sie sich intensiv mit der Umweltthematik auseinandergesetzt, hat in Sachen Forschung Kontakte zum Fraunhofer-Institut geknüpft und lässt auch die psychologische Komponente in ihre Arbeit mit einfließen.
Miriam Steups traurige Erkenntnis
Nicht nur mit Sammelaktionen, sondern auch mit Infoständen, Flyern und Social-Media-Posts hat die Kreisgruppe in der Vergangenheit immer wieder versucht, auf sich und auf das Kippen-Problem aufmerksam zu machen – vor allem bei der Verwaltung. Die traurige Erkenntnis: „Ich fühle mich alleingelassen, wir sind kein Stück weitergekommen“, sagt Steup sowohl mit Blick auf die „große Politik“, als auf die hiesige Verwaltung. „Das Problem kommt einfach nicht in den Köpfen an.“

Bewusst in einen durchsichtigen Beutel werden die aufgelesenen Stummel gesteckt.
Miriam SteupStatt nur warmer Worte wäre eine tatkräftige Unterstützung, etwa durch konsequent verhängte Bußgelder, viel wichtiger, betont sie. Denn um überhaupt etwas bewegen zu können, sei es unentbehrlich, dass alle Akteure an einem Strang ziehen: Eltern, Schulen, Vereine, und eben die Verwaltung. Rückschläge hat die Initiatorin in den vergangenen fünf Jahren schon oft hinnehmen müssen. Frustrierend sei vor allem, dass scheinbar gesäuberte Orte nach nur kurzer Zeit schon wieder voll mit neuen weggeworfenen Kippen vollgemüllt sind. „Manchmal lässt sich das Ganze nur noch mit Humor ertragen.“
Das motiviert die Aktivistin
Dennoch lässt sich die Naturliebhaberin nicht entmutigen. Konstruktive Gespräche auf der Straße seien da wohltuend, ebenso das Gemeinschaftsgefühl im Team sowie die Verbindung mit anderen deutschlandweiten Gruppen, die mit genau denselben Problemen zu kämpfen haben. Ihr gemeinsames Ziel: „Druck machen und die Gemeinde vor uns hertreiben.“
Zigarettenkippen und ihre Gefahr für die Umwelt
In Deutschland werden jährlich etwa 106 Milliarden Zigaretten geraucht. Nach Schätzungen der WHO landen zwei Drittel aller gerauchten Zigaretten in der Umwelt, also circa 70 Milliarden allein in Deutschland.
Zigarettenkippen sind eine doppelte Gefahr für die Umwelt. Die giftgetränkten Plastikfilter kontaminieren Grundwasser, Flüsse, Seen, das Meer und Böden. Schon beim ersten kurzen Regenguss werden etwa 7000 Chemikalien und Gifte – zum Beispiel Cadmium, Blei, Arsen oder Nickel – in die Böden und in die Gewässer gespült, bis sie letztendlich in die Nahrungskette gelangen. Jede einzelne Kippe hat dann bereits rund 1000 Liter Wasser kontaminiert.
