Altes Tonhallenareal VS: Rechtskräftig besiegelt: Neues Amtsgericht kann jetzt Formen annehmen

Der Vertrag in den Händen von Oberbürgermeister Jürgen Roth (Bildmitte) ist unterschrieben. Der Neubau des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen auf dem Areal der Alten Tonhalle wird damit offiziell in die Wege geleitet, sehr zur Freude von (von links) Sieglinde Neyer-Bedenk, Leiterin des Amtes Vermögen und Bau Konstanz, Amtsgerichtsleiter Marc Gerster, Andreas Braun (Landtagsabgeordneter), Staatssekretär Siegfried Lorek und Sandra Schmieder, Vizepräsidentin des Landgerichts Konstanz.
Daniela Schneider- Neubau des Amtsgerichts in VS-Villingen startet: Vertrag ist unterzeichnet und Projekt offiziell.
- Geplant ist ein U-förmiger Holzbau mit mehreren Sälen, größter Saal misst 200 Quadratmeter.
- Einzug wird 2031 angepeilt – ein Jahr Planung und Ausschreibung, drei Jahre Bauzeit.
- Ausstattung: acht Vorführzellen, Büros für Gericht und Staatsanwaltschaft, Zufahrten, Tiefgarage.
- Investition von 50 Millionen stärkt den Justizstandort, mehrere bisherige Standorte werden gebündelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Noch ist das Areal, auf dem einst die Alte Tonhalle stand, nach wie vor eine Brache. Die verdorrte Vegetation steht mindestens kniehoch auf der trockenen Wiese und harrt der Dinge, die da kommen. Und tatsächlich: Nach all den Jahren des Stillstands „tut sich jetzt etwas“.
So drückte es am Dienstagnachmittag ein freudestrahlender Oberbürgermeister Jürgen Roth aus. Am Rande der fraglichen Fläche an der Bertholdstraße stehend, konnte er nämlich verkünden: Die Tinte auf dem Vertrag zum Bau des neuen Amtsgerichts auf diesem Gelände ist getrocknet, das Bauvorhaben kann nun offiziell starten.
Im altehrwürdigen großen Sitzungssaal des jetzigen Amtsgerichts an der Niederen Straße hatten der OB und Siegfried Lorek, Staatssekretär aus dem Ministerium der Justiz und für Migration, kurz zuvor den Vertrag offiziell unterzeichnet. Anschließend hatten sie sich gemeinsam mit weiteren Akteuren auf den Weg dorthin gemacht, wo bis 2031 – so der recht ehrgeizige Plan – ein regelrechtes Justizzentrum entstehen soll.
Stärkung für den Justizstandort VS
Gebaut wird dieses in Holz, wie auch ein Modell veranschaulichte. Verwaltungsleiter Andreas Zmuda fasste zusammen, was genau geplant ist: ein U-förmiges Gebäude mit einer durchgängigen Holzfassade. Mehrere Sitzungssäle wird es hier geben, darunter auch der größte mit beachtlichen 200 Quadratmetern Fläche. Hiermit sieht man sich – auch als Außenstelle des Landgerichts Konstanz – dann auch für größere Prozesse mit vielen Beteiligten gut gerüstet. Auch die umliegenden Gerichte sollen diesen Saal bei Bedarf nutzen können.

