Zwangsarbeit in Triberg: Auf Spurensuche zu seinem Leben im Zweiten Weltkrieg

Saskia Hofstede hofft auf Hinweise zum früheren Leben ihres Großvaters, der von 1943 bis 1945 Zwangsarbeiter in Triberg war.
HofstedeVor mehr als 80 Jahren hat der Zweite Weltkrieg geendet – eine unvorstellbare Zeit, ein unverstellbares Leben. Damit die deutschen Soldaten und Wehrpflichtigen an die Front beziehungsweise in den Krieg ziehen konnten, kamen Zwangsarbeiter aus dem Ausland, um ihre Arbeiten zu übernehmen – einer der Zwangsarbeiter war der Niederländer Gerardus Hofstede, der von 1943 bis 1945 in Triberg eingesetzt wurde.
Nachdem er 1945 zurück in die Niederlande zog, gründete er eine Familie. Nur dass er vor dieser niemals ein Wort über seine Zeit in Triberg erzählte, noch nicht mal, dass er dort war. Seine heute 46-jährige Enkelin Saskia Hofstede nahm sich daher zur Aufgabe, von Freitag, 6. Juni, bis Montag, 9. Juni, in der Wasserfallstadt über sein früheres Leben zu forschen. Heimatkundler Klaus Nagel ordnet ein, wie das Leben der Zwangsarbeiter zu der Zeit in Triberg aussah.
Wenige niederländische Zwangsarbeiter in Triberg
Saskia Hofstede lebt in Alkmaar, Nordholland, mit ihrer Familie. Was sie bis vor wenigen Jahren nicht wusste: Ihr lange verstorbener Großvater arbeitete von 1943 bis 1945 in Triberg als Zwangsarbeiter bei der ehemaligen Firma Bühler. Dass 80 Jahre zwischen dieser Zeit und in ihrem Wochenendbesuch liegen, macht Hofstede nichts aus. „Ich reise mit meinem Vater her. Wir haben keine wirklichen Erwartungen, viel herauszufinden – aber ich möchte mir anschauen, wo er mal lebte“, erzählt die Niederländerin. Von 1942 bis Kriegsende kamen Zwangsarbeiter aus dem Ausland als Ersatz für die wehrpflichtigen Männer in Fabriken und Gewerbe. In Triberg waren zum Großteil sowjetische und polnische Arbeitskräfte. Vor allem waren viele Frauen aus Russland von der Zwangsarbeit betroffen, erklärt Heimatkundler Nagel. Holländer waren eher in der Minderheit, ordnet er weiter ein.
Die ausländischen Kräfte durften nicht mit Deutschen sprechen, bekamen einen geringeren Lohn für die gleiche Arbeit und durften lediglich zum Arbeiten ihr Schlaflager verlassen. Dennoch, sagt Nagel, seien die Menschen nicht so schlecht behandelt worden, wie man es sich teils vorstellt. „Meine Mutter arbeitete damals in der Jahresuhrenfabrik. Die Zwangsarbeiter wurden zwar mit einem scharfen Blick beobachtet, weil dort auch Bombenzünder hergestellt wurden, aber sie wurden nicht unterirdisch behandelt.“
Auch wenn Hofstede sich wenige Erwartungen setzt, hofft sie dennoch, Spannendes aus dem Leben ihres Großvaters als Zwangsarbeiter in Triberg herauszufinden. „Vielleicht habe ich noch eine Tante oder einen Onkel hier, die ich nicht kenne“, überlegt sie.
Spurensuche schon mal geglückt
„Mein Vater war schon immer sehr interessiert an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und hat schon viele Städte und Konzentrationslager in Europa besucht – er weiß viel über die Zeit. Triberg ist die erste Stadt, zu der er auch eine emotionale Verbindung hat, weil sein Vater dort war“, erklärt Hofstede. Während ihres Aufenthalts treffen sich die Niederländer mit Heimatkundler Klaus Nagel und hoffen, noch die ein oder andere Spur auf ihren Großvater finden zu können.
Der Versuch, mehr über das Kriegsleben ihrer Familie herauszufinden, ist der 46-Jährigen schon mal geglückt. Vor mehreren Jahren besuchte sie Friesland, weil ihr Großvater mütterlicherseits dort als Zwangsarbeiter unterkam. Dabei fand sie heraus, dass er zudem ein halbes Jahr in einem Gefängnis in Berlin festgehalten wurde. Wer weiß also, welche Puzzleteile zu seinem Leben sich in Triberg verbergen.