Ausstellung in Schwenningen
: Wo Macht ihre Spuren hinterlässt

In der Städtischen Galerie in Schwenningen zeigt die international renommierte, bosnische Künstlerin Šejla Kamerić, wie Krieg, Erinnerung und gesellschaftliche Erwartungen bis ins Private wirken. Sie beschäftigt sich mit Identität, Körper und Erfahrung aus weiblicher Sicht.
Von
Dennis Scheu
VS-Schwenningen
Jetzt in der App anhören
Galerieleiter Alejandro Perdomo Daniels führte Bürgermeister Detlev Bührer und interessierte Besucher durch die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie.

Galerieleiter Alejandro Perdomo Daniels führte Bürgermeister Detlev Bührer und interessierte Besucher durch die aktuelle Ausstellung der Städtischen Galerie.

Dennis Scheu
  • Die Städtische Galerie Schwenningen zeigt „Echoes of Power“ von Šejla Kamerić.
  • Gezeigt werden Werke zu Krieg, Erinnerung, Identität und weiblicher Erfahrung.
  • Installationen wie „Unknown“ und „If I sleep it will be double“ prägen die Schau.
  • Weitere Arbeiten: „Liberty“, „Bosnian Girl“ und „Ex You Body“ mit ihrer Tochter.
  • Die Ausstellung läuft bis zum 24. Januar 2027, begleitet von Gesprächen und Workshops.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Nach London, Washington, Paris, Barcelona, Berlin und Istanbul kommt Villingen-Schwenningen: In der Städtischen Galerie in der Nähe des Schwenninger Bahnhofs wurde jetzt die Ausstellung „Echoes of Power“ mit einem umfassenden Einblick in das Werk der bosnischen Künstlerin Šejla Kamerić eröffnet.

Kamerić ist also längst ein „Schwergewicht der Kunst“, wie sie Bürgermeister Detlev Bührer in seinem Grußwort bei der Vernissage betitelte. Sie beschäftigt sich in ihren Werken mit weiblicher Identität, weiblichem Körper und weiblicher Erfahrung. Dabei zeigen sich diese „Echos“ und Wiederholungen von Machtstrukturen keineswegs ausschließlich feministisch; im Zentrum steht vielmehr die übergreifende Frage, warum aus individuellen, aber auch gemeinschaftlichen Problemlagen oft kein Umdenken stattfindet, obwohl die Defizite und Probleme klar sind.

So gehe Kamerić davon aus, dass ein Lernprozess aktiv vollzogen werden müsse, erklärte der Kurator der Ausstellung,  Alejandro Perdomo Daniels, in seiner Einführung zur Ausstellung: Kunst werde da zu einem „Ort, in dem die noch nicht eingelösten Potenziale der Wirklichkeiten eingelöst werden.“

Dass das weder vor dem Individuellen noch vor dem Gesellschaftlichen Halt macht und dass auch diese Grenze gar nicht so scharf zu ziehen ist, zeigt die Ausstellung vor allem im Obergeschoss sehr eindrücklich: Da hängt ganz klein und unscheinbar die Arbeit „Unknown“. Das fotografische Selbstporträt erinnert an ein Passbild, wäre da nicht die eine stark angeschwollene Gesichtshälfte. Der erste Gedanke: körperliche Gewalt. Tatsächlich zeigt die Fotografie jedoch die Folgen einer chronischen Erkrankung, deren Symptome häufig mit emotionalem Stress verbunden sind. Kamerić führt damit nicht nur vor Augen, wie innere, psychische Belastungen körperlich sichtbar werden, sondern auch, wie schnell wir das Gesicht einer Frau nach vertrauten Mustern deuten. Und wie sehr diese Wahrnehmung von gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt ist.

Schwarzwald-Baar-Kreis

Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis.

Zum Whatsapp Kanal

Das Bett wird zum Sinnbild für Flucht

Noch eindrücklicher wird das einen Raum weiter bei der Rauminstallation „If I sleep it will be double“ – auf Deutsch: „Wenn ich schlafe, wird es doppelt“. Vier Bettwäschegarnituren aus weißer Seide liegen verstreut auf dem nackten Boden. Darauf finden sich handschriftliche Auszüge aus Tagebüchern, die während des Bosnienkriegs entstanden sind. Das Bett als Ort der Geborgenheit und des Rückzugs wird zum Sinnbild für Flucht, Angst und Schlaflosigkeit. Und so wiederholen die Werke von Šejla Kamerić auf vielfältige Weise diese Ausformungen von Selbstbild, Erinnerung und Entwurf.

Im Untergeschoss sicherlich noch ein bisschen direkter und plakativer in den Werken „Liberty“, großen Leuchtbuchstaben mit Metallstacheln, der Plakataktion Bosnian Girl oder den mit kindlichen Zeichnungen überlagerten Körperfotografien „Ex You Body“. Diese sind in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter entstanden und verhandeln weibliche Identität zwischen persönlicher Erinnerung und gesellschaftlichen Erwartungen. Immer wieder fragt die Ausstellung also direkt oder indirekt, „wie Kunst jene blinden Stellen erfahrbar machen kann, an denen kollektive Erinnerung in Bewusstsein umschlägt“, fasst Perdomo Daniels zusammen.

Programm mit Gesprächen und Workshops

Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2027 in der Städtischen Galerie zu sehen. Begleitend zur Ausstellung wird ein umfassendes Vermittlungsprogramm mit Gesprächen, Workshops und dynamischen Formaten angeboten.