Tourismus in Gütenbach
: Zoff im idyllischen Zweitälerland

In der Tourismusgemeinschaft „Zweitälerland“, zu der auch Gütenbach gehört, rumort es heftig.
Von
Stefan Heimpel
Oberndorf
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Gütenbach soll künftig den dreifachen Mitgliedsbeitrag für den Tourismusverband Zweitälerland zahlen. (Archivfoto)

Jürgen Liebau

Im Dezember hatte die Gesellschafterversammlung des Zweitälerlands Elztal & Simonswäldertal Tourismus GmbH & Co. KG den Wirtschaftsplan und damit die laut Satzung festgelegten Zahlungen der Gemeinden beschlossen. Im Januar allerdings hat der Gemeinderat Simonswald in seinen Haushaltsplanberatungen diese Summen kritisiert und beschlossen, statt 142 000 Euro nur 40 000 Euro zu bezahlen.

Der dortige Bürgermeister hatte zwar diesen Beschlüssen widersprochen, doch die Gemeinderäte beantragen nun eine Überprüfung durch die Kommunalaufsicht, um die Berechnung der anteiligen Kosten der Gemeinden zu prüfen und zu ändern.

Statt Übernachtungen sollen Einwohner zählen

Bisher wurde der Kostenbeitrag zum Zweitälerland je Übernachtung gerechnet, künftig soll dies nach Einwohnerzahlen geschehen. Bürgermeisterin Lisa Hengstler machte die Berechnungen und die Forderungen des Simonswälder Gemeinderats deutlich. Bisher wurde der Kostenanteil der Gemeinden aus den Übernachtung- und Einwohnerzahlen der vergangenen drei Jahre ermittelt. Der Gemeinderat Simonswald will hier aber nur noch die Einwohnerzahlen berücksichtigen. Das führt zu deutlichen Verschiebungen bei den Zahlungen.

Gütenbach ist der kleinste Fisch im Becken

Gütenbach ist die Gemeinde im Verbund mit der niedrigsten Gästezahl von 1990 pro Jahr, Simonswald hat dagegen 111 777 Übernachtungen im Jahr. Nach dem bisherigen Schlüssel liegt der Kostenanteil für Gütenbach bei 5833 Euro, für Simonswald mit mehr als dem 50-fachen an Übernachtungen bei 142 000 Euro. Wenn jetzt nur nach Einwohnerzahlen berechnet würde, müsste Gütenbach künftig 14 300 Euro und damit fast das Dreifache der bisherigen Summe bezahlen. Simonswald liegt dann mit 3160 Einwohnern bei einem Kostenanteil von 40 100 Euro.

Das wäre auf jeden Fall im Blick auf den Tourismus eine massive Verzerrung, so Hengstler. Dabei wurde bei der Diskussion deutlich, dass eine Änderung der Einzahlungen während eines laufenden Wirtschaftsjahrs eigentlich nicht verständlich sei. Lorenz Wiehl meinte, man könne den Verteilungsschlüssel natürlich diskutieren, aber die fälligen Zahlungen nicht einfach auf fast ein Viertel kürzen. Damit sei die Gemeinde Simonswald vertragsbrüchig.

Gemeinde hatte kein Mitspracherecht

Hengstler ergänzte, dass beim Beschluss dieses Wirtschaftsplans Gütenbach selbst nicht stimmberechtigt war. Die Gütenbacher Gemeinderäte waren sich einig, dass man von Simonswald die Vertragserfüllung einfordern sollte. Eine Berechnung der Kosten nur nach Einwohnerzahl wäre unsinnig. Die Gemeinde Gütenbach müsste ansonsten diese Kooperation im Tourismus aufkündigen.

Mitgliedschaft steht auf der Kippe

Im einstimmigen Beschluss des Gemeinderats wurde den Forderungen der Gemeinde Simonswald zur Berechnung nur nach Einwohnerzahl nicht zugestimmt. Gleichzeitig wurde Simonswald aufgefordert, den Beschluss zurückzunehmen und die für das Haushaltsjahr 2025 beschlossenen Zahlungen von 142 000 Euro sicherzustellen. Nicht zuletzt fordert man von Simonswald eine klare Erklärung, ob die Gemeinde unter diesen Umständen noch an einer Weiterführung des Zweitälerland-Tourismus interessiert ist.

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