Vor 100 Jahren geboren: Emil Jo Homolka hinterließ bleibende Spuren in und um Königsfeld

Emil Jo Homolka im Jahr 2005 in seiner Wohnung in Königsfeld. (Archivfoto)
Dieter VaasSeine Werke finden sich in mehr als 100 Kirchen, Gebäuden und Anlagen. Weit über die Region und Baden-Württemberg hinaus verhalfen ihm seine Plastiken zu Ruhm – bis nach Frankreich, Polen und Australien sowie in die Schweiz und die USA war Emil Jo Homolka bekannt. Viele Jahre seines Lebens lebte und arbeitete er in Königsfeld – und hier hätte er vor einigen Tagen wohl auch seinen 100. Geburtstag gefeiert, wäre er nicht bereits 2010 im Alter von 85 Jahren gestorben.
Am 16. Juni 1925 wurde Emil Johannes Homolka, den seine spätere Frau und alle Freunde nur Jo nannten, als zweites von fünf Kindern in Stuttgart geboren. Schon früh hatte er den Drang, künstlerisch und handwerklich tätig zu werden. So schulte er seine Fähigkeiten schon als zwölfjähriger Gymnasiast in den Werkstätten der Stuttgarter Kunstakademie – auf Vermittlung seines Kunsterziehers Karl Hils.
1943 wurde Homolka zunächst zum Arbeitsdienst nach Offenburg eingezogen, ein Jahr später zum Wehrdienst. Als 18-Jähriger wurde er an der Front in Frankreich an beiden Beinen schwer verwundet und musste notoperiert werden – ohne Narkosemittel.
Danach geriet Homolka in Kriegsgefangenschaft, wo er sich als Mosaikleger für einen amerikanischen General betätigte. Als er 1946 aus der Gefangenschaft zurückkehrte, nahm er ein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie in Stuttgart auf, das bis 1951 dauerte.
Aus ein, zwei Jahren in Königsfeld werden 37
Nach seinem Studium sollte Homolka die Nachfolge seines einstigen Kunsterziehers Hils übernehmen, der damals Professor an der Akademie war. Doch dafür war Lehrerfahrung notwendig. Und so ging Homolka als Werklehrer und Erzieher an die Königsfelder Zinzendorfschulen. Eigentlich wollte er ein, zwei Jahre Erfahrungen mit Schülern sammeln, bevor es in die Erwachsenenbildung gehen sollte. Daraus wurden 37 Jahre in Schule und Internat in Königsfeld. Erst mit seinem Eintritt in den Ruhestand 1988 verließ er die Bildungseinrichtung.
Aufträge hat er zur Genüge
Parallel zu seiner Lehrtätigkeit war Homolka künstlerisch überaus aktiv. in den 1950er-Jahren erhielt er gleich zwei Mal den Kunstpreis der Jugend, damals eine der bedeutendsten Auszeichnungen überhaupt. Und die Auftragslage war gut – so gut, dass sie ihn sogar dazu zwang, seine Ausstellungstätigkeit beinahe komplett einzustellen. Sogar eine Plastik, die er eigentlich zur Hochzeit für seine Frau gefertigt hatte, wurde verkauft.

Das Glockenspiel auf dem St. Georgener Marktplatz – der Entwurf stammt von Emil Jo Homolka.
Foto: Helen MoserPlastiken und Zeichnungen waren seine Haupttätigkeiten. Aber auch Wandteppiche entwarf er. Zum Einsatz kamen dabei die verschiedensten Materialien. Sohn Claudius Homolka beschreibt seinen Vater als energiegeladen, kreativ und experimentierfreudig, mit großen handwerklichen Fähigkeiten und hervorragender motorischer Kontrolle.
Seine Werke findet man an vielen Stellen
Wer in der Region unterwegs ist, kommt an Homolkas Schaffen kaum vorbei. Ein bekanntes Werk des Künstlers ist das Glockenspiel auf dem St. Georgener Marktplatz. Fürs Bergstadt-Rathaus fertigte er eine Bronzescheibe mit dem Ritter Georg. Am Bärenplatz steht sein Bärenbrunnen. Auch der Taufdeckel in der Lorenzkirche stammt aus seiner Werkstatt.

Erst seit einigen Wochen steht die Plastik „Hier bin ich“ im Königsfelder Kurpark.
Foto: Helen MoserIm Innenraum der Markuskirche in Villingen war er umfassend gestalterisch tätig – unter anderem den Altar mit Kruzifix und Leuchtern, die Kanzel, das Taufbecken, die Opferstöcke und die Wandbeleuchtung schuf Homolka. Für das Unternehmen Winkler verarbeitete Homolka Formteile zu 40 abstrakten Werken.
In Königsfeld sind abstrahierte Turner an einer Wand der Grund- und Hauptschule zu bewundern. Für die Aussegnungshalle in Buchenberg schuf Homolka ein Kreuz, das in Aluminium vorgesehen war, aber in Bronze gegossen wurde, für das Nikolauskirchlein Kruzifix und Altarleuchter.
Bleibendes Denkmal zum 100. Geburtstag
Noch ziemlich neu ist eine Plastik im Königsfelder Kurpark: Das Werk mit dem Titel „Hier bin ich“ steht seit Ende April an dieser Stelle. Enthüllt wurde sie feierlich im Rahmen einer Vernissage – denn zu seinem 100. Geburtstag widmete der Kurort Homolka eine Ausstellung.
