Kranken- und Hilfsverein feiert: Seit 150 Jahren eine tragende Säule der Fürsorge in St. Georgen

Für ihr Engagement werden die Vorstandsmitglieder des evangelischen Kranken- und Hilfsvereins mit Rosen bedacht.
Stephan Hübner- Evangelischer Kranken- und Hilfsverein St. Georgen feiert 150-jähriges Bestehen im Gemeindehaus.
- Gegründet 1876 als „Frauen und Jungfrauenverein“: lange, wechselvolle Geschichte bis heute.
- Hilfe über Jahrzehnte: Diakonissen, Hausschwesternstation, Sozialstation und Kaffeenachmittage.
- Aktuell nur 205 Mitglieder – für den Weiterbestand werden neue Mitglieder benötigt.
- Gratulationen und Unterstützung: Bürgermeister lobt Einsatz und gibt 400 Euro für die Vereinskasse.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Viel Lob gab es für den Kranken- und Hilfsverein, der am Sonntag im evangelischen Gemeindehaus sein 150-jähriges Bestehen feierte. Anfangs gab es einen Gottesdienst von Pfarrerin Lean Dignus.
Beim Festakt sprach die Vorsitzende Veronika Rapp von einer langen und wechselvollen Vereinsgeschichte. Gegründet wurde der Verein 1876 als „Frauen und Jungfrauenverein“ von Pfarrer Karl Öhler, dessen Frau die erste Vorsitzende war.
1912 beschäftigte man zwei Diakonissen, sammelte im Ersten Weltkrieg Geld, um Wäsche herzustellen, Obst zu Saft zu verarbeiten und an Lazarette zu liefern oder verwundete Soldaten mit Essen zu versorgen. Nach Kriegsende machte die Inflation zu schaffen, der Mitgliedsbeitrag betrug eine halbe Million Rentenmark. 1962 war der Verein mit fast 1000 Mitgliedern der größte der Stadt, wurde 1934 der NSDAP angegliedert.

Bürgermeister Michael Rieger gratuliert zum Jubiläum. Vereinsvorsitzende Veronika Rapp nimmt die Glückwünsche stellvertretend entgegen.
Stephan HübnerNach dem Zweiten Weltkrieg gründete Pfarrer Graf den Verein neu. 1952 gab es den ersten Telefonanschluss und ein Leichtmotorrad. 1958 folgte die Gründung der Hausschwesternstation.
Verein ist auf Mitgliedersuche
Den heutigen Namen erhielt der Verein 1961 unter der Vorstandschaft Magda Weissers. 1963 kamen eine Altenbegegnungsstätte und das Kaffeestüble. 1964 unterstützte man den Bau des Altenheims mit einem Basar mit dem Erlös von 22.700 D-Mark. Zehn Jahre später wurde die Sozialstation eingerichtet. Mitglieder erhalten bei Inanspruchnahme von Essen auf Rädern oder Pflege einen Bonus. Finanziell unterstützt wurden zum Beispiel die Anschaffung von Spezialbetten oder die Rampe am Öku-Zentrum.

Ein Gottesdienst in der Lorenzkirche eröffnet die Feier zum Jubiläum.
Stephan HübnerAls Ausflüge mit den Altenheimen nicht mehr gestemmt werden konnten, bedachte man die Bewohner mit Kaffeenachmittagen. Der Freundeskreis für Behinderte wird zu Ostertreffen und Weihnachtsfeier eingeladen.
Doch der Verein steht vor einer unsicheren Zukunft: Um den Weiterbestand zu gewährleisten, sind weitere Mitglieder nötig, von denen es heute nur noch 205 gibt. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 22 Euro jährlich.
Bürgermeister lobt Einsatz für Bedürftige
Man könne dankbar sein, den Verein vor Ort zu haben, sagte Dignus. Er inspiriere zum tatkräftigen Mitanpacken. Bürgermeister Michael Rieger sprach von 150 Jahren Neben-, Für- und Miteinander, gelebter Hilfe am Mitmenschen mit zum Teil sehr großer Bedürftigkeit. Das gebe Hoffnung in vielleicht hoffnungsloser Zeit, Zuversicht und das Gefühl, nicht allein zu sein, und wirke wie eine zweite Medizin in einer Zeit, in der für viele das eigene Interesse im Vordergrund stehe. Engagierte Frauen und Männer packten an, wo es nötig sei.

Der evangelische Posaunenchor umrahmt den Festakt musikalisch.
Stephan HübnerDer Verein erinnere durch sein Tun und seine Haltung daran, dass Gesellschaft nicht nur von Wohlstand, sondern auch vom Füreinanderdasein lebe, sei eine tragende Säule der Fürsorge mit großem personellem Einsatz, lobte Rieger. Dahinter stehe viel Freundlichkeit und Kompetenz. Heute seien der Umgang mit- und der Respekt voreinander nicht mehr so ausgeprägt. St. Georgen hebe sich noch ein bisschen ab, sei sozial enorm gut aufgestellt. Als Geschenk hatte Rieger 400 Euro für die Vereinskasse dabei.
Verein lebt gegenseitiges Verständnis vor
Für das Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, müsse man sich ganz einbringen, so Wolfgang Schergel, Vorsitzender der evangelischen Altenhilfe. Die tägliche gute Tat genüge bei Weitem nicht. Pflegeheimbewohner nannten die Kaffeenachmittage wunderschön – das größte Lob, das man von Schwarzwäldern empfangen könne. Wärme, Liebe und Zuneigung seien in der Pflege von unschätzbarem Wert. Der Verein habe 150 Jahre vorgelebt, was gegenseitiges Verständnis bedeute.

Gäste sind anlässlich der Feier zu einem kleinen Imbiss eingeladen.
Stephan HübnerSelina Rosenfelder vom Freundeskreis für Behinderte lobte die unheimliche Treue bei Treffen über Jahrzehnte hinweg. Herbert Rapp warf bei einem Diavortrag einen tiefen Blick in die Vereinshistorie.