Chor freut sich über Verstärkung: Jetzt noch einsteigen – Trossinger Theresienchor probt für Großprojekt

Die Proben des Theresienchors für das große anspruchsvolle Konzertprojekt „Klassisch Europäisch“ unter der Leitung von Kantor Edgar Blaas-Gienger haben kurz vor Pfingsten begonnen.
Ingrid KohlerMit einem Chor- und Orgelkonzert unter dem Thema „Klassisch Europäisch“ steht für den Trossinger Theresienchor ein großes Projekt mit sehr hohem Anspruch an alle Mitwirkenden – schließlich wird in deutscher, englischer und französischer Sprache gesungen.
„Wir kriegen das hin“, ist sich Edgar Blaas-Gienger sicher. Der Kapellmeister ist seit fast 24 Jahren Kantor der Seelsorgeeinheit St. Theresia Trossingen und Leiter des Kirchenchors St. Theresia mit derzeit 35 aktiven Mitgliedern.
Jeden Freitagabend treffen sie sich mit großer Sangeslust im Katholischen Gemeindehaus St. Josef zur Chorprobe.
„Wir gestalten aktiv die Liturgie aller Hochfeste“, erklärt der Kantor.
Und einmal jährlich steht auch ein konzertantes Projekt auf dem Programm. Dabei wird zwischen weltlichen und geistlichen Programmen gewechselt. Vorschläge für das Programm kamen aus dem Chor heraus. Diese hat der Kantor dann zu einem roten Faden zusammengefügt.
Auch Register proben
Geprobt wird wöchentlich einmal, doch nach einem von Blaas-Gienger festgelegten Plan finden auch Registerproben – Männer und Frauen separat – statt. Der Fokus des Konzertes liege auf der Romantik, so der Kantor, aber auch im neueren sehr klassischen Stil – „aber keine Avantgarde, und es sind alles Original-Kompositionen“.
Das Programm sei insgesamt so anspruchsvoll, dass Edgar Blaas-Gienger nicht, wie sonst üblich, selbst an der großen Späth-Lenter-Orgel spielen kann, sondern sich voll aufs Dirigat konzentriert. Als Organist konnte Nico Maurice Schumann gewonnen werden, ein Meisterschüler von Blaas-Gienger.
„Er ist einer der besten Schüler, der aktuell in Stuttgart sein Examen gemacht hat“, so der Kantor.
Begonnen haben die Proben am Freitag vor Pfingsten. „Wer gerne noch mit einsteigen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen“, betont die Vorsitzende Patricia Dorndorf und si ergänzt: „Wir sind personell zwar sehr gut aufgestellt, freuen uns aber über weitere Gastsänger“ und fügt augenzwinkernd an: „die vielleicht dann auch weiter bleiben“.
Vor dem Konzert im November findet voraussichtlich ein Probensamstag und die Generalprobe statt.
Beginn im Chorraum
Das Programm des Konzertes beginnt in deutscher Sprache mit Werken von Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach, Anton Bruckner und Camillo Schumann im Chorraum mit Begleitung der Chororgel.
Ab dem zweiten Teil in englischer Sprache mit Werken von Ralph Vaughan Williams bis Henry Balfour Gardiner befindet sich der Chor auf der Orgelempore. Dabei kommen die Konzertbesucher in den Genuss einer Videoübertragung. In den Chorraum.
Auch auf Youtube vertreten
„Wir sind bereits seit zwei Jahren auf Youtube präsent, mit einer im Jahr 2024 neu erschienenen, uraufgeführten Messe“, erläutert Patricia Dorndorf, die sich freut, dass auch das Konzert „Klassisch Europäisch“ eine professionelle Videoproduktion erhält.
Im dritten Teil wird es französisch. Vom „Ave Maria“ von Camille Saint-Saens bis zum Kyrie aus der Messe solenelle von Louis Vierne ist ein letzter musikalisch hochkarätiger Konzertabschnitt vorprogrammiert.
Insgesamt spricht Patricia Dorndorf derzeit von einem „ambitionierten Probenplan, denn „wir fahren zweigleisig und proben auch für die Mozart-Spatzenmesse, die wir am Patrozinium am 11. Oktober aufführen werden“.
Es wird auch gefeiert
Trotz aller Arbeit und Proben kommen beim Theresienchor die Gemeinschaft und die Geselligkeit nie zu kurz. „Wir treffen uns immer im Sommer im Pfarrgarten und feiern gemeinsam die jährliche Cäcilienfeier“.
Was den Theresienchor besonderes auszeichnet? „Die meisten unserer Chormitglieder sind schon viele Jahre, manche sogar Jahrzehntelang mit dabei.“
Der Kirchenchor St. Theresia – eine bewegte Geschichte
Gründung 1910
Der Theresienchor wurde bereits im Jahr 1910 vom ersten Lehrer an der damals neu eröffneten katholischen Schule in Trossingen, Bernhard Frey, gegründet. Der Chor ist also älter als die Theresienkirche, die erst am 31. März 1935 geweiht wurde. Das wiederum war übrigens ein erster großer Höhepunkt für den Kirchenchor, damals unter Leitung von Dirigent Bruno Angler. Zuwachs in den 1950ern
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Sängerinnen und Sänger im Jahr 1951 auf insgesamt 51 Stimmen an. Ära Friedrich Nägele
Als Bruno Angler nach 33 Jahren sein Dirigentenamt aufgab, war der Chor über Jahre hinweg immer wieder auf der Suche nach einem neuen Chorleiter. Ab 1984 war dies der Musikpädagoge Friedrich Nägele vom Gymnasium Trossingen, mit dem das 75-jährige Kirchenchorbestehen gefeiert wurde. Kontakte nach Cluses
Bis Mitte der 1990er-Jahre wurden rege Kontakte mit den Chören aus Cluses gepflegt. Ära Edgar Blaas
Nach 14 Jahren beendete Friedrich Nägele seine Tätigkeit beim Trossinger Kirchenchor. Wieder gab es mehrere Dirigentenwechsel, bis sich auf eine Stellenausschreibung der junge Edgar Blaas bewarb, Kapellmeister sowie Schul- und Kirchenmusiker mit Examen an den Musikhochschulen Freiburg, Rottenburg und Trossingen. Er übernahm im September 2002 den Dienst als Organist und Chorleiter. Seither leitet er den Chor und bildet ihn mit sehr großem Engagement aus. „Bei ihm erfährt der Chor eine intensive Gehör- und Stimmschulung“, weiß Ottmar Hölsch und weiter: „Mit jeweils geschickter Literaturauswahl, wie auch durch eigene Bearbeitungen, ist Edgar Blaas-Gienger ein Spezialist für Klangästhetik – Raum und Klang sollen eine harmonisch-lebendige Wechselbeziehung bilden, spürbar in der Phrasierung der Chorsätze. Bei der Gottesdienstgestaltung werden auch seine offensichtlich fundierten theologischen Kenntnisse bemerkbar“. Besonders beliebt seien bei Blaas-Gienger die Erst- oder Uraufführungen von nahezu druckfrischen Verlagsveröffentlichungen. Da der Kantor mehrere Chöre leitet, ist es ihm bisher gelungen, jeweils einen für sein jeweils geplantes Aufführungsobjekt geeigneten Chor zum Mitmachen zu motivieren. So gab es beispielsweise schon gemeinsame Auftritte mit dem Spaichinger Kammerchor „Choropax“.