Bald nur noch mit Schwimmabzeichen?: Hier dürfen Kinder im Schwarzwald-Baar-Kreis kostenlos baden gehen

Doris Riesle und Karl-Heinz Bartsch im Tannheimer Freibad – hier rührt man nicht ohne Hintergedanken die Werbetrommel für den Aktionstag am 7. Juli. Foto: Cornelia Spitz
Cornelia Spitz- Am 7. Juli haben alle Kinder freien Eintritt in alle Freibäder im Schwarzwald-Baar-Kreis.
- Anlass ist der „Tag des Freibads“, initiiert von Karl-Heinz Bartsch aus VS-Tannheim.
- Hintergrund: Laut DLRG können viele Kinder nicht schwimmen, besonders in ärmeren Haushalten.
- DLRG meldet aktuell weniger Seepferdchen-Abzeichen im Land als im Vorjahr.
- Alle Bäder im Kreis machen mit – darunter Triberg, St. Georgen, Schonach, Schönwald und Villingen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer nicht schwimmen kann, schwimmt gewissermaßen mit dem Strom, denn: Die Nichtschwimmer werden immer zahlreicher. So sehr, dass in Nordrhein-Westfalen gleich fünf Bäder unlängst bekannt gaben, ab der Freibadsaison 2026 unter 16-jährigen Kindern den Zugang nur noch dann zu gewähren, wenn sie mit Aufsichtsperson oder Bonze-Abzeichen kommen. Alle anderen müssen draußen bleiben.
„Wer nicht schwimmen kann und trotzdem ins Freibad geht, der kann im Extremfall sterben. Wir wollen nicht erst warten, bis jemand ertrinkt“, wird der leitende Schwimmmeister Björn Jann zitiert. Karl-Heinz Bartsch von den Freibadförderern aus VS-Tannheim nickt: „Ich kann das verstehen, wenn da was passiert...“ Er engagiert sich deshalb im Schwarzwald-Baar-Kreis.
Alarmierende Zahlen
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG, die nach eigenen Angaben größte Wasserrettungsorganisation der Welt und Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland, veröffentlicht jahrein, jahraus alarmierende Zahlen. Nach einer repräsentativen Befragung zur „Schwimmfähigkeit der Bevölkerung 2022“ durch Forsa hatte sie schon Alarm geschlagen: Die Hälfte, 49 Prozent, der Kinder aus Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2500 Euro könne nicht schwimmen, hieß es damals.
Und offenbar hat sich die Lage nicht wesentlich verbessert, denn ganz aktuell äußerte sich die DLRG aus Baden-Württemberg mit ebenfalls negativen neuen Zahlen. 2025 habe das DLRG im Land erneut weniger Seepferdchen-Abzeichen im Land ausgegeben als 2024. Und das in erheblichem Ausmaß: Insgesamt waren es 14.397 Frühschwimmer-Abzeichen – 864 weniger als 2024.
Der Tannheimer kämpft
In Tannheim bei Villingen-Schwenningen sitzt einer, dem diese Zahlen tiefe Sorgenfalten in die Stirn graben: Karl-Heinz Bartsch. Vielen Stadt- und Gemeinderäten mag er als unnachgiebig fordernder Bürger in Erinnerung sein, vielen Freibad-Betreibern, die mit ihren Einrichtungen auch Geld verdienen wollen und müssen, sogar ein Dorn im Auge sein, doch eines ist gewiss: Der Mitgründer des Fördervereins Schwimmbad Tannheim ist ein unermüdlicher Kämpfer für die Schwimmfähigkeit von Kindern – auch wenn das bedeutet, dass er sich bisweilen auch mal mit Obrigkeiten anlegen, zur Nervensäge werden und stellenweise leichten Druck ausüben muss, um wenigstens für einen Tag einen freien Freibad-Eintritt für alle Kinder im Schwarzwald-Baar-Kreis „auszuhandeln“.
Doris Riesle, eine der beiden Vorsitzenden des Freibad-Fördervereins in Tannheim weiß, wie wichtig das ist – auch wenn die Welt dort in Folge des „eigenen“ Freibads noch weitgehend in Ordnung sei und viele Eltern gleich ticken wie sie damals: „Mir war es immer wichtig, dass meine Kinder schwimmen lernen – auch, dass sie nicht zum Beispiel mal in einem Tümpel ertrinken“, gibt sie zu bedenken und hofft, das Bemühen ihres Amtsvorgängers Karl-Heinz Bartsch trägt reiche Früchte.