Dieses Modell, hier aufgestellt im jetzigen Sitzungssaal im bisherigen Amtsgericht zeigt es: Der mehrstöckige Neubau wird in Holzbauweise errichtet.
Daniela SchneiderEbenfalls vorgesehen sind sogenannte Vorführzellen, acht Stück an der Zahl. Sie dienen der kurzzeitigen Unterbringung von Gefangenen, die von einer Justizvollzugsanstalt zum Gericht transportiert wurden, um dort an Verhandlungen oder Vernehmungen teilzunehmen. Außerdem geplant sind Büros für das Gericht und die Staatsanwaltschaft, gerichtsgerechte Zufahrten und etliche Tiefgaragenstellplätze.
Es sei der Startpunkt für ein großes Projekt, frohlockte der Oberbürgermeister, und man habe es mit vielen Beteiligten auf den Weg gebracht. Und auch, wenn der Gerichtsneubau nur einen Teil des Geländes einnehmen wird – die Planung für den vorderen Teil habe sich ja bekanntlich „leider zerschlagen“, so der OB –, wurde aus seinen Worten deutlich, wie sehr man sich bei der Stadt freut, dass mit dem neuen Landgericht der Justizstandort VS gestärkt und der Innenstadtbereich mit aufgewertet werden kann.
Roth erinnerte auch an einen kleinen Schreckmoment, als das Projekt im Landeshaushalt fehlte. Dann sei es aber im Einvernehmen mit den entsprechenden Stellen doch noch gelungen, dass die Mittel nun per Nachtragshaushalt zur Verfügung stehen. 50 Millionen werden investiert. Mittelgeber ist das Landesfinanzministerium, Vorhabenträger Vermögen und Bau Baden-Württemberg.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Braun sprach angesichts der Investitionssumme von einem „Statement“ des Landes, von einem „großen Tag für Villingen-Schwenningen“ und davon, dass das Neubauprojekt ein Paradebeispiel dafür sei, wie Effizienz gemeinsam gelingen könne.

Sie unterzeichneten den entsprechenden Vertrag: Staatssekretär Siegfried Lorek und Oberbürgermeister Jürgen Roth.
Cornelia PutschbachAuch Staatssekretär Lorek betonte, wie wichtig dieses Projekt für die Justiz sei. „Wir stellen uns hier neu auf“, betonte er. Kompetenz, Zukunfts- und Arbeitsfähigkeit würden daran sichtbar, und insbesondere das Thema Sicherheit „bekommen wir hier besser hin“, meinte er im Vergleich mit der bisherigen Situation mit mehreren Standorten des Gerichts, die in der Stadt verteilt sind. Künftig könne man moderne Arbeitsplätze bieten und die Bauweise des drei- und vierstöckigen Neubaus sei ebenfalls zukunftsgerichtet.
Einzug wird 2031 angepeilt
Der Zeitplan sieht vor, dass im ersten Jahr Planung und Ausschreibung erfolgen. Die eigentliche Bauzeit wird auf drei Jahre angelegt. Heißt: Im Jahr 2031 sollen Gericht und Staatsanwaltschaft in die neuen Räume einziehen und ihre Arbeit hier aufnehmen können.
Sieglinde Neyer-Bedenk, Leiterin des Amtes Vermögen und Bau Konstanz, betonte: „Uns ist es wichtig, dass wir unsere Behörden gut unterbringen.“ Man habe hier einen guten Standort für das Justizareal gefunden, sorge für eine zeitgemäße Wärmeversorgung und halte sich an das Energie- und Klimaschutzkonzept des Landes mit „allem, was dazugehört“. Man sorge für eine gute Blockrandbebauung, die auch gut ausschaue – was sie als geboten erachtete, wenn man wie in diesem Fall eine Freifläche zur Bebauung in der Innenstadt bekomme. Sie sagte: „Wir freuen uns, dass es bald losgeht.“
Das wiederum dürfte auch auf Marc Gerster, den Leiter des Amtsgerichts Villingen–Schwenningen, zutreffen. Er betonte die Anforderungen an eine moderne Justiz, die sich einfach im Laufe der Zeit verändert hätten. Das alte Amtsgerichtsgebäude sei zwar „wunderschön“, werde diesen Anforderungen aber nicht mehr gerecht.
Das Amtsgericht Villingen-Schwenningen
Das bisherige Hauptgebäude des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen wird 2027 170 Jahre alt. Hier und an mehreren weiteren Standorten in VS – allesamt eigentlich nur als Übergangslösungen gedacht und auch sanierungsbedürftig – arbeiten insgesamt 165 Beschäftigte. In den Neubau einziehen werden das Familien-, das Zivil-, das Nachlass- und das Berufungsgericht und die Vollstreckungsabteilung. Lediglich das Grundbuchamt mit seinen 65 Beschäftigten verbleibt an seinem Standort an der Carlo-Schmid-Straße. In das alte Gebäude an der Niederen Straße ist nach jetzigem Stand der Einzug des Arbeitsgerichts geplant.

