15-Jährige feiert TV-Debüt
: Emily Ulbrich aus Weilersbach schnuppert Fernsehluft

Ein großer Moment für Emily Ulbrich aus Weilersbach: Die 15-Jährige stand als Kleindarstellerin für eine Filmproduktion für die ARD vor der Kamera.
Von
Simone Neß
Oberndorf
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Emily Ulbrich aus Weilersbach durfte an einer Filmproduktion für die ARD mitwirken.

Simone Neß

Es war eines der aufsehenerregendsten Gerichtsverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Der Stammheim-Prozess gegen die führenden Köpfe der ersten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF), der am 21. Mai 1975 begann. Zum 50. Jahrestag gibt das Dokudrama „Stammheim – Zeit des Terrors“, das am Montag, 19. Mai, im Ersten ausgestrahlt wird, Einblicke in die Lebenswelt der RAF-Gründungsmitglieder.

Mitten im Geschehen: die 15-jährige Emily Ulbrich aus VS-Weilersbach. Die Schülerin verkörpert im Film Suse Baader, die Tochter des RAF-Terroristen Andreas Baader. Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt sie, wie sie zu ihrer ersten Fernsehrolle kam – und wie sie den Dreh an einem besonderen Ort erlebt hat.

Schon im Alter von neun Jahren entdeckte Emily Ulbrich ihre Leidenschaft für das Schauspielern. Seitdem steht sie regelmäßig auf großen und kleinen Bühnen der Region. Erste Erfahrungen sammelte sie in der Theater-AG der Zinzendorfschule, außerdem nimmt sie regelmäßig an Workshops teil, um ihr Schauspieltalent weiterzuentwickeln.

Auch als Komparsin für die Filmhochschule Ludwigsburg ist die Nachwuchsschauspielerin tätig. Vor kurzem wirkte sie zudem beim Dreh für den Film „Der Grieche im Schwarzwald“ mit.

Seit etwa zwei Jahren wird sie von einer regionalen Schauspielagentur vertreten, die ihr Castings vermittelt. Über diese Agentur kam auch der Kontakt zur Produktion des Stammheim-Dokudramas zustande – eine Produktion von Spiegel TV, im Auftrag von SWR, NDR und rbb für die ARD. Beim Casting vor Ort war schnell klar – Emily bekommt die Rolle.

Hochsicherheitsgefängnis als Drehort

„Ich war wirklich sehr aufgeregt“, erinnert sie sich an den Drehtag vor rund einem Jahr zurück. Gedreht wurde an einem eher ungewöhnlichen Ort: in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stuttgart-Stammheim. Das Hochsicherheitsgefängnis war 1975 der echte Inhaftierungsort der RAF-Terroristen und ist nach wie vor in Betrieb. „Da hatte man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl“, gibt Emily Ulbrich zu, sagt aber, dass es sehr interessant gewesen sei, das Hochsicherheitsgefängnis mal von innen zu sehen. Die Dreharbeiten für das Dokudrama fanden in einem abgeschotteten Bereich der Einrichtung statt.

Der Unterschied zum Theater wurde der 15-Jährigen bei den Dreharbeiten schnell klar: „Theater ist um einiges schwieriger, weil man nicht die Möglichkeit hat, etwas zu wiederholen, wenn man einen Satz falsch sagt, oder eine Emotion nicht richtig trifft“, sagt sie. Beim Film könne man eine Szene hingegen so oft wiederholen, wie man möchte.

Kurzer Auftritt im Fernsehen

Die Szene, in der Emily Ulbrich Suse Baader spielt, ist kurz, aber intensiv: Gemeinsam mit der Mutter besucht sie ihren Vater Andreas Baader in der JVA – dargestellt von Schauspieler Henning Flüsloh. In der Szene schreit Baader seine Tochter an. Emily spricht dabei keinen Text. „Es ist schon komisch, wenn man von jemandem angeschrien wird, den man gar nicht kennt“, erzählt sie – doch auf diese Szene sei sie bereits beim Casting vorbereitet worden.

Für den kurzen Auftritt habe man rund eine halbe Stunde gedreht, schätzt die 15-Jährige. Schließlich musste die Szene aus unterschiedlichen Perspektiven und in verschiedenen Kameraeinstellungen gedreht werden. Am Set durfte sie auch hinter die Kulissen blicken – und bekam einen ersten Eindruck vom Ablauf einer professionellen Filmproduktion.

Die Schauspielkollegen seien dabei alle sehr nett gewesen, stellt sie fest. Auch Regisseur Niki Stein habe sich sehr fürsorglich gezeigt. „Man hat sehr auf mich geachtet“, betont Emily Ulbrich.

15-Jährige träumt von einer Schauspiel-Karriere

Nach diesem Dreh ist für sie klar: Sie hat Lust auf mehr. Das Schauspielern soll in ihrem Leben eine weitaus größere Rolle einnehmen, als nur die eines Hobby. Nach der zehnten Klasse möchte sie ihr Abitur machen und anschließend als Au-pair nach Amerika gehen, „um zu schauen, ob es mir dort gefällt“.

Wenn ja, könne sie sich vorstellen, ganz dorthin zu ziehen, denn: In den USA habe man einfach bessere Chancen in der Schauspielerei. Was sie am Schauspielen so begeistert: „Ich finde es total toll, dass man jemand anderes sein kann“, sagt sie.

Zunächst aber freut sie sich auf die Ausstrahlung des Films am kommenden Montag – und ist gespannt, wie sie im Fernsehen wirkt. Fest steht für Emily Ulbrich aber schon jetzt: „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.“

Der Film „Stammheim – Zeit des Terrors“ ist am Montag, 19. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Ab Samstag, 17. Mai, gibt es den Film bereits in der ARD-Mediathek.

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