Werner Mezger referiert
: Fastnacht, Fasching, Karneval – so feiert man Triberg und Europa

Von Naturgestalten im Osten bis zu Teufelsfiguren in Südtirol. Der „Fastnachtsprofessor“ zeigt verblüffende Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Karnevals in 20 Ländern.
Von
Hans-Jürgen Kommert
Oberndorf
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Tribergs Noch-Zunftmeister Sven Ketterer dankte Werner Mezger mit einer exklusiven Flasche Triberger Teufelswein.

Hans-Jürgen Kommert

Bereits im Januar 2025 war er zu Gast in Triberg: Der „Fastnachtsprofessor“ Werner Mezger. Eigentlich sollte sein diesjähriger Auftritt bereits vor der Hochphase der Fasnet stattfinden. Nun holte er ihn nach – und sprach vor vollem Haus im Museum über „Fastnacht, Fasching und Karneval in Europa– eine Entdeckungsreise durch 20 Länder.“

Er erläuterte, dass der ursprüngliche Zeitpunkt ein anderer war – nämlich wohl im März, aber genauer zum Jahreswechsel des ursprünglichen römischen Kalenders, bei dem das Jahr mit dem „Martium“ begann. Im Naturjahr und dem Agrarjahr war dies der Übergang vom Winter zum Frühling. Allerdings hatte der römische Kalender Schwächen – er hatte nur zehn Monate, beginnend mit dem März, endend mit dem Dezember. „Fastnacht war früher ein reines Fressfest vor der Fastenzeit“, räumte er ein. Noch heute gebe es den „Schmotzigen“ (fettigen) Donnerstag, der die Hochphase der Fastnacht einläutet.

Man werde staunen, wo in Europa die Fastnacht überall verbreitet war – und wie es bei vielen Unterschieden dennoch erstaunliche Ähnlichkeiten mit der vertrauten Schwäbisch-Alemannischen Fasnet gebe.

Über Sprach- und Ländergrenzen hinweg beweise die Fastnacht, der Fasching oder Karneval eine zusammenhängende Kulturregion.

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Er stellte die Fastnacht als Fest im Ablauf des Kirchenjahrs ausdrücklich in eine christliche Tradition.

Beginn mit Bibel-Psalm

Nach seiner Meinung beginnt die Tradition mit Psalm 53 (nach Zählung der lateinischen Bibel Ps. 52), wo es heißt: „Der Narr spricht in seinem Herzen: „Es gibt keinen Gott!“ Tatsächlich seien Narrenfiguren und vor allem der Teufel im Mittelalter auch Teil von Fronleichnamsprozessionen gewesen – und sind es im Norden Italiens noch heute, wie er anhand von Fotos aufzeigte.

Die Vermummung sehe er auf zwei Arten: Im Süden sei eher die Ganzkörpervermummung beheimatet, im rheinischen Karneval eher die Kostümvermummung, bei der das Gesicht noch kenntlich sei. Zu den vermeintlich freundlichen Gesichtern der „Hänsele“ betonte er, dass diese Glattlarven ursprünglich aus Italien kamen und „das Lächeln der Verführung“ zeigten.

Zwei Stunden Wissen und Unterhaltung

In seinem zweistündigen, interessanten Vortrag zeigte Mezger auf, welche Länder-Verknüpfungen es gibt. Vor allem Südtirol habe eine ausgeprägte Fastnacht mit Teufelsfiguren, aber auch in vielen osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Griechenland seien die Bräuche ähnlich – im französischen Colmar sei der Teufel identisch mit dem Narren. Fell- und Naturgestalten prägten die Fastnacht in Slowenien und Ungarn, ebenso in Tschechien. Etwas seltsam mute dagegen die Fasnet in England an, wo sie mit Fußball assoziiert sei oder mit „Pancake-Races“. Man könne noch viele Vergleiche anstellen – doch das wäre ein weiterer Vortrag, endete Mezger.