Kleinkunst in Triberg: Bei einem Lied gab es keinen Beifall

Bei ihrem Auftritt bleibt kein Auge trocken: Martin Wangler (von links) Chris Thoma sowie Thomas Klauer in Aktion.
Richard SchusterDer SPD-Ortsverein der Raumschaft betreibt nicht nur Politik, er organisiert auch tolle kulturelle Veranstaltungen. Dieser Tage war der Kabarettist, Schauspieler und Barde Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel erstmals mit seiner Band Fidelius & die Waldvögel in der Wasserfallstadt zu Gast. Natürlich war der Abend im Pub „daHeim“ längst im Vorfeld ausverkauft. Fidelius (Akkordeon, Gitarre) ließ es zusammen mit seinen Kumpels Thomas Klauer (Kontrabass und Gitarre), sowie Chris Thoma (verschiedene Schlagwerke) denn auch so richtig krachen. Die Besucher erlebten einen vergnüglichen Auftritt, bei dem es aber auch nachdenkliche und kritische Zwischentöne gab.
Heimatverbundene Rampensau
Fidelius ist das, was man salopp aber durchaus liebevoll als „Rampensau“ bezeichnen kann. Er zeigte seine Verbundenheit zur Heimat, Stichwort: Erscheinungsbild und Schwarzwälder Mundart. Und er präsentierte dem Publikum – augenzwinkernd und mit einem Schuss Selbstironie - Landleben und Charaktere in kabarettistisch und musikalisch beeindruckender Weise, gern auch überzeichnend und urkomisch. Dabei ergänzte er sich perfekt mit seinen Mitstreitern. Beide sind ebenfalls hervorragende Musiker und Komödianten. Nach dem „Cegolied“ erklärte Fidelius den anwesenden „Hochdeutschen“, dass für sie der weitere Abend leider sinnlos sei, denn „ich schwätz` so, wie mir de` Schnabel g’wachse isch.“
„Stell`dir vor, du wärsch e Sau!“
Die gern auch dreistimmig vorgetragenen Lieder und Balladen hatten meist einen gewissen Hintersinn. Beispielsweise bei „Stell`dir vor, du wärsch e Sau“ wurden Tierwohl und übermäßiger Fleischkonsum thematisiert. Fidelius schwärmte vom „Bibbeliskäs“ genauso wie von der heimischen Wurst und brach eine Lanze für die Schwarzwaldbauern. Passend dazu das melancholische „Lied über einen Furtwanger Bauern“, in dem die oft harte Lebensrealität auf den Höfen besungen wurde. Fidelius und seine Waldvögel erzählten vom Bauernkrieg 1525 und von der 1848er Revolution. Sie landeten bei unserer freiheitlichen Demokratie, die derzeit heftig „von der blauen Seite“ angegriffen werde und unbedingt verteidigt werden müsse.
Beim Lied über den 1942 von Nazis in Hinterzarten wegen „Rassenschande“ hingerichteten polnischen Zwangsarbeiter Stefan Koslowski lief es manchem Zuhörer kalt den Rücken hinunter – da klatschte keiner mehr. Das Publikum bog sich dann aber wieder vor Lachen bei der Geschichte von der gar so bezaubernden Fleischfachverkäuferin und dem Lied von der „lieben kleinen Schwarzwurstmarie“. Fidelius erzählte den Leuten auch, was er in Anlehnung an Rio Reiser alles machen würde, „wenn ich Erzbischof wär`“. Die begeisterten Zuhörer konnten gar nicht genug von Fidelius und den Waldvögeln bekommen und ließen sie erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.