Mit seinem „Tag des Freibads“, der nun sogar bundesweit stattfindet und es in die Liste unter www.kuriose-feiertage.de sowie in die ARD-Tagesthemen geschafft hat, hat Karl-Heinz Bartsch zumindest schon ein Etappenziel geschafft: Am Dienstag, 7. Juli, „haben alle Kinder freien Eintritt“ und zwar in jedes Freibad im ganzen Schwarzwald-Baar-Kreis.
Nimmermüde Nervensäge
Bis dahin aber war es ein langer Kampf: 2019 begann Bartsch diesen, dann kam die Pandemie, 2024 fand er statt – ohne das Kneippbad im Oberzentrum, wo zeitgleich ein Wettbewerb stattfand, und auch in gewisser Hinsicht als willkommene Ausrede gedient haben dürfe. 2025 musste das Wolterdinger Bad passen wegen des Stadtfests, in Villingen habe SVS- und damit Bäderchef Gregor Gülpen auf einen zu vollen Terminkalender verwiesen. Karl-Heinz Bartsch aber kämpfte weiter, stritt, bat, bettelte – und das tat er so unnachgiebig und erfolgreich, dass es zu einem Antrag der Grünen- und der SPD-Fraktion im Gemeinderat Villingen-Schwenningen kam, und für 2026 auch Gregor Gülpen verkünden konnte: „Wir sind dabei“.
Jubel – endlich komplett
„Der Höhepunkt, alle sind dabei!“, jubiliert der Tannheimer Freibad-Pionier im nicht verflixten siebten Jahr. Sein beharrliches Bemühen um die Schwimmfähigkeit von Kindern hatte ihm im Übrigen sogar hohe Ehren eingebracht: Er war 2025 vom Bundespräsidenten zum Bürgerempfang ins Schloss Bellevue eingeladen worden.
Dass „sein“ Tag des Freibads mitten in der Gesellschaft angekommen ist und am 7. Juli bei hoffentlich bestem Wetter für volle Bäder sorgt, veranlasst ihn aber nicht dazu, sich zufrieden zurückzulehnen. Karl-Heinz Bartsch wirbelt weiter. Er nahm Kontakt mit dem Schulamt auf, woraufhin der Zuständige per Mail versprach, die Schulen zu sensibilisieren, damit der kostenlose Freibadtag auch bekannt und angenommen wird. „Das bietet sich als Wander- oder Ausflugstag geradezu an“, weiß Bartsch und konstruiert in Gedanken schon das perfekte Programm: „Eine Wanderung bei Triberg zum Beispiel und zum Abschluss alle zusammen ins Freibad!“
So euphorisch er ist, so realistisch weiß er auch: „Es können nicht alle Kinder am 8. Juli schwimmen, das ist klar.“ Ihm aber liege am Herzen, fürs Schwimmenlernen zu sensibilisieren und einen Anfang zu machen, um die Hürden für den Schwimmbadbesuch zu senken. Denn schwimmen zu können, ist offenbar auch eine Frage des Geldes, zu diesem Schluss zumindest kommt die Forsa-Umfrage des DLRG: Sind es bei einem Haushaltseinkommen unter 2500 Euro noch 49 Prozent Nichtschwimmer, sinkt diese Zahl bei 4000 Euro und mehr Haushaltsnettoeinkommen auf zwölf Prozent.
Sie sind dabei
Die teilnehmenden Bäder in der Region sind: das Waldsportbad Triberg, der Klosterweiher St. Georgen, das Naturschwimmbad Schonach, das Naturfreibad Schönwald, das Solara Königsfeld, das Bregtalbad in Furtwangen, das Schwimmi Vöhrenbach, die Freibäder in Wolterdingen, Tannheim und Hubertshofen, das Parkschwimmbad Donaueschingen, das Panoramabad Blumberg, das Sonnenbädle in Schwenningen sowie das Parkschwimmbad in Villingen.

