Alevitischer Religionsunterricht in Schwenningen
: Nach 20 Jahren zurück im Stundenplan

Für die Alevitische Gemeinde Villingen-Schwenningen ist die Wiederaufnahme des Alevitischen Religionsunterrichts nach gut 20 Jahren ein besonderer Moment.
Von
Jochen Schwillo
Villingen-Schwenningen
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Am Schulverbund am Deutenberg in Schwenningen wird wieder Alevitischer Religionsunterricht angeboten. Einmal in der Woche kommen hier Schüler aus der Region zusammen. Ihre Lehrerin Helin Tufat (stehend) sieht darin einen wichtigen Beitrag zur religiösen Bildung.

Am Schulverbund am Deutenberg in Schwenningen wird wieder Alevitischer Religionsunterricht angeboten. Einmal in der Woche kommen hier Schüler aus der Region zusammen. Ihre Lehrerin Helin Tufat (stehend) sieht darin einen wichtigen Beitrag zur religiösen Bildung.

Jochen Schwillo
  • Alevitischer Religionsunterricht kehrt nach gut 20 Jahren in Schwenningen zurück.
  • Am Schulverbund Deutenberg lernen freitags zehn Schüler aus der Region gemeinsam.
  • Lehrerin Helin Tufan unterrichtet nach Bildungsplänen, mit Noten und Klassenarbeiten.
  • Inhalte: Begriffe, Texte, Rituale, Geschichte – plus Dialog- und Urteilsfähigkeit.
  • Ziel ist Identitätsentwicklung und Werte wie Frieden, Toleranz und Gleichberechtigung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jetzt fand der erste Unterricht im Schulverbund am Deutenberg in Schwenningen statt. Auf dem Programm standen das gegenseitige Kennenlernen der Schüler und ihrer Lehrerin Helin Tufan.

Der Unterricht wird schulübergreifend angeboten und richtet sich an Kinder aus Villingen-Schwenningen, Bad Dürrheim, Trossingen und Villingendorf. Insgesamt nehmen derzeit zehn  Schüler teil, die freitags zum Unterricht kommen, berichtet Tufan. Sie besuchen regulär den Ethikunterricht und werden für den alevitischen Religionsunterricht freigestellt.

Die Gruppe umfasst Kinder der Klassenstufen fünf bis acht, sodass die Leistungsniveaus gut zusammenpassen. Der Unterricht ist ein reguläres Schulfach, wird benotet, umfasst Klassenarbeiten und folgt den offiziellen Bildungsplänen des Landes.

Die Schüler lernen religiöse Begriffe, Texte, Gesänge, Symbole, Traditionen und Rituale des Alevitentums kennen und setzen sich mit der Geschichte und Lebenswirklichkeit von Aleviten auseinander. Gleichzeitig werden grundlegende Kompetenzen wie Wahrnehmungs- und Darstellungsfähigkeit, Analyse- und Deutungsfähigkeit, Dialogfähigkeit, Urteilsfähigkeit sowie Gestaltungs- und Handlungsfähigkeit gefördert.

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Wichtige Werte

Ein besonderer Stellenwert kommt der Identitätsentwicklung zu. „Es ist wichtig, dass junge Aleviten ihre Religion nicht nur in der Familie oder der Gemeinde erleben, sondern auch im schulischen Kontext reflektiert kennenlernen können“, betont Helin Tufan. Der Unterricht biete Orientierung bei persönlichen Sinn- und Lebensfragen und solle die Jugendlichen darin bestärken, „auf Grundlage alevitischer Werte eigenverantwortlich zu leben und zu handeln“. Werte wie Frieden, Toleranz, gegenseitige Achtung, Verantwortung und Gleichberechtigung stehen dabei im Mittelpunkt.

„Für mich ist es etwas Besonderes, dieses Fach nun wieder hier unterrichten zu dürfen.“
Helin Tufan
Lehrerin

Alevitischer Religionsunterricht darf nicht beliebig erteilt werden. Lehrkräfte benötigen neben ihrer staatlichen Lehrbefähigung auch eine religionsgemeinschaftliche Bevollmächtigung. Die akademische Qualifizierung erfolgt unter anderem über den Erweiterungsstudiengang Alevitische Religionslehre/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, der nach einer Modellphase eingerichtet wurde.

Lehrerin in Bad Dürrheim

Helin Tufan ist Realschullehrerin am Salinensee in Bad Dürrheim und gehört auch dem Kollegium des Deutenberg-Schulverbundes an. Sie absolvierte den Erweiterungsstudiengang in Weingarten und verfügt über mehrjährige Unterrichtserfahrung im Fach. Seit 2019 erteilte sie Alevitischen Religionsunterricht im Raum Ludwigsburg. Ferner ist sie seit ihrer Jugend in der alevitischen Gemeinschaft engagiert und war von 2017 bis 2024 im Bundesvorstand des Bundes der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland tätig, zuletzt als Bundesvorsitzende.

„Ich bin in Schwenningen aufgewachsen. Für mich ist es etwas Besonderes, dieses Fach nun wieder hier unterrichten zu dürfen“, sagt sie. Mit ihrer Rückkehr in die Region verbindet sie ihre Tätigkeit als Lehrerin mit ihrer langjährigen Erfahrung im Alevitischen Religionsunterricht.

In Villingen-Schwenningen schätzt die Gemeinde etwa 250 bis 300 Familien. Die Region verfügt nur über wenige Lehrkräfte mit der notwendigen Doppelqualifikation aus Lehramtsstudium und alevitischer Religionspädagogik, weshalb der Neustart für die Gemeinde von besonderer Bedeutung ist.

Die Hoffnung ist, dass die neue Klasse nachhaltig bestehen bleibt: Viele der jetzigen Fünftklässler werden mehrere Jahre teilnehmen, und zahlreiche Kinder aus den Grundschulen könnten in den kommenden Jahren nachrücken. Für eine zusätzliche Grundschulklasse bräuchte es jedoch weitere ausgebildete Lehrkräfte, die bundesweit nur in geringer Zahl vorhanden sind.

Für Helin Tufan ist die Aufgabe eine Herzensangelegenheit. Trotz ihrer Vollzeitstelle übernimmt sie den Unterricht zusätzlich und sieht darin einen wichtigen Beitrag zur religiösen Bildung und zum Zusammenhalt der Gemeinschaft. „Es ist mir wichtig, dass junge Menschen ihre Religion fachlich fundiert und zugleich offen und dialogorientiert kennenlernen können.“