Besuch im AWO-Kindergarten: Wie das Haus der Kinder tickt – und warum es jetzt besonders im Fokus steht

Nazli Limann (links) und Lisa Brugger blicken zufrieden auf die arbeitsintensive, aber erfolgreiche Startphase im Haus der Kinder in Schwenningen – und freuen sich auf den ersten Tag der offenen Tür.
Mareike KrattVom Vorbeifahren kennt wohl jeder Schwenninger das Haus der Kinder inzwischen, liegt der Neubau doch markant an der Ecke zwischen Neckar- und Möglingsstraße und bildet zudem durch seine bunt gestaltete Fassade einen Blickfang. Doch welche Arbeit seit rund anderthalb Jahren hinter den Türen des neuen AWO-Kindergartens mit Platz für 105 Kinder zwischen null und zwölf Jahren geleistet wird und welche Strukturen geschaffen wurden, wissen wohl die wenigsten.
Nachdem der heilpädagogische Hort, der sich im Obergeschoss befindet, bereits im Mai 2024 aus den alten Räumen in der Friedensschule in den Neubau an der Neckarstraße ziehen konnte, hat der Kindergarten im September 2024 mit fünf Gruppen seinen Betrieb aufgenommen, blickt Nazli Limann, Gesamtleiterin der beiden AWO-Kindertageseinrichtungen in Schwenningen, zurück.
Bedarf an Heilpädagogen
Seit Herbst 2025 sind nun alle Gruppen belegt, das bedeutet, dass 65 Ü3-Kindergarten-Kinder die Einrichtung besuchen, hinzu kommen zehn Krippen-Kinder. Waren ursprünglich pro Gruppe fünf Plätze für förderbedürftige Kinder vorgesehen, gibt es jetzt für alle drei Ü3-Gruppen zehn Plätze – anders sei es derzeit personell nicht handelbar.
Der Bedarf wachse und wachse zwar, aber „Heilpädagogen zu finden, ist schwierig“, sagt derweil Lisa Brugger, Gesamtleiterin der Kinderbetreuungs- und Horteinrichtungen der AWO. Die Heilpädagogen würden variabel in den einzelnen Gruppen eingesetzt – immer dort, wo es gerade Bedarf gebe. In die Einrichtung kommen etwa Kinder mit Autismus, Entwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Sie werden über den heilpädagogischen Fachdienst der Stadt zugeteilt.
Inklusives Konzept
Wichtig sei allen Mitarbeitern vor Ort, die förderbedürftigen Kinder in die Gruppe normal zu integrieren. „Wir trennen nicht“, sagt Nazli Limann. Gleichzeitig bedauert sie, dass dieses Inklusionskonzept nicht auch stets woanders greife – also, dass es sich manch ein anderer Kindergarten mit förderbedürftigen Kindern zu einfach mache. „Alle, die schwierig sind, werden gleich abgeschrieben“, findet die Leiterin.

Das Außengelände hinter dem Haus der Kinder auf der Möglingshöhe bietet viel Natur – und viel Platz zum Toben.
Foto: Mareike KrattIn eine andere Richtung geht – zumindest in diesem Schul- und Kindergartenjahr – die Entwicklung bei den Schülern des heilpädagogischen Horts. Eigentlich stehen für die Nachmittagsbetreuung der sechs- bis zwölfjährigen Kinder, die von einem umliegenden Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum kommen, 30 Plätze zur Verfügung – derzeit seien aber nur 14 davon belegt.
Das Teambuilding
„Langsam kommt Ruhe hinein und wir finden uns als Team“, sagt Nazli Limann mit Blick auf den personellen und organisatorischen Aufbau des Kindergartens in den vergangenen anderthalb Jahren, bei dem viel ausprobiert und strukturiert wurde. Mittlerweile zählt das Team 20 Mitarbeiter – egal ob Erzieher, Heilerziehungspfleger, Hausmeister oder Küchenmitarbeiter.
Inzwischen ist auch der Neubau komplett fertig. Neben den Gruppenräumen können die Kinder in vier weiteren Fachräumen kreativ sein oder sich austoben. Die großzügige Außenanlage auf der Hinterseite des Gebäudes mit Anbindung an die Möglingshöhe ist seit einem Jahr komplett nutzbar und beinhaltet neben zahlreichen Spielelementen ein attraktives Gartenkonzept. Das bedeutet nicht nur, dass „an jeder Ecke etwas blüht oder wächst“, sondern auch, dass die Kinder aktiv mit eingebunden werden, etwa beim Kräuterbeet, dessen Kräuter für Tees genutzt werden.
Ernährung im Fokus
Pädagogische Konzepte werden auch aktiv in Sachen Kinderküche umgesetzt. Erst vor Kurzem haben die Kinder gemeinsam mit dem Küchenchef Sushi gemacht. Das Küchenteam hat sich im Übrigen neu aufgestellt. Künftig wird der bisherige Koch von einer gelernten Konditorin unterstützt, erzählt Lisa Brugger. Und dieser Schwerpunkt kommt nicht von ungefähr: Der Kindergarten nimmt an der Landesinitiative Bewusste Kinderernährung (BEKI) teil.

Unverkennbar ist das Haus der Kinder mit seiner bunten Außenfassade.
Foto: Mareike KrattDie Gesamtleiterin blickt deshalb noch gespannter auf den anstehenden Tag der offenen Tür: Dann nämlich wird dem Haus der Kinder das lang ersehnte BEKI-Zertifikat verliehen.
Der Tag der offenen Tür am 6. Mai
Das Programm
Der AWO-Kindergarten an der Neckarstraße 114 öffnet am Mittwoch, 6. Mai, von 15 bis 17.30 Uhr für alle Interessierten seine Türen. Neben einem selbst gebastelten Glücksrad wird es diverse Angebote – Seifenblasen, Schminken, Basteln, Tattoos – für die kleinen und großen Besucher über das Gelände verteilt geben. Einen interessanten Einblick in den Kindergarten bekommen die Gäste zudem bei einer Hausführung. Der Elternbeirat wird für die Bewirtung sorgen.