Kanzelrede in Furtwangen
: Vieles ist im Wandel – doch Schwester Susanne blickt nach vorn

Schwester Susanne hielt am Wochenende die 15. Kanzelrede in der Stadtkirche St. Cyriak in Furtwangen. Die Ordensobere sah den zu bewältigenden Spagat zwischen Altem und Neuem.
Von
Siegfried Kouba
Oberndorf
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Die 15. Kanzelrede gibt es in der Kirche St. Cyriak (von links): Andrea Klausmann (Gesang), Rolf Langenbach (Gitarre), Moderatorin Bettina Schmitt-Hönl, Ordensoberin Susanne Bader, Pfarrgemeinderat Josef Straub und Pfarrer Harald Bethäuser.

Siegfried Kouba

Die 15. Kanzelrede in der Pfarrkirche St. Cyriak hielt Schwester Susanne, die zum Leitungsteam des Klosters Hegne gehört und zur Provinzoberin der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz“ avancierte.

Sie überbrachte Grüße von Schwester Benita, sei „barfuß in die Zukunft“ unterwegs und blicke auf die kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen.

Die Gedanken dazu griff schließlich Pfarrer Harald Bethäuser auf. Er betonte, dass Orden, Kirche und Gesellschaft angesprochen seien. Den humanistisch-christlichen Ansatz transportierten auch Andrea Klausmann (Gesang) und Rolf Langenbach (Gitarre) bei „Gut, wieder hier zu sein“ und dem Spiritual „Kumbaya my Lord“.

Bettina Schmitt-Hönl begrüßte die Gäste und stellte die Referentin und deren Lebenslauf vor. Wer eine Ordensfrau mit verstaubten Ansichten erwartete, wurde enttäuscht. Geistliche Richtschnur boten ihr der Heilige Franziskus und der im 19. Jahrhundert sozial wirkende Kapuzinerpater Theodosius sowie die Ordensgründerin Maria Theresia Scherer.

Mit offenem Herzen, klarem Verstand und dem Blick auf Realität betrachtet sie die aktuellen Veränderungen in allen Lebensbereichen.

Wichtig sei die Hinwendung zu allen Geschöpfen, wie sie im „Sonnengesang“ des Franziskus poetisch umschrieben wird. Der Armut versuchte Theodosius mittels Gründung einer Fabrik Herr zu werden. Er förderte Bildung, Einsatz in der Pflege und vermittelte Vertrauen zu Gott für Notleidende.

Nur noch 140 Nonnen

Schwester Maria Theresia riet, „täglich das zu tun, was in den Kräften des Einzelnen stehe“. In dieser ethischen Verantwortung stehen die Hegne-Schwestern, die fast 200 Jahre in Furtwangen wirkten. Nur noch rund 140 Nonnen sind zu zählen. Bildung, Pflege, Schulpflicht und Krankenversorgung wurden vom Staat übernommen. Daher sei der Rückgang ein natürliches Phänomen. Hinzu käme, dass katholische Gemeinden schrumpfen und viele Menschen sich nicht mehr binden wollen. Auch im großen Konstrukt Orden setzte ein Entwicklungsprozess ein mit Folge einer Stiftung.

Schwester Susanne verglich die Situation mit einem kräftigen Baum der tief verwurzelt, aber im Absterben begriffen ist. Ein winziger Trieb allerdings sprieße hervor und entwickle sich zu einem stattlichen Gehölz. Heiliger Geist, Berufung und Charisma könnten für Veränderung sorgen, wenn Menschen „offen für Gott und die Menschen“ seien. Dabei müssten die Alten die Jungen lieben und segnen.

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