Misshandlungen vorbeugen: So werden Kinder in Königsfeld vor Gewalt geschützt

Fritz Link, Franzisca Scheu (dritte von links) und Martina Wolf (rechts) danken Stefanie Degen für die engagierte Arbeit.
Stephan HübnerBürgermeister Fritz Link verwies auf die gesetzliche Verpflichtung zur Erstellung eines Konzepts. Erste Vorarbeiten erfolgten über die Freistellung einer Mitarbeiterin.
Dank eines Zuschusses von 27 000 Euro von Kinderschutzbund und Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration konnte Stefanie Degen beauftragt werden, das Konzept mit den Kita-Mitarbeiterinnen weiter auszuarbeiten, wobei ein Verhaltenskodex auf die jeweilige Einrichtung zugeschnitten wurde.
Degen arbeitet beim Landkreis und ist freiberuflich in Sachen Fortbildung und Coaching tätig. Gewalt gegen Kinder beginne dort, wo kindliche Grundbedürfnisse wie Respekt, Sicherheit oder körperliche Unversehrtheit nicht erfüllt seien, wenn Erwachsene Kinder nicht als eigenständige Persönlichkeiten respektierten, sondern Macht ausübten und sie kontrollieren wollten, erklärte sie.
Misshandlungen im familiären Umfeld
Die BKA-Kriminalstatistik von 2018 weise 136 Todesfälle bei Kindern aus, 80 Prozent davon unter sechs Jahren, wobei man von mindestens der doppelten Anzahl ausgehe. Dazu kämen 98 Tötungsversuche sowie 4180 misshandelte Kinder, was größtenteils im familiären Umfeld geschehe. Laut der Statistik würden jeden Tag elf Kinder krankenhausreif geschlagen.
Sexualisierte Gewalt finde sehr häufig im familiären Umfeld statt, nur ein Prozent der Fälle würden Behörden bekannt. Psychische Gewalt entstünde oft unbewusst in alltäglichen Situationen, zum Beispiel mit Anschreien, Bloßstellen, dem Aufzwingen von Essen oder dem Zwang zum Schlafengehen.
Mitarbeiter sollen sensibilisiert werden
Laut Link soll das Kinderschutzkonzept dafür sorgen, dass Mitarbeiter sensibilisiert werden, um prekären Situationen vorzubeugen. Es gehe aber nicht darum, Verdachtsmomente zu schaffen.
Für entsprechende Meldungen sei eine strukturierte, mit der Verwaltung abgestimmte Vorgehensweise festgelegt. Die Gemeinde als Arbeitgeber werde bei Neueinstellungen auf entsprechende Vorstrafen achten. Im Fall des Falles müsse man auch arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen.
Kinderschutz in der täglichen Praxis
Wichtig ist laut Degen, dass der Kinderschutz in der täglichen Praxis gelebt wird, aber auch ein Beschwerdemanagement und die Partizipation der Kinder sei notwendig. Geschult werden soll der Blick aufs eigene Verhalten, aber auch nach außen. „Es geht aber nicht darum, den Erzieherinnen alles zu verbieten.“
Auf Nachfrage von Birgit Helms erklärte Link, dass es auch für Verdachtsfälle häuslicher Gewalt feste Abläufe gibt. Die erarbeiteten Konzepte sollen Eltern im Januar 2026 in einer Infoveranstaltung vorgestellt werden.
Franziska Hornscheidt schlug vor, auch Eltern mit Kindern in kirchlichen Einrichtungen einzuladen. Die haben laut Link aber schon seit längerem ein eigenes Konzept, über das die Gemeinde nichts sagen könne, so Link.
Laut Martina Wolf, Leiterin der Kita in Neuhausen, war Degen 70 bis 80 Stunden im Haus. Die Erzieherinnen leisteten mehr als die Hälfte dieser Zeit in ihrer Freizeit.
Zusammen mit Franzisca Scheu, Leiterin der Kita in Erdmannsweiler, dankte sie Stefanie Degen für die engagierte Arbeit.