Glücksbringer ohne Nachfolger: Kaminfegermeister Rafael Kammerer aus Nußbach hört nach 50 Jahren auf

Kaminfegermeister Rafael Kammerer aus Nußbach (links) hört altershalber auf. Sein langjähriger Geselle Florian Öhler wechselt ins Kinzigtal.
Florian OehlerRafael Kammerer, Kaminfegermeister aus Nußbach, gibt seinen Beruf nach knapp 50 Jahren aus Altersgründen auf. Zu seinem Bedauern konnte er keinen Nachfolger finden, trotz wiederholter Ausschreibung. Es falle ihm schwer, gibt er zu, er sei gerne in diesem Beruf tätig gewesen.
Rafael Kammerer erinnert sich noch gut an seine Anfänge: 1977 begann er die Lehre in Furtwangen. Damals gab es noch viel Schnee, mit den Langlaufskiern kam er außerhalb von Hof zu Hof. Und körperlich fit sowie schwindelfrei zu sein war wichtig, denn früher waren steigbare Kamine gar nicht so selten. Das heißt, im Kamin musste er sich innen mit eigener Körperkraft hochstemmen und dabei immer wieder Ruß abkratzen. So war auch das Ausbrennen der Kamine, wenn sich durch falsche Befeuerung Glanzruß angesetzt hat, eine sehr heikle Arbeit. Das gibt es heute nur noch selten, inzwischen sind in langen Kaminen kleine Türen eingebaut, so kann gut „gerußt“ werden, erklärt Kammerer.
1983 begann er ein Jahr in Vollzeit mit der Meisterschule. Diese befindet sich in Ulm, wo er auch als Auszubildender den Blockunterricht besuchte.
1992 erhielt er seine erste Meisterstelle im Alb-Donau-Kreis, wobei er 36 Ortschaften zu betreuen hatte.
Zurück in die Heimat
Mitte der 90er-Jahre wurden hier die Bezirke neu eingeteilt und Kammerer konnte durch diese Neubildung in seiner Heimat arbeiten. Seit 19 Jahren ist Geselle Florian Öhler bei ihm beschäftigt, er wird nun seine neue Stelle in Haslach im Kinzigtal antreten.
Inzwischen haben sich die Arbeiten als Kaminfeger sehr geändert. Außer der Überwachung in den Kaminen oder Emissionsmessungen muss der Kaminfeger technisches Geschick zeigen. Durch die Energiewende muss er zum Beispiel erklären können, wie eine Heizung oder Wärmepumpe funktioniert.
Auch ist er hier durch regelmäßige Überprüfungen für eine vollumfängliche und gute Funktion verantwortlich.
Klar, dass regelmäßige Fortbildungen nötig waren. Denn der Kaminfeger hat die Gesetzgebung zu beachten und muss eventuelle Mängel anmahnen.
Rafael Kammerer blickt mit etwas Wehmut auf die langen Jahre im Berufsleben zurück, denn er habe eine gute Zeit gehabt. Dafür sei er allen Kunden dankbar. Immer wieder war er besonders an Silvester als Glücksbringer gefragt, dies freute ihn natürlich persönlich.
Neueinteilung
Bezirke
Da es keinen Nachfolger für Rafael Kammerer gibt, hat das Landratsamt die Bezirke neu eingeteilt. Ab 1. April wird Christof Schwer aus Schonach tätig sein, in Nußbach Richard Weiz aus Schuttertal, in Langenschiltach übernimmt Markus Fehrenbach aus Obereschach, das Gebiet Sommerau Jörg Höhnle aus Villingen und einen Teil in Tennenbronn betreut Schornsteinfegermeisterin Janina Schaumann aus Bösingen.