Bad-Dürrheim: Im Bugatti geht eine Ära zu Ende

Marlene und Hans Biermann laden zur Abschiedsfeier im Bugatti am 1. und 2. Januar ein. Seit 1982 haben sie die Tanzbar in der Bitzstraße in Bad Dürrheim geführt. Foto: Reutter
Schwarzwälder-BoteVon Markus Reutter
33 Jahre lang haben Marlene und Hans Biermann die Tanzbar Bugatti in der Bitzstraße geführt und waren mit ihrer herzlichen Art bei den Gästen beliebt. Nun heißt es Abschied nehmen.
Bad Dürrheim. Einen besonderen Charme verbreitet das Bugatti mit dem glitzernden Stanniol und dem Fischernetz an der Decke, den braunen Sesseln und Couchgarnituren sowie den regenbogenfarbenen Lichtern über der Tanzfläche. Seit 1982 war es immer wieder für einen Abend lang Heimat für viele Menschen. Die Besucher seien nicht so sehr aus Bad Dürrheim gekommen, sondern vor allem aus der Region zwischen Stuttgart und Bodensee, erzählt das Betreiberpaar. Früher seien es noch mehr Kurgäste gewesen. Das habe nachgelassen, weil die Patienten mittlerweile weniger mobil seien und die Kur nicht mehr so lange dauere. Doch der Zuspruch von Patienten einer psychosomatisch ausgerichteten Klinik halte nach wie vor an, freut sich Marlene Biermann.
Balsam für die Seele ist die aufmunternde Art von Marlene Biermann und humorig auch die direkte Redeweise ihres Mannes. "Wir haben schon alles erlebt", deuten die beiden an, dass das Bugatti ein beliebter Treff war. Mit Stripper-Show und Themenabenden sei den Gästen immer wieder etwas Besonderes geboten worden. Viele Stammgäste seien gewonnen worden. "Ich werde weinen", weiß Marlene Biermann jetzt schon, wenn sie und ihr Mann am 1. und 2. Januar das Bugatti ein letztes Mal öffnen.
Dabei ist der Betrieb nicht spurlos an ihnen vorüber gegangen. Hans Biermann berichtet, während er sich die nächste Zigarette anzündet, dass er bereits drei Herzinfarkte und zwei Schlaganfälle gehabt habe. Seiner Frau gibt er ein großes Kompliment. 40 Jahre an der Seite eines Gastronomen sei etwas Besonderes. "Das findet man selten." Und beide lachen sich verliebt an.
Altershalber wollen sie den Tanzclub nun aufgeben. Hans Biermann ist 74 Jahre alt, seine Frau 60. "Erst mal drei Wochen nichts tun", ist das Ziel von Marlene Biermann, bevor sie sich dann intensiver einer Tätigkeit im Außendienst widmen möchte. Mit dem Bugatti hätten sie nur wenige Tage im Jahr frei nehmen können. Unterstützung würden sie regelmäßig von DJs und am Wochenende von einer Servicekraft. Auch Tochter Jasmin habe während ihres Studiums mitgeholfen, habe aber nun selbst eine Firma für Fort- und Weiterbildung in Donaueschingen.
Ob und wann die Lokalität wieder eröffnet wird, wissen die Biermanns nicht. Das sei Sache des Eigentümers. Ihnen sei zumindest kein neuer Pächter bekannt.
So neigt sich eine Ära in Bad Dürrheim dem Ende. Viele Menschen haben sich in dieser Zeit im Bugatti kennengerlernt. Marlene Biermann war es wichtig, dass ihre Gäste die Möglichkeit haben, miteinander ins Gespräch zu kommen. Einige hätten geheiratet und seien dann zu zweit weiterhin ins Bugatti gekommen, freut sich das Betreiberpaar.
Ein Stück Lebenserfahrung und Psychologie gehöre mit dazu, betont Marlene Biermann. Sie habe darauf geachtet, dass die Gäste "passen". Leute, die aggressiv aufgetreten oder sehr betrunken gewesen seien, habe sie nicht ins Bugatti reingelassen.
Sie rechnet damit, dass es zu den beiden Abschlussfeiern am Freitag und Samstag, 1. und 2. Januar, jeweils ab 19.30 Uhr, noch mal richtig voll wird in der Tanzbar und etliche Stammgäste die Gelegenheit nutzen werden, noch ein letztes Mal das besondere Flair im Bugatti zu genießen.