Ausbildung in Spaichingen: Ein Einblick in die Welt der Klaviere

Über die Ausbildung bei der Firma Carl Sauter in Spaichingen freuen sich Ausbildungsleiter Patryk Gawliczek (von links) Azubi Dennis Engelhard und Bildungsberater Simon Korb.
Stefanie SiegmeierDennis Engelhard absolviert laut Mitteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg eine Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer bei der Firma Carl Sauter in Spaichingen.
„Bing, bing, bing“ – Engelhard schlägt den Ton dreimal an und ist dabei hochkonzentriert. Dreimal wiederholt er den Vorgang und dreht dann behutsam mit dem Stimmhammer den Stimmwirbel weiter. Millimeter um Millimeter nähert er sich der perfekten Saitenspannung und damit dem perfekten Ton an. „Da braucht man schon eine ganze Menge Geduld“, sagt er.
Vor allem die ersten Stimmungen eines neu gebauten Klaviers oder Flügels seien fordernd. „Aber es macht auch total Spaß“, sagt er, und die Begeisterung steht Engelhard ins Gesicht geschrieben. Engelhard absolviert derzeit eine Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer in Spaichingen bei der Carl Sauter Pianofortemanufaktur. Der ältesten der Welt.
Seit 206 Jahren werden hier Klaviere und Flügel gebaut, die in alle Welt gehen. Vor allem in China und Japan sind die in traditioneller Machart gearbeiteten Instrumente gefragt. Gut 100 Arbeitsstunden braucht es, bis ein Klavier gebaut ist. Schon allein die Mechanik besteht aus gut 6000 Einzelteilen, das gesamte Klavier aus gut 12 000 – nehme man nur die 239 Wirbel, 88 Tasten, Hämmer, Saiten und viele mehr.
Kern der Ausbildung ist das Stimmen
Das Unternehmen hat derzeit drei Auszubildende. Die dreieinhalbjährige Ausbildung von Engelhard kommt nicht von ungefähr. Schon als Kind hat er gern Klavier gespielt und habe seinen Klavierstimmer immer sehr bewundert, erzählt er.
„Klavier spielen können muss man nicht, aber Zuneigung zu dem Instrument sollte man schon haben, sonst macht es keinen Spaß“, informiert der Azubi über die Voraussetzungen für die Ausbildung.
Kern der Ausbildung ist das Stimmen: „Gut 1000 Klaviere muss man schon stimmen, damit man ein sicheres Gefühl hat“, informiert Ausbildungsleiter Patryk Gawliczek. Klavierbau ist eine hohe Kunst, die im Traditionsunternehmen Sauter mit Leidenschaft gelebt wird. Das Tolle sei auch, dass ein Klavierbauer eigentlich mehrere Berufe gleichzeitig ausübt, beispielsweise Schlosser, Lackierer und Tischler.
Sein absoluter Traumberuf
Die Berufsschule befindet sich in Ludwigsburg. Der Unterricht findet blockweise und nicht wöchentlich statt. Engelhard ist mittlerweile im zweiten Lehrjahr und strebt an, nach der Lehre noch den Meister obendrauf zu satteln.
„Da sollte man schon erst mal gut zwei Jahre Erfahrung sammeln, bevor man sich da dran macht“, sagt Gawliczek. Mit dem Klavier- und Cembalobau hat Engelhard seinen absoluten Traumberuf gefunden und kann diesen auch nur weiterempfehlen.
„Die Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer zeigt, welch interessanten Ausbildungsberufe es in der Region gibt,“ fügt Simon Korb, Bildungsberater bei der IHK.
Was gehört zu einer Ausbildung?
Inhalte
Klavier- und Cembalobauer der Fachrichtung Klavierbau stellen Pianos und Flügel her. Die Tätigkeit umfasst sowohl die handwerkliche Fertigung als auch die Reparatur und Restauration von historischen Instrumenten. Klavier- und Cembalobauer der Fachrichtung Klavierbau ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in Industrie und Handwerk. Beschäftigung findet man anschließend in kleineren bis mittleren Industriebetrieben des Instrumentenbaus. Der Beruf teilt sich in zwei Fachrichtungen: den Klavierbau, hier liegt der Fokus auf der Herstellung, Reparatur und Restauration von Klavieren und Flügeln. Und dem Cembalobau. Hier liegt der Fokus auf der Herstellung, Reparatur und Restauration von Cembali, Klavichorden und anderen historischen Tasteninstrumenten. Cembalos werden bei Sauter aber nicht gebaut.