An Hochschule Schwenningen
: Tiny-House auf Rädern solarbetrieben

Am Campus Schwenningen der Hochschule Furtwangen wurde jetzt deutlich, wie eng Klimaschutz, Innovation und Fachkräftesicherung miteinander verbunden sind.
Von
Uwe Klausner
VS-Schwenningen
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enriette Stanley von der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg (von links) und HFU-Professorin Ulrike Salat informierten sich bei Louis Palmer und seinem Mitarbeiter Max Schwabe über das Solar Butterfly.

Henriette Stanley von der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg (von links) und HFU-Professorin Ulrike Salat informierten sich bei der Veranstaltung in Schwenningen bei Louis Palmer und seinem Mitarbeiter Max Schwabe über das Solar Butterfly.

Jochen Schwillo
  • In Schwenningen zeigt der Solar Butterfly Klimaschutz, Innovation und Ausbildung im Verbund.
  • Das Tiny House fährt mit Solarstrom – bis 120 kWh pro Tag für etwa 220 Kilometer.
  • Rund 900 kg recyceltes PET-Ozean-Plastik stecken im Chassis, Möbeln und Solarpanels.
  • Stadt VS und HFU präsentierten Projekte: Recycling-Enzyme, Mikroplastik, Wasser, Energieplanung.
  • Geplant sind Agri-PV und große Batteriespeicher – 65 Ladesäulen sind bereits in Betrieb.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Fachkräfteallianz Schwarzwald‑Baar‑Heuberg hatte zu einer Veranstaltung eingeladen, die Akteure aus Wissenschaft, Verwaltung, Ehrenamt und Energiewirtschaft zusammenbrachte.

Im Mittelpunkt stand der Solar Butterfly, ein solarbetriebenes Tiny House auf Rädern, entwickelt vom Schweizer Klima‑Pionier Louis Palmer und der Hochschule Luzern.

Palmer, der vier Jahre lang mit dem Solar Butterfly um die Welt gereist ist, berichtete von internationalen Klimaschutzlösungen, die er unterwegs kennengelernt hat, und zeigte, wie unterschiedlich Länder auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren.

Mit Dusche und Küche

Besonders beeindruckte die Konstruktion des Solar Butterfly, für die rund 900 Kilogramm recyceltes PET‑Ozean‑Plastik verwendet wurden. Das Material steckt im Chassis, in Möbeln und in den ultraleichten, flügelartig ausklappbaren Solarpanels, die bis zu 120 Quadratmeter Fläche erreichen und täglich etwa 120 Kilowattstunden Strom erzeugen, genug für bis zu 220 Kilometer Fahrt.

Gleichzeitig dient der Solar Butterfly als autarkes Tiny House mit Dusche, Küche, Schlafmöglichkeiten und einem System, das Regenwasser mithilfe von Solarstrom zu Trinkwasser aufbereitet. Für viele  Besucher war er damit nicht nur ein technisches Exponat, sondern ein greifbares Zukunftsmodell.

Palmer gab zudem praktische Alltagstipps und empfahl die Nutzung der Berliner Suchmaschine Ecosia, die mit ihren Werbeeinnahmen weltweit Bäume pflanzt. Als Beispiel internationaler Innovation stellte er Finnlands sogenannte Sandbatterien vor, die überschüssigen Grünstrom als Hitze in Sand oder Schotter speichern und Temperaturen von bis zu 650 Grad Celsius erreichen.

Was die Stadt VS tut

Auch die Stadt Villingen‑Schwenningen nutzte die Veranstaltung, um ihre eigenen Klimaschutzbemühungen sichtbar zu machen. Lisanne Quast aus dem Klimaneutralitätsmanagement erläuterte, wie der kommunale Maßnahmenkatalog fortgeschrieben wird, und lud Besucher ein, eigene Ideen einzubringen und Prioritäten zu markieren. Sie betonte, dass Klimaschutz nur gelingen könne, wenn Verwaltung, Stadtwerke, Wissenschaft und Bevölkerung gemeinsam handeln.

Forschung an der HFU

Parallel dazu zeigten Forschungsgruppen der Hochschule Furtwangen (HFU), wie breit das Spektrum an Nachhaltigkeitsthemen ist. Ulrike Salat stellte ein Projekt vor, das Enzyme entwickelt, die Kunststoffe in ihre chemischen Grundbausteine zerlegen können. Die Enzyme werden gentechnisch in Bakterien produziert, sodass sie in großen Mengen verfügbar sind. Dieser Ansatz könnte langfristig dazu beitragen, Plastikabfälle effizienter zu recyceln, zeigt die Professorin auf. Ein weiteres Projekt widmete sich der Mikroplastik‑Belastung durch Kunstrasenplätze, die jährlich mehrere Tonnen Granulat verlieren. Die Forschenden zeigten technischen und organisatorischen Handlungsbedarf auf.

Breites Spektrum

Das Umweltzentrum Schwarzwald‑Baar‑Neckar setzte einen Schwerpunkt auf die Ressource Wasser. Hausleiterin Angie Manton erläuterte, wie sensibel Wasser für Landwirtschaft, Ökosysteme und Bevölkerung ist und welche Maßnahmen Kommunen und Bürger ergreifen können, um Wasser zu schützen und effizienter zu nutzen.

Ein Blickfang war der Foodsharing‑Stand, an dem Bianca Winkler und Heike Memmler ihr Ehrenamt vorstellten. Sie retten Lebensmittel vor der Tonne und machten deutlich, dass jedes gerettete Kilo zählt und Lebensmittelrettung nicht nur sozial, sondern auch ein Beitrag zum Klimaschutz ist. Viele Besucher nahmen Obst, Gemüse und haltbare Waren mit.

Zentraler Ansprechpartner für Energiethemen war Tobias Ebner von den Stadtwerken Villingen‑Schwenningen. Er erläuterte, dass künftig rund 660 Gigawattstunden erneuerbaren Strom zusätzlich benötigt werden und ein tiefgreifender Umbau im Wärmesektor notwendig ist. Er stellte das geplante Agri‑PV‑Projekt vor, das jährlich etwa eine Million Kilowattstunden erzeugen soll, sowie zwei große Batteriespeicher, die erneuerbare Energie zwischenspeichern und das Netz stabilisieren sollen.

Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur wurde thematisiert: Inzwischen gibt es im Stadtgebiet 65 Ladesäulen. Ebner betonte, dass technische Innovationen und Netzausbau Hand in Hand gehen müssen, damit die Energiewende vor Ort gelingt.

Die Veranstaltung zeigte insgesamt, wie breit das Spektrum regionaler Initiativen ist und wie viele Akteure bereits heute an Lösungen für die Zukunft arbeiten. Wissenschaft, Kommunen, Ehrenamt und Unternehmen ziehen dabei an einem Strang.

Der Solar Butterfly fungierte als Impulsgeber und Inspirationsquelle und demonstrierte, wie Visionen praktisch umgesetzt werden können. Der Tag am Campus Schwenningen machte Mut, weiter an konkreten Lösungen zu arbeiten und zeigte, dass Klimaschutz nicht abstrakt, sondern greifbar und gestaltbar ist.

